Flüchtlingsdrama auf der "Diciotti": Migranten dürfen vom Schiff - Ermittlungen gegen Innenminister Salvini

26. August 2018 - 15:36 Uhr

Warten hat ein Ende

Nach tagelangem Warten dürfen die im Hafen von Catania festsitzenden Migranten das Rettungsschiff "Diciotti" verlassen. Um den Großteil der Menschen werde sich die italienische katholische Kirche kümmern, sagte Innenminister Matteo Salvini. Ihm selbst droht Ärger.

Konsequenzen für Salvini

Einige der Migranten nehmen Albanien und Irland auf. Insgesamt 190 Migranten waren am 16. August aus Seenot gerettet worden, das Schiff der italienischen Küstenwache durfte erst Montag in Catania einlaufen. Bislang konnten nur Minderjährige und Kranke von Bord gehen.

Wegen des langen Hin und Her um die Menschen an Bord der "Diciotti" drohen Salvini nun Konsequenzen. Die Justiz hat Ermittlungen gegen den Innenminister aufgenommen. Dem Vize-Premierminister und Chef der fremdenfeindlichen Lega wird Amtsmissbrauch und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Salvini kritisiert Ermittlungen - seine Umfragewerte steigen

Matteo Salvini
Italiens Innenminister Matteo Salvini droht Ärger.
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Salvini bestätigte ein Verfahren gegen ihn. Er hatte angeordnet, die Mitte August im Mittelmeer geborgenen Menschen erst von Bord gehen zu lassen, sobald sich andere europäische Staaten zur Aufnahme einiger Migranten bereit erklären. Nach tagelangem vergeblichen Tauziehen mit anderen EU-Staaten hatten letztlich Albanien, Irland und die katholische Kirche in Italien zu, die verbliebenen rund 140 Migranten aufzunehmen.

Salvini kritisierte die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Agrigent gegen ihn scharf: "Es ist unglaublich, in einem Land zu leben, in dem vor zehn Tagen eine Brücke eingestürzt ist, unter der 43 Menschen gestorben sind, und es keinen gibt, gegen den ermittelt wird", sagte er. "Und sie ermitteln gegen einen Minister, der die Grenzen des Landes verteidigt. Es ist eine Schande."

Vor der applaudierenden Menge fuhr er fort: "Ihr habt eine Regierung, die die italienischen Bürger bis zum Ende verteidigen wird." Salvinis Umfragewerte sind seit dem Amtsantritt der neuen Regierung im Juni stark gestiegen. 

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