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Flüchtlingsdrama: Hilfsorganisation befürchtet 400 Ertrunkene im Mittelmeer

Flüchtlingsdrama: Hilfsorganisation befürchtet 400 Ertrunkene im Mittelmeer

In wenigen Tagen 8.500 Menschen gerettet

Bei einem Schiffsunglück vor der libyschen Küste sind nach Angaben einer Hilfsorganisation vermutlich 400 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Dies gehe aus Schilderungen von Überlebenden hervor, die in der süditalienischen Stadt Reggio Calabria angekommen seien, teilte die Organisation Save the Children am Dienstag mit. Unter den Opfern seien auch Kinder.

Bootsunglück vor italienischer Küste
Die Küstenwache hat in den vergangenen Tagen fast 10.000 Flüchtlinge aufgegriffen.
dpa, Giuseppe Lami

Die italienische Küstenwache hatte am Montag 144 Flüchtlinge von einem Boot gerettet, das vor der Küste Libyens gekentert war. Neun Leichen wurden geborgen. Eine große Rettungsaktion wurde eingeleitet. Weitere Überlebende seien aber nicht gefunden worden, meldete die Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf die Küstenwache.

Es wäre eine der schlimmsten Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer, seit im Oktober 2013 mehr als 360 Menschen vor der italienischen Insel Lampedusa umgekommen waren. Das Unglück hatte eine große Diskussion um die Flüchtlingspolitik Europas ausgelöst. Derzeit kommen Tausende Migranten vor allem aus Ländern Afrikas südlich der Sahara und aus Syrien in Italien an.

Viele Boote starten in Libyen, das vom Bürgerkrieg zerrissen ist. Seit Freitag rettete die Küstenwache etwa 8.500 Menschen. Viele Auffanglager in Italien sind vollkommen überfüllt. Auf Lampedusa sollen 1.400 Menschen in einem Lager sein, das für etwa 250 ausgelegt ist. "In der Nähe von Tripoli lebten wir für vier Monate in einer Sardinenfabrik, wir waren mehr als tausend Leute", erzählte eine Gerettete der Agentur Ansa von ihren Erlebnissen vor der Abfahrt. "Wir haben nur einmal am Tag gegessen und konnten nichts machen. Wenn man mit einem Freund oder Nachbarn gesprochen hat, wurde man geschlagen."

Kritik an Kauder

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) zog unterdessen mit Forderungen nach mehr Abschiebungen scharfe Kritik der Opposition auf sich. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, klar sei, "dass jeder tote Flüchtling auf dem Mittelmeer einer zu viel ist". Grenzpolizeiliche Maßnahme könnten die Probleme nicht beheben.

Die Länder, aus denen die Flüchtlinge aufbrechen, müssten die Schlepper-Kriminalität besser bekämpfen. Den afrikanischen Heimatländern müsse geholfen werden, damit die Menschen eine Perspektive zum Bleiben haben.

Grünen-Chefin Simone Peter warf der Regierung vor, sich wegzuducken. "Die Europäische Union muss nun zügig handeln, weg von einer Politik der Abschottung hin zu mehr sicheren Zugangswegen für Schutzsuchende nach Europa."

Die Linke-Innenexpertin Ulla Jelpke sagte mit Blick auf das ausgelaufene Seenotrettungsprogramm 'Mare Nostrum': "Die Scharfmacher unter den europäischen Innenministern, wie Bundesinnenminister Thomas de Maizière, sahen die Seenotrettung ohnehin nicht als humanitäre Pflicht der EU, sondern als Bedrohung für die Sicherheit der Außengrenzen." Das Bündnis 'Gemeinsam für Afrika' forderte gemeinsame europäische Missionen zur Seenotrettung.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) entgegnete, eine Lösung könne nur durch bessere Bedingungen in den Herkunftsländen gefunden werden. "Wir können am Ende, wenn die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer sind, das Risiko, das sie eingehen um Leib und Leben, kaum wirklich vermeiden", sagte er. "Wir müssen sehen, dass wir stabilere Verhältnisse in diesen Regionen schaffen und beitragen, dass nicht noch mehr Menschen in die Flucht gezwungen werden."