Flammenhölle in Londoner Hochhaus - Scotland Yard rechnet nicht mit weiteren Überlebenden

15. Juni 2017 - 12:09 Uhr

Mindestens 17 Todesopfer hat das Feuer gefordert

Im Zentrum Londons brennt ein 27-stöckiges Hochhaus. Nach bisherigem Stand fielen dem Feuer bereits 17 Menschen zum Opfer. Scotland Yard rechnet mit weiteren Todesopfern - schließlich werden noch immer Menschen in dem Wohnkomplex vermisst. Doch die Polizei rechnet nicht damit, noch Überlebende dort anzutreffen. Bislang konnte die Feuerwehr 65 Menschen aus den Flammen retten. Medienberichten zufolge sollen sich in dem Sozialbau rund 600 Menschen aufgehalten haben.

Weitere 79 Menschen erlitten Verletzungen und werden derzeit im Krankenhaus behandelt. Die Polizei geht davon aus, dass die Zahl der Toten steigen wird. Teams suchen in dem Gebäude nach Opfern. Der Brand in dem Hochhaus ist noch nicht gelöscht.

Die Feuerwehr ist eigenen Angaben zufolge mit 200 Leuten und 40 Löschfahrzeugen im Einsatz. Das Haus im Westen der britischen Hauptstadt brenne vom zweiten bis zum 27. Stock, hieß es. Die Ursache sei noch unklar. Die Polizei erklärte, es würden mehrere Menschen wegen Rauchvergiftung behandelt.

Menschen schrien um ihr Leben

Augenzeugen berichten auf Twitter ebenfalls von dem Brand im Grenfell Hochhaus. In dem Haus befanden sich auch Stunden nach Ausbruch des Feuers noch immer Menschen, wie die BBC berichtete. Nach Zeugenberichten haben viele Menschen verzweifelt an den Fenstern gestanden und um ihr Leben geschrien. Manche hätten in der Nacht auch versucht, per Handy Hilfe zu holen oder mit Taschenlampen auf sich aufmerksam zu machen, wie Nachbarn britischen Medien berichteten. Hunderte Menschen sollen in Sicherheit gebracht worden sein.

Rettungskräfte haben bislang mehr als 50 Verletzte in Kliniken gebracht. Dem Sender zufolge gab es Befürchtungen, das Gebäude könnte einstürzen. Die Feuerwehr hält das Hochhaus derzeit aber für stabil genug, um darin weiter nach möglicherweise eingeschlossen Menschen zu suchen. Den Rettungskräften soll es gelungen sein, bis zum 19. und 20. Stockwerk vorzudringen.

"Ich bin 100 Meter weit weg und vollständig mit Asche bedeckt"

Auf Videos ist zu sehen, dass die Flammen auf den gesamten Wohnkomplex übergegriffen haben. Fernsehmoderator George Clark, der in der Nähe wohnt, sagte dem Sender BBC Radio 5, er könne Menschen ganz oben auf dem Hochhaus sehen. Er habe zunächst gedacht, dass eine Alarmanlage in einem Auto angegangen sei und habe dann die Glut durch die Fenster gesehen. "Ich wurde mit Asche bedeckt, so schlimm ist es. Ich bin 100 Meter weit weg und vollständig mit Asche bedeckt."

Die Polizei twitterte, die Gegend nordwestlich vom Hyde Park solle gemieden werden. Dan Daly von der Feuerwehr sagte, die Feuerwehrleute würden Atemmasken tragen, die Arbeit sei extrem hart und die Bedingungen sehr schwierig. "Das ist ein großer und sehr schwerwiegender Vorfall." Man habe zahlreiche Helfer und Spezialisten entsandt.

Nach Angaben des Stadtbezirks Royal Borough of Kensington and Chelsea sind in dem Hochhaus 120 Wohnungen. Es wurde 1974 errichtet und von 2014 bis 2016 für 8,6 Millionen Pfund umfassend modernisiert.

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Der Bürgermeister von London verspricht umfassende Aufklärung

Es ist bereits der zweite größere Vorfall in London innerhalb von wenigen Wochen. Am 3. Juni hatte sich auf der London Bridge ein Terroranschlag ereignet, der weltweit Entsetzen hervorgerufen hatte. Jetzt steht ein Hochhaus mitten in London in Flammen, Menschen könnten dort noch immer eingeschlossen sein. Augenzeugen hatten in der Nacht auf Twitter von Schreien berichtet. Menschen seien aus dem brennenden Gebäude gesprungen. Trümmerteile flogen aus dem Gebäude. Hin und wieder knallte es in dem Gebäude. Die Polizei riegelte alle Wege hermetisch und weiträumig ab. Die Ursache für den Großbrand ist bislang unklar.

Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, verspricht umfassende Aufklärung. "Es wird im Laufe der nächsten Tage viele Fragen zur Ursache dieser Tragödie geben und ich möchte den Londonern versichern, dass wir dazu alle Antworten bekommen werden", erklärte Sadiq Khan. Die entsetzlichen Bilder hätten ihn schwer getroffen.