Taugt das skandinavische Land als Vorbild?

Finnland hat Corona besser im Griff als der Rest Europas

Symbolfoto
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© picture alliance, CHROMORANGE / Günter Fischer

16. November 2020 - 11:04 Uhr

Nur 325 Todesfälle bisher

Europa blickt voller Neid nach Finnland: Still und leise, so scheint es, hat das kleine skandinavische Land in den vergangenen Monaten die Corona-Pandemie verhältnismäßig gut in den Griff bekommen. Lediglich 18.500 Fälle sind dort registriert, nur 325 Menschen starben. Woran liegt es, dass die Finnen ganz offensichtlich erfolgreicher beim Kampf gegen das Virus sind?

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Hohe Akzeptanz der finnischen Corona-App

ILLUSTRATION - 07.10.2020, Finnland, Helsinki: Die finnische Corona-App «Koronavilkku» warnt seinen Benutzer über eine mögliche Risikobegegnung mit einer mit Corona infizierten Person. Foto: -/Lehtikuva/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Hohe Akzeptanz: 45 Prozent der Finnen nutzen die offizielle Corona-App.
© dpa, -, tt esz fgj

Bereits im März reagierte die Regierung in Helsinki schnell und verhängte im März einen zweimonatigen Lockdown. Reisen in und aus der Hauptstadt Helsinki wurden verboten. Anschließend kehrte das Land in den meisten Bereichen zur Normalität zurück, berichtet der Nachrichtensender n-tv.

In Finnland gibt es demnach ein effektives Testsystem, außerdem würden Ansteckungsketten zurückverfolgt. Dies helfe, die Infektionen gering zu halten. Große Bedeutung habe die App "Corona Flash" – etwa 2,5 der 5,5 Millionen Finnen haben sie auf ihrem Smartphone, das sind ungefähr 45 Prozent.

In Deutschland haben sich bisher etwas mehr als 22,14 Millionen Menschen die Corona-Warn-App heruntergeladen, das sind etwa 27 Prozent.

Mentalität: "Nicht so gesellig und gern allein"

Ein weiterer Unterschied zu anderen Ländern ist, dass die Menschen in Finnland ihren Behörden weitgehend vertrauen. Zudem gebe es kaum Widerstand gegen die Corona-Regeln der Regierung. Das spiegelt auch eine Umfrage im Auftrag des EU-Parlaments wider. Dabei gaben in Finnland 23 Prozent der Befragten an, dass der Lockdown ihr Leben verbessert habe.

Laut einer Wissenschaftlerin der Universität Helsinki liegt das auch an der finnischen Mentalität. "Wir sind nicht so gesellig und gern allein", sagt die Sozialpsychologin Nelli Hankonen dem Bericht zufolge.

In Finnland gibt es kaum Ballungsräume

Taugt das Land als Vorbild für andere Länder, speziell für Deutschland? Abgesehen von einer anderen Einstellung der Menschen zu offiziellen Vorgaben und Maßnahmen der Regierung an sich, gibt es gravierende Unterschiede.

Zwar sind beide Länder annähernd gleich groß (Finnland hat 338.440 Quadratkilometer, Deutschland 357.386), doch leben in der Bundesrepublik (83 Mio.) etwa 15mal so viele Menschen wie in Finnland (5,5 Mio.).

Zudem gibt es in Finnland nahezu keine Ballungsgebiete. Finnlands größte Stadt ist Helsinki mit 640.000 Einwohnern (das ist in etwa die Größe Stuttgarts). Insgesamt gibt es neun Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern – in Deutschland sind es 81.

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