FLI benötigt mehr Geld für Corona-Forschung an Tieren

02. Juli 2020 - 15:42 Uhr

Mit dem Auftreten von Covid 19 vor gut einem halben Jahr hat sich der Forschungsschwerpunkt des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) Greifswald deutlich verschoben. Das neuartige Coronavirus kann Menschen und Tieren gefährlich werden. "Wir haben Personal aus anderen Bereichen für diese Forschung abgezogen", sagte der Präsident des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit auf der Ostseeinsel Riems, Thomas Mettenleiter, am Donnerstag. Das sei eine große Kraftanstrengung, denn die Arbeit bleibe anderswo liegen. Er habe zusätzliche Mittel beantragt, um mehr Personal einstellen zu können, berichtete Mettenleiter dem Vorpommern-Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD). Er sprach von 1,5 bis 2 Millionen Euro, die er in den nächsten drei Jahren zusätzlich brauche. Es sei noch "unendlich viel" zu tun.

Notwendig sind laut Mettenleiter vor allem mehr Tierversuche. Die Forschung gehe in vier Richtungen. Der Erregernachweis gelinge bereits gut. Zu klären seien jetzt Fragen nach Zwischenwirten und nach der Gefährdung landwirtschaftlicher Nutztiere. Zudem würden Tiermodelle für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten benötigt, bevor die Therapeutika Menschen verabreicht werden.

Nach derzeitigen Erkenntnissen kommen Frettchen als Tiermodelle in Frage. Sie sind für das Virus ähnlich empfänglich wie Menschen, reproduzieren es in den oberen Atemwegen, scheiden es aus und übertragen es, wie Mettenleiter erläuterte. Auch Goldhamster seien empfänglich. Derzeit werde auf dem Riems ein Impfstoff der Ludwig-Maximilians-Universität München getestet. "Uns erreichen viele Anfragen, von Herstellern und von Wissenschaftlern", sagte er. Es gebe nicht viele Institute, die Versuchstiere jenseits der Labormaus hätten.

Zudem wurden mehrere Nutztiere getestet. Demnach scheinen sich Schweine, Hühner, Enten und Puten nicht zu infizieren. Rinder würden noch getestet, Pferde nicht. Empfänglich für das neuartige Virus sind demnach neben Frettchen auch Katzen, Flughunde, Fledermäuse, Nerze und - eher weniger - Hunde.

Das Bundesforschungsinstitut hat den Auftrag, einerseits die Gesundheit von lebensmittelliefernden Tieren zu erhalten und andererseits Menschen vor Zoonosen zu schützen, zwischen Tier und Mensch übertragbaren Infektionskrankheiten. Das deutschlandweit an fünf Standorten ansässige FLI beschäftigt nach eigenen Angaben 850 Mitarbeiter, davon je nach Projektlage 400 bis 450 am Hauptsitz auf dem Riems. Dahlemann informierte sich im Rahmen seiner diesjährigen Vorpommern-Tour über den Forschungsstandort.

Anschließend besuchte er die Nachbarinsel Koos, die als Naturschutzgebiet nicht frei zugänglich ist. Bei dem Gebiet handelt es sich dem Geschäftsführer der Michael Succow Stiftung, Jan Peters, zufolge um eine Küstenüberflutungsmoor. Einst errichtete Deiche um das Moor seien abgetragen worden, um es zu renaturieren, wie Mitarbeiterin Julia Seifert berichtete. Die Fläche brauchten die Beweidung mit Rindern und Wasserbüffeln, um eines Tages wieder zu Salzgrasland mit einer an die zeitweilige Überflutung angepassten Tier- und Pflanzenwelt zu werden.

Quelle: DPA