Mehrere Sicherheitslücken entdeckt

Flucht aus JVA Bochum: Straftäter nutzte die Schwachstellen gnadenlos aus

19. August 2019 - 21:30 Uhr

Geflohener war Sportwart in der JVA-Turnhalle

Mit seiner filmreifen Flucht ließ Aleskander E. die Sicherheitskräfte der JVA Bochum ziemlich alt aussehen. In seiner Funktion als Sportwart der Gefängnis-Turnhalle konnte der 42-jährige Serbe offenbar die Sicherheitslücken in der JVA ausspähen und den Ausbruch Schritt für Schritt planen. Wie ihm das gelingen konnte, versuchen die Ermittler nun herauszufinden. Erste Mängel wurden bereits entdeckt. Wie er letztlich geflohen ist, zeigen wir im Video.

Fenster des Gefängnisses waren nicht vergittert

Nach dem Ausbruch am vergangenen Donnerstag hat eine erste Untersuchung der Justizvollzugsanstalt ergeben: Das Oberlicht, über das der 42 Jahre alte Gefangene auf ein Vordach klettern und so auf den Sportplatz gelangen konnte, hätte vergittert sein müssen. Das erklärte JVA-Sprecherin Candida Tunkel am Montag.

Außerdem hatte E. in einem auf dem Sportplatz abgestellten Container eine Stangenkonstruktion deponiert, mit der er die Gefängnismauer überwinden konnte. Der Container sei nicht ausreichend gesichert gewesen, weil das Schloss offenbar manipuliert werden konnte, sagte Tunkel weiter. Der Container werde nun weggeschafft.

Überwachungstürme waren nicht besetzt

Aleksander E. flüchtete aus der JVA Bochum
Aleksander E. flüchtete nach einem Sportfest aus der JVA Bochum.
© Presseportal

Auch haben sich laut Tunkel Fragen ergeben, ob der Mann überhaupt Sportwart hätte sein dürfen und ob es Mängel bei seiner Beaufsichtigung gegeben haben könnte. Der wegen Körperverletzung, Diebstahls und schweren Raubes verurteilte Serbe sei in unregelmäßigen Abständen bei seiner Tätigkeit als Sportwart beaufsichtigt worden.

Eine weitere Schwachstelle habe sich durch den Umstand ergeben, dass die fünf Überwachungstürme der JVA wegen einer Asbestsanierung nicht besetzt gewesen seien. Zwar habe es alternative Sicherungsmaßnahmen gegeben, diese hätten jedoch offenbar nicht ausgereicht, betonte Tunkel.

Wachleute auf den Türmen hätten den Ausbruch laut JVA sehen können. Eine Kameraüberwachung gab es in dem Bereich demzufolge nicht. Die Sicherheitsmaßnahmen seien nun nachgebessert worden, erklärte die Sprecherin. Der Fall sei aber noch nicht abschließend geklärt.

JVA Bochum gilt als "Pannenknast"

Die JVA Bochum hatte bereits in der Vergangenheit als "Pannenknast" Schlagzeilen gemacht. Zwischen 2011 und 2013 war drei Insassen die Flucht gelungen - als Folge wurden der damalige Gefängnisdirektor suspendiert und die Sicherheitsvorkehrungen überarbeitet. Insgesamt gab es nach Angaben des Justizministeriums seit 2010 zehn Ausbrüche aus NRW-Gefängnissen.