Test in den USA

Erste Freiwillige bekommt neuen Coronavirus-Impfstoff gespritzt

18. März 2020 - 8:59 Uhr

Coronavirus-Impfstoff: 45 gesunde freiwillige Teilnehmer machen mit

Die 43-jährige Jennifer Haller hat als erste Freiwillige einen möglichen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus injiziert bekommen. Das sei Teil der ersten Phase des klinischen Tests des Impfstoffs an einem Forschungsinstitut in Seattle, teilten die US-Behörde National Institutes of Health (NIH) am Montag mit. 45 gesunde freiwillige Teilnehmer zwischen 18 und 55 Jahren sollen in den kommenden Wochen an dem Test teilnehmen.

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Coronavirus-Impfstoff erst in Monaten erwartet

"Wir kommen uns alle so hilflos vor. Das ist eine tolle Gelegenheit für mich, etwas zu tun", erklärte Haller nach Angaben der "New York Times" gegenüber Associated Press.

Neben der 43-Jährigen nahmen drei weitere Freiwillige an dem Test teil, bei dem der Impfstoff im Abstand von einem Monat verabreicht werden soll. Sie fühle sich "großartig", sagte Jennifer Haller, nachdem sie den Untersuchungsraum verlassen hatte.

Der Impfstoff namens "mRNA-1273" wird gemeinsam mit der privaten Biotechnologie-Firma Moderna entwickelt. Die erste Testphase habe in "Rekordzeit" gestartet werden können, sagte Anthony Fauci, Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten. Der gesamte Prozess der Entwicklung eines Impfstoffes wird Fauci zufolge trotzdem voraussichtlich mindestens ein bis anderthalb Jahre dauern. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen gegen Covid-19.

Streit um Impfstoff-Firma

16.03.2020, Baden-Württemberg, Tübingen: Ein Aufkleber ist auf dem Briefkasten des Impfstoff-Entwickers CureVac angebracht. (zu dpa "Streit um Impfstoff-Firma erreicht Kreis der G7-Staaten") Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach die USA exklusiv die Rechte an einem Impfstoff der Firma CureVac erwerben wollen.
© dpa, Marijan Murat, mut

Am Wochenende hatte es Berichte gegeben, wonach die USA exklusiv die Rechte an einem Impfstoff gegen das Coronavirus der deutschen Firma CureVac erwerben wollen. Der mutmaßliche Versuch der US-Regierung hatte auch den Kreis der G7-Staaten beschäftigt. Darüber habe er bereits mit seinen Kollegen aus Kanada, Südkorea, Brasilien und Australien gesprochen, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Deutsche Forscher sind führend an der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen beteiligt, in weltweiten Kooperationen. Wir können nicht zulassen, dass sich andere ihre Forschungsergebnisse exklusiv aneignen wollen."

Ein CureVac-Sprecher sagte am Montag: "Ein Angebot liegt uns nicht vor." Das Biotech-Unternehmen teilte der "Schwäbischen Zeitung" mit, eine Übernahme durch ein amerikanisches Unternehmen oder durch die USA stehe nicht im Raum. Zwar bestehe durchaus Interesse aus den USA an der Arbeit von CureVac, aber "Corona ist ein weltweites Problem, dafür arbeiten wir", sagte Franz-Werner Haas, der für die Produktion verantwortliche Vorstand bei CureVac. Seit Januar forscht CureVac an einem Impfstoff gegen das Coronavirus.

80 Millionen Euro von der EU für CureVac

 Tuebingen 15.03.2020 Aussenansicht des Hauptsitz der biopharmazeutisches Unternehmen CureVac AG in Tuebingen *** Tuebingen 15 03 2020 Exterior view of the headquarters of the biopharmaceutical company CureVac AG in Tuebingen ULMER
Die Europäische Kommission will CureVac mit bis zu 80 Millionen Euro bei der Entwicklung eines Mittels gegen das Coronavirus unterstützen
© imago images/ULMER Pressebildagentur, ULMER via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Bundeskanzlerin Angela Merkel betrachtet die Auseinandersetzung mit den USA um die Tübinger Impfstoff-Firma für beendet. "Letzteres hat heute keine Rolle gespielt, zumal das Thema ja auch gelöst ist, wie wir am Wochenende ja sagen konnten", sagte Merkel am Montag in Berlin. Die Bundesregierung habe sich "da ja sehr frühzeitig darum gekümmert". Die Kanzlerin verwies auch auf Äußerungen des Unternehmers Dietmar Hopp und der Firmenspitze, wonach ein Exklusivvertrag etwa mit den USA für einen Corona-Impfstoff für CureVac nicht in Frage komme.

Die Europäische Kommission will CureVac mit bis zu 80 Millionen Euro bei der Entwicklung eines Mittels gegen das Coronavirus unterstützen, teilte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Brüssel mit.