Todesfall durch Vibrionen in Mecklenburg-Vorpommern

Fleischfressende Bakterien in der Ostsee: Wie gefährdet sind wir?

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8. August 2019 - 11:12 Uhr

Erstes Todesopfer in diesem Sommer

Gesundheitsgefährdende Bakterien in der Ostsee haben diesen Sommer ein erstes Todesopfer in Mecklenburg-Vorpommern gefordert, wie die "Ostsee-Zeitung" berichtet. Eine ältere Frau infizierte sich beim Schwimmen mit sogenannten Vibrionen - und starb kurze Zeit darauf.

Aber was sind diese Vibrionen überhaupt? Und müssen wir uns jetzt Sorgen machen, wenn wir das nächste Mal zum Badeurlaub an die Ostsee fahren?

Klimawandel schuld am Bakterien-Wachstum?

Insgesamt waren im Sommer 2019 noch vier weitere Personen an Vibrionen-Infektionen erkrankt. Die Bakterien können schwere Wundinfektionen hervorrufen. Das Problem: Durch die steigenden Temperaturen wächst auch die Gefahr, durch Vibrionen zu erkranken. Die salzliebenden Vibrio-vulnificus-Bakterien, auch als Vibrionen bekannt, sind ein natürlicher Bestandteil salzhaltiger Meerwässer, wie uns Anja Neutzling vom Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGuS) in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Und sie mögen es gerne warm.

"Sie vermehren sich vor allem bei einem Salzgehalt ab 0,5 Prozent und ab einer Temperatur von ca. 20 Grad Celsius stark", so die Expertin. Diese Bedingungen seien in warmen Sommern auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste gegeben. Im Sommer 2018 zählte das Amt 18 Erkrankungen, davon drei Sterbefälle. Vibrionen "sind also auch in den deutschen Meeren beheimatet". Auch in weniger warmen Sommern konnten Neutzling zufolge Vibrionen in Nord- und Ostsee nachgewiesen werden. Der Begriff "fleischfressende Bakterien" wird seitens des LAGuS übrigens nicht benutzt.

Im Video: Was genau sind Bakterien eigentlich?

Für wen sind die Bakterien gefährlich?

Ein geschwächtes Immunsystem und offene Wunden sind laut LAGuS Risikofaktoren für "schwere Verläufe von Vibrionen-Infektionen". Als besonders anfällig gelten laut Gesundheitsamt Menschen mit chronischen Grundleiden wie Lebererkrankungen oder Diabetes sowie Menschen mit einer bestehenden Immunschwäche. Folgende Risikogruppen gelten als besonders gefährdet:

  • immunsupprimierte Personen
  • Personen mit Vorerkrankungen, die zur Schwächung der Immunabwehr führen, wie z. B. Diabetes mellitus, Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose, chronischer Hepatitis) Krebserkrankungen/Chemotherapien sowie schweren Herzerkrankungen
  • Personen höheren Alters

Darf man nun also als immungeschwächte Person nicht mehr ins Meer? Zumindest ist ein wenig Vorsicht geboten. "Personen aus den Risikogruppen mit offenen oder schlecht heilenden Wunden sollten gut überlegen, ob sie sich dem Kontakt mit Vibrionen-haltigem Salzwasser aussetzen", rät die Expertin vom LAGuS. Bei geringsten Anzeichen einer Wundinfektion sollte sofort ein Arzt konsultiert werden und dieser auf Kontakt mit Meerwasser hingewiesen werden.

Was kann man bei Verdacht auf eine Vibrionen-Infektion tun?

Wenn eine kleine Wunde nach dem Baden im Meer plötzlich mehr schmerzt und rot wird und sich kleine Blutblasen bilden, sollte auf jeden Fall allerhöchste Vorsicht geboten sein. Besonders wenn dazu womöglich auch Symptome wie Übelkeit, Schwindel oder Fieber auftreten, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Diesem sollte schon früh vom Bad im Meer berichtet werden. Die Infektion mit Vibrionen ist zwar selten, kann aber – wie im aktuellen Fall  – schnell fatal enden.

Sollten Infotafeln am Meer auf die Gefahren von Vibrionen hinweisen?

"Seit Jahren kommuniziert das LAGuS das Thema Vibrionen regelmäßig in der Saison sachlich in der Öffentlichkeit, hinzu kommen Informationen für Ärzte, (Reha-)Kliniken, Tourismusverbände", so Neutzling. Die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte informierten zusätzlich in öffentlichen Badegewässerprofilen über das mögliche Auftreten von Vibrionen.

Übrigens können Vibrionen auch über die Nahrung aufgenommen werden. 2018 starb eine Amerikanerin, nachdem sie in Louisiana Austern mit den Bakterien auf einem Markt aß. 

Keine Panik beim Badeurlaub!

Jetzt bloß nicht in Panik geraten – auch wenn Vibrionen tatsächlich an den deutschen Küsten vorkommen, haben gesunde Menschen nichts zu befürchten. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Immunsystem gefährdet sein könnte oder eine offene Wunde eine Infektion begünstigen könnte, sollte mit seinem Arzt über seine Bedenken sprechen. Denn den Sommerurlaub sollte man sich von den Bakterien garantiert nicht verderben lassen!