Verdachtsfälle im Camp Moria

Flüchtlingscamp Lesbos: Angst vor Coronavirus ist hier besonders groß

10. März 2020 - 23:51 Uhr

22.000 Menschen auf engstem Raum - Ansteckungsgefahr immens

Die ganze Welt ist in Sorge wegen des Corona-Virus und immer wieder ist es natürlich Thema, dass besonders die Immunschwachen und Kranken geschützt werden müssen. (Alle aktuellen Infos zum Coronavirus hier im Liveticker)  Die Angst vor dem Virus ist daher auch auf Lesbos und gerade in dem größten Flüchtlingscamp Moria besonders groß. Hier leben tausende Menschen auf engstem Raum zusammen. Die Ansteckungsgefahr wäre immens! Jetzt gibt es Verdachtsfälle. Wie katastrophal die Lage im Flüchtlingscamp ist, erklärt RTL-Reporter Stephan Richter im Video.

Mindestens zwei Corona-Verdachtsfälle im Camp

Sehr viele Menschen im Camp haben ernsthafte Vorerkrankungen oder ein schwaches Immunsystem und sind bereits krank. Sollte das Virus hier ausbrechen, würde das ungeahnte Folgen haben. Momentan gibt es nach RTL-Informationen mindestens vier Verdachtsfälle auf der Insel, davon mindestens zwei aus dem Camp.

Wie ernst die Lage ist, sieht man an einem Bereich im Camp, in dem vor allem Kinder und Jugendliche untergebracht sind. Dieser Bereich steht jetzt unter Quarantäne. "Wir wollten heute mit einem Mädchen aus Syrien drehen, aber sie darf diesen Bereich nicht verlassen", berichtet unser Reporter Stephan Richter, der seit einigen Tagen auf der Insel und auch im Flüchtlingscamp dreht.  "Der Ausbruch wäre eine Katastrophe, die in der jetzigen Diskussion auch eine politische Strahlkraft hätte."

Schiff mit 450 Migranten vor Lesbos - Human Rights Watch schlägt Alarm

Im Hafen Mytilini, der Hauptstadt der Insel Lesbos, steht nach wie vor ein Schiff des griechischen Militärs, auf dem die Ankömmlinge, die nach dem 1. März angekommen sind, untergebracht sind. Dieses Schiff sollte ursprünglich die Menschen auf das griechische Festland bringen, von wo aus sie in ihre Heimatländer abgeschoben werden sollen. Allerdings befürchtet man nach RTL-Informationen auch auf diesem Schiff Coronavirus-Fälle, so dass das Schiff vor erst den Hafen nicht verlassen wird.

Die Hilfsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisiert die Umstände, unter denen rund 450 Migranten dort festgehalten werden. "Die Weigerung, den Menschen in Gewahrsam die Möglichkeit zu geben, Asyl zu beantragen, und die offene Drohung, sie zurück zu ihren Verfolgern zu schicken, stehen im krassen Gegensatz zu den gesetzlichen Verpflichtungen, denen Griechenland zugestimmt hat, sowie den Werten und Grundsätzen, die es angeblich vertritt", sagte Bill Frelick, Direktor für Flüchtlings- und Migrationsrechte bei HRW.

Griechenland hatte das Asylrecht am 1. März für einen Monat ausgesetzt, nachdem die Türkei Ende Februar angekündigt hatte, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Bei den Menschen auf dem Marineschiff handelt es sich laut Behörden um Migranten, die seither illegal von der türkischen Küste nach Lesbos übergesetzt haben. Sie sollen in ein Lager auf dem Festland gebracht und von dort in ihre Herkunftsländer ausgewiesen werden. Laut Informationen von HRW befinden sich auf dem Schiff 451 Menschen, darunter viele Kinder und Frauen. Die meisten kämen aus Afghanistan, es seien jedoch unter anderem auch Syrer, Iraker, Kongolesen und Somalier an Bord.