Über 1.000 Mitarbeiter infiziert

Firmenboss Tönnies zum Corona-Ausbruch in der Fleischfabrik: "Ich werde alles tun"

20. Juni 2020 - 18:09 Uhr

Unternehmer äußert sich überraschend vor der Presse

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischhersteller Tönnies nimmt nun auch das Unternehmen Stellung zu den Vorfällen. Unternehmer Clemens Tönnies traf überraschend vor die Presse und entschuldigte sich für die Ereignisse in seinem Betrieb. "Ein Unternehmen steht auf Vertrauen", sagte er. Darum treffe es ihn besonders hart, was zuvor auf einer Pressekonferenz des Landkreises Gütersloh gesagt wurde. "Das Vertrauen, das wir in die Firma Tönnies setzen, ist gleich null", hatte homas Kuhlbusch, der Leiter des Krisenstabs, gesagt. 

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Tönnies: Unvollständige Adresslisten wegen Datenschutzbestimmungen

Tönnies erklärte, dass er dem Landkreis nur unvollständige Adresslisten geben konnte, weil ihm die Daten der über Subunternehmer angestellte Mitarbeiter nicht vorlagen. Dem Unternehmen Tönnies lägen lediglich Name, Geschlecht und Geburtsdatum der Mitarbeiter vor. Darüber würde alles im Betrieb organisiert. "Mehr an Daten dürfen wir nach Werkvertragsrecht nicht haben", erklärte er. Da gebe es datenschutzrechtliche Probleme. Man habe sich trotzdem bemüht, die Adressen der Mitarbeiter zu beschaffen. Die Situation habe gezeigt, dass sich das ändern müsse. Er als Unternehmer wolle so auch nicht weitermachen, sondern aus der Krise lernen.

Dass er erst jetzt vor die Presse trete, habe nichts damit zu tun, dass er sich vorher nicht getraut habe, sagte Tönnies. Er sei vorher im Krankenhaus gewesen. Nun wolle er aber alles tun, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen. Es gehe jetzt in erster Linie um die Menschen. "Wir sind in einer Packstation dabei, Pakete zu packen, um die Mitarbeiter drei- bis viermal die Woche mit frischen Lebensmitteln zu versorgen", versprach er. Alle Menschen, die auf dem Werksgelände von Tönnies arbeiten wurden in Quarantäne geschickt. "Wir tun alles. Wir werden dieses Thema wieder in den Griff kriegen miteinander", versprach der Unternehmer.

Situation im Landkreis Gütersloh ist angespannt

Zuvor hatte es massive Kritik an dem Unternehmen Tönnies gegeben. Offenbar wurden Abstandsregeln im Betrieb nicht eingehalten. Viele Mitarbeiter, die nur zum Arbeiten in Deutschland sind, leben in beengten Verhältnissen.

Mittlerweile wurden 1.029 Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet. Dies teilte der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer, am Samstag in Gütersloh mit. Insgesamt 3127 Befunde lägen mittlerweile vor. Adenauer betonte: "Wir haben keinen signifikanten Eintrag von Corona-Fällen in die allgemeine Bevölkerung." Die Corona-Reihenuntersuchungen auf dem Gelände der Fleischfabrik im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück wurden am Samstag fortgesetzt. Seit Freitag unterstützen Bundeswehrsoldaten die Maßnahmen.