Konflikt zwischen Syrien und Türkei

Flüchtlinge an griechischer Grenze mit Tränengas beschossen

33 türkische Soldaten starben in der Nacht nach Luftangriffen syrischer Regierungstruppen.
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28. Februar 2020 - 19:17 Uhr

33 türkische Soldaten sterben bei Luftangriff in syrischer Provinz

Die Türkei steht unter Schock. Als die TV-Moderatorin am Donnerstagabend die Zahlen der getöteten türkischen Soldaten in Syrien durchgibt, zittert ihre Stimme leicht: Erst neun, dann 22 - am Ende sind es 33 Soldaten, die bei Luftangriffen in der syrischen Provinz Idlib ihr Leben lassen. Die Türkei droht jetzt, die Grenzen zu öffnen. Flüchtlinge sollen von griechischen Grenzpolizisten mit Tränengas beschossen worden sein, berichtet das griechische Staatsfernsehen.

Der Konflikt könnte eskalieren

Die Türkei macht die syrische Regierung für die Angriffe verantwortlich. Seit Wochen spitzt sich die Lage in der syrischen Rebellenhochburg Idlib zu. Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad rücken mit Russlands Hilfe immer weiter vor - unbeeindruckt vom türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der immer wieder mit einer Militäroffensive droht. Der Konflikt zwischen der Türkei und Assad mit seiner Schutzmacht Russland könnte vollends eskalieren.

Gibt es Beistand von der Nato?

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Konflikt in Syrien
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Die Türkei übte Vergeltung. Dass es zu einem massiven Einmarsch türkischer Truppen kommt, halten Experten aber erst mal für unwahrscheinlich.

Für den Fall eines Angriffs haben sich die Nato-Staaten zu gegenseitigem Beistand verpflichtet. Seit der Nato-Gründung 1949 ist das erst einmal passiert - nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf die USA. Im Falle des Syrienkrieges ist derzeit unwahrscheinlich, dass die Türkei einen solchen Bündnisfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrags auslöst. Die Bereitschaft der 28 anderen Nato-Staaten, dem zuzustimmen, wäre wohl sehr gering.

Kommen jetzt mehr Flüchtlinge nach Europa?

Die Türkei hat bereits mehr als 3,6 Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, eine neue Fluchtbewegung in sein Land will Erdogan unbedingt vermeiden. Günther Seufert (Leiter des Zentrums für angewandte Türkeistudien) hält es inzwischen für "realistisch", dass die Türkei ihre Drohung wahr macht und Flüchtlinge nach Europa lässt. Sie wolle, dass es an der Grenze zu Griechenland oder Bulgarien zu "unschönen Bildern kommt", um den Druck auf die Europäer und damit über die Nato auf Russland zu erhöhen.

RTL-Korrespondentin Kavita Sharma befindet sich auf der türkischen Seite der Grenze und beobachtet die Situation: "Wir sehen einen stetigen Strom an Gruppen, die am Grenzzaun entlanggehen", berichtet sie, die Grenze sei aber von griechischer Seite dicht. "Wir haben außerdem gehört, dass griechische Grenzpatrouillen Tränengas gegen die Geflüchteten eingesetzt haben sollen", sagt Sharma.