Mehrwertsteuersenkung der Bahntickets soll Grund für Streichungen sein

Flixbus will ab 2021 etliche Verbindungen streichen

© iStockphoto

4. November 2019 - 18:30 Uhr

Mehr als 100 Verbindungen sollen wegfallen

Kunden des Fernbus-Anbieters Flixbus müssen sich einem Medienbericht der "Bild am Sonntag" (BamS) zufolge voraussichtlich ab dem Jahr 2021 auf zahlreiche Streckenausfälle einstellen. Das Unternehmen reagiert damit auf die geplante Mehrwertsteuersenkung für Bahnfahrten. Betroffen sollen vor allem ländliche Regionen und Touristenziele sein.

Mehrwertsteuersenkung als Grund für neues Streckennetz

Nach Recherchen der BamS soll die geplante Mehrwertsteuersenkung der Bahntickets von 19 auf 7 Prozent für die Einsparungsmaßnahmen seitens Flixbus verantwortlich sein. Das Fernbus-Unternehmen befürchtet durch die Gesetzesänderung ernstzunehmende Wettbewerbsnachteile und einen zunehmenden Preiskampf.

"Grundsätzlich kommentieren wir interne Planungen nicht. Klar ist aber auch, dass die einseitige Mehrwertsteuersenkung die Rahmenbedingungen im Fernverkehr massiv verschiebt. Die Politik hat die beliebten Fernbusse erst ermöglicht und macht sie nun in der Fläche wieder kaputt", zitiert die BamS einen Flixbus-Sprecher.

Auf einer internen Flixbus-Streichliste, die der BamS vorliegt, sind mehr als 100 Reiseziele aufgeführt, die von den Rationalisierungsmaßnahmen betroffen wären. Darunter sind Städte wie Chemnitz, Passau, Aachen, Ulm, Dresden und Neumünster.

Diskussion über einseitige Mehrwertsteuersenkung

Bereits Ende Oktober fand eine öffentliche Diskussion darüber statt, ob die einseitige Senkung der Mehrwertsteuer für Bahntickets seitens der Bundesregierung rechtlich vertretbar ist. Laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer verstößt diese Regelung gegen das Grundgesetz sowie das europäische Recht: "Bus und Bahn haben zusammen die besten CO2-Werte, sodass eine sachliche Trennung nicht nachvollziehbar ist." Die Busbranche fordert aus diesem Grund eine Steuersenkung auch für Fernbusfahrten.

Flixbus-Chef André Schwämmlein mahnt diesbezüglich: "Sollte die Mehrwertsteuersenkung tatsächlich nicht für den Fernbus kommen und nur für die Bahn, wird der Wettbewerbsvorteil wohl so immanent, dass wir circa 30 Prozent des Fernbusnetzes einschränken werden müssen."