Flüchtlinge in Burbach misshandelt: Prozess gegen 30 Wachleute startet

08. November 2018 - 18:17 Uhr

Wurden Flüchtlinge in dieser Unterkunft oft tagelang in "Problemzimmern" eingesperrt?

Die Flüchtlingskrise hatte noch nicht ihren Höhepunkt erreicht, da sorgte dieser Vorfall für großes Aufsehen. Zwischen Ende 2013 und September 2014 soll das Sicherheitspersonal eines Burbacher Flüchtlingsheims Menschen eingesperrt und misshandelt haben. Das Landgericht Siegen startet nun, vier Jahre später, mit einem Mammutprozess gegen 30 Personen. RTL-Reporter Ulrich Klose ist vor Ort.

Die Anklage lautet: fahrlässige und gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Diebstahl

Tagelang sollen Flüchtlinge in "Problemzimmern" eingesperrt und misshandelt worden sein. Bilder davon haben damals sogar die Öffentlichkeit erreicht, weil die Wachleute einer Nürnberger Firma ihre Taten im Burbacher Flüchtlingsheim mit dem Handy gefilmt hatten. Am Donnerstag (8.11.) sitzen sie auf der Anklagebank in Siegen - genauso wie Mitarbeiter der Heimleitung und zwei Angestellte der Bezirksregierung Arnsberg.

Der erste Prozesstag gilt erst einmal der Anklageaufnahme. Ein Angeklagter ist gar nicht erst gekommen, er habe die Einladung zu spät bekommen, hieß es. Zeugen seien nicht geladen, berichtet Ulrich Klose, der für RTL aus Siegen berichtet. In den folgenden Monaten sollen die dann Details der Vorwürfe geklärt werden.

Alle 30 Angeklagten sollen direkt oder indirekt in die Misshandlungen involviert gewesen sein. Die Regierungsmitarbeiter sollen beispielsweise von den "Problemzimmern" gewusst und nichts dagegen getan haben.

Neue Standards für Betreuungspersonal eingeführt

08.11.2018, Nordrhein-Westfalen, Siegen: Die unter anderem wegen Freiheitsberaubung, gefährlicher Körperverletzung und Diebstahls Angeklagten und ihre Anwälte sitzen vor Beginn ihres Prozesses in einem Saal in der Siegerlandhalle. 30 Angeklagte, Wach
Großer Verhandlungsraum: Hier findet der Prozess in Siegen statt.
© dpa, Henning Kaiser, hka gfh

Für die Heimbetreuung war damals die Essener Firma "European Homecare" zuständig, die den Nürnberger Wachdienst beschäftigt hatte. Nachdem die Misshandlungen bekannt geworden waren, ist die Heimbetreuung in andere Hände gefallen. Zudem seien einige Maßnahmen ergriffen worden, um die Situation vor Ort und in anderen Heimen zu verbessern, erklärte Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrates NRW, im Vorfeld des Burbach-Prozesses gegenüber RTL.

Beispielsweise habe die Bezirksregierung einen Acht-Punkte-Plan eingesetzt und neue Standards für das Betreuungspersonal eingeführt, so Naujoks. Mobile Kontrollen sollen außerdem dafür sorgen, dass die Standards dauerhaft eingehalten werden. Das werde jedoch nicht auf kommunaler Ebene geregelt; dort gebe es weniger oder keine Kontrollen.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Burbach-Prozess kann nicht im Landgericht abgehalten werden

Das Flüchtlingsheim in Burbach ist inzwischen geschlossen worden. Zwei Menschen, die dessen Mitarbeitern zum Opfer gefallen sollen, hatten sich als Neben-Kläger angeben lassen. Beide leben bereits wieder in ihren Heimatländern.

Der Prozess findet allerdings nicht im Landgericht Siegen selbst statt, sondern in einer größeren Veranstaltungshalle - wegen der hohen Anzahl der Angeklagten.