Flammeninferno von Griechenland: Rettungskräften und Überlebenden bieten sich Bilder des Schreckens

25. Juli 2018 - 16:40 Uhr

Rettungskräfte suchen weiter nach Opfern

Der Horror will kein Ende nehmen. Immer wieder werden neue Leichen im Osten Athens entdeckt, die Flammen haben dort alles zerstört. Die Rettungsmannschaften erleben täglich Unvorstellbares. Eine Szene wiederholt sich immer wieder: Feuerwehrleute und freiwillige Helfer gehen von Tür zu Tür und suchen in den zerstörten Häusern in der Urlaubsregion von Rafina, Mati und Neos Voutzas im Osten Athens nach Opfern. "Hallo! Hallo! Ist jemand da?", heißt es immer wieder. Es folgt: Totenstille. Langsam gehen die Feuerwehrleute in die Häuser hinein - sie haben Schlimmes gesehen und sind auf Schreckliches vorbereitet. Fernsehbilder zeigen diese schlimmen Szenen wieder und wieder.

Viele Häuser sind bis auf die Grundmauern ausgebrannt, die Identifizierung der Opfer ist deshalb schwierig

Rettungskräfte bergen weiterhin Leichen aus den verbrannten Häusern
Rettungskräfte bergen weiterhin Leichen aus den verbrannten Häusern.
© SplashNews.com

Allein in den vergangenen zwölf Stunden wurden fünf verkohlte Leichen entdeckt. Bislang sind 80 Tote gezählt worden. Eines der Opfer starb am Mittwoch an schweren Verbrennungen in einem Krankenhaus in Athen. Die bange Frage: Wie viele Tote gibt es in den mehr als 1.000 zerstörten Häusern noch? Dutzende Menschen werden noch vermisst. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und könnte Wochen dauern, DNA-Tests werden in vielen Fällen notwendig sein, sagen Gerichtsmediziner. Die Bürgermeister der Region befürchten, dass die Zahl der Opfer am Ende dieses Dramas dreistellig sein könnte.

Rettungskräfte und Überlebende berichten von schrecklichen Details

Dramatische Details des Dramas werden nach und nach bekannt. Ein etwa 13 Jahre altes Mädchen habe sich in einen Steilhang gestürzt - als es keinen Ausweg mehr gab. "Ihre Kleider brannten. Das Flammeninferno hinter ihr. Sie stürzte in die Tiefe und war auf der Stelle tot", sagte eine Augenzeugin mit Tränen in den Augen. Schrecklich ist auch das, was ein Feuerwehrmann aus der Ortschaft Mati erzählt. Er habe in einem verbrannten Auto die völlig verkohlten Leichen des Fahrers und der Beifahrerin gesehen. "Was sind das für Rucksäcke hinter ihnen, habe ich mich gefragt", sagte der Mann im griechischen Rundfunk. Dann stellte er schweißgebadet fest: Die vermeintlichen Rucksäcke waren Kinder, die sich offenbar in den letzten schrecklichen Minuten ihres Lebens um den Hals ihrer Eltern geklammert hatten. Viele Überlebende können das Ausmaß des Schreckens kaum fassen.

In unserem Video berichtet unser Reporter Christof Lang aus Rafina vom Ausmaß der Zerstörung und beschreibt, wie die Rettungskräfte mit der Situation umgehen.

Wie geht es jetzt weiter? Tausende Häuser sind zerstört, Strom- und Wasserversorgung unterbrochen

Ein Mann umarmt eine Frau vor ausgebrannten Autos in Rafina, Griechenland
Überlebende des Feuers stehen fassungslos vor den Trümmern ihres bisherigen Lebens
© SplashNews.com

Für die Überlebenden muss es nun weitergehen. Doch wie? Griechenland hat drei Tage Staatstrauer ausgerufen. Es wird sehr lange dauern, bis die Menschen sich von dem Erlebten erholt haben. Dasselbe gilt für die Region. Die Strom- und Wasserversorgung, Telefon und Internet sind weitgehend unterbrochen. Es könnte Wochen dauern, bis die Infrastruktur wieder einigermaßen intakt ist. Tausende Häuser sind unbewohnbar und müssen abgerissen werden. Die Staatsanwaltschaft von Athen hat eine Untersuchung eingeleitet, die die Ursachen der Katastrophe ermitteln soll.

Experten sind sich jedoch weitgehend einig: Egal aus welchem Grund der Brand ausbrach - die freiwilligen Helfer, die Feuerwehr und allen voran die Einwohner von Mati, Neos Voutzas und Rafina hatten keine Chance, die Katastrophe zu stoppen. Winde der Stärke 9 erzeugten binnen Minuten ein Flammenmeer. Nur wer extremes Glück hatte, konnte sich zum nahegelegenen Meer flüchten und wurde von Fischern gerettet.

Ist die Finanzkrise Schuld? Die Feuerwehr war auf solch eine Katastrophe nicht vorbereitet

Analysten, Journalisten und viele Bürger versuchen, die Ursachen der Katastrophe zu finden. Mal ist die Feuerwehr Schuld, die keinen Plan hatte, mal ist die griechische Finanzkrise Schuld. Die Feuerwehr ist nicht gut ausgerüstet und die Löschflugzeuge veraltet. Einige heben hervor, dass in Griechenland die Freiwillige Feuerwehr nicht richtig funktioniere. Freiwillige Feuerwehren gibt es seit Jahren in fast allen Regionen Griechenlands. Ein Offizier der Küstenwache, der an den Rettungsaktionen aus dem Meer im Osten Athens teilgenommen hatte, ist sich sicher: "Diese Tragödie tut weh und wird uns noch lange beschäftigen."