Flüchtlinge abgezockt: 5.400 Euro Miete für 2-Zimmer-Wohnung

23. Februar 2016 - 15:30 Uhr

Geschäft mit der Not

Deutsche Städte und Kommunen haben immer größere Probleme, die ihnen zugeteilten Flüchtlinge unterzubringen. Skrupellose Wohnungsbesitzer nutzen das aus und verlangen von Flüchtlingen horrende Mieten. Dabei zocken sie nicht nur verzweifelte Asylbewerber ab, sondern auch den deutschen Staat.

Flüchtlinge abgezockt: 5.400 Euro Miete für 2-Zimmer-Wohnung
Skrupelose Vermieter nutzen Flüchtlinge aus
© dpa, Armin Weigel

Die Masche: Sie kassieren die Pauschalen, die die Flüchtlinge vom Staat bekommen. In Berlin übernimmt zum Beispiel das Landesamt für Gesundheit und Soziales bis zu 50 Euro pro Person und Nacht, um Flüchtlinge vorübergehend in Hotels, Hostels oder Wohnungen unterzubringen.

Unser Reporter hat mit einer Flüchtlingsfamilie in Berlin gesprochen. Die sechsköpfige Familie lebt in einer 2-Zimmer-Wohnung für eine Wucher-Miete: 5.400 Euro im Monat. Unsere Recherchen zeigen: Das Beispiel ist leider kein Einzelfall. Die Miete für die Flüchtlinge kommt übrigens direkt vom Landesamt, also vom Steuerzahler.

Ministerium will gegen Abzocke vorgehen

Das Problem an der Mietabzocke: Wenn die Vermieter eine Genehmigung zur gewerblichen Nutzung ihrer Wohnung besitzen, ist die überzogene Miete zumindest juristisch erlaubt. Doch moralisch ist sie absolut nicht Ordnung und sollte unterbunden werden, findet Bundesbauministerin Barbara Hendricks: "Mehrere tausend Euro für 60 Quadratmeter. Das ist sittenwidrig und solche Verträge dürfen die Ämter einfach nicht unterzeichnen."

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales in Berlin will der Abzocke nun Einhalt gebieten: Erstens sollen die Tagessätze für Flüchtlinge verringert werden. Zweitens soll eine Liste mit seriösen Anbietern erstellt werden, um die Mietabzocker auszusortieren.