"Find my Face": Google+ erkennt jetzt auch Gesichter

© dpa, Julian Stratenschulte

9. Dezember 2011 - 11:30 Uhr

Wettstreit mit Konkurrent Facebook

Seit dem Start seines eigenen sozialen Netzwerks liefert sich Google mit Facebook einen Wettstreit um neue Funktionen und führt jetzt auch eine Gesichtserkennung für Fotos ein. Der Internet-Riese beteuert, aus den Fehlern des Konkurrenten gelernt zu haben.

Die neue Funktion "Find my Face" soll Nutzern erleichtern, ihre Kontakte im eigenen Fotoalbum zu markieren. Genau mit dieser Gesichtserkennung war Facebook in Streit mit Datenschützern und Behörden geraten. Doch Google betonte, sich bei der Umsetzung an die Vorgaben deutscher Datenschützer gehalten zu haben. "Wir wissen, dass der Datenschutz bei Gesichtserkennungs-Technologie eine empfindliche Angelegenheit ist", sagte der Datenschutzbeauftragte von Google, Peter Fleischer.

Die Gesichtserkennung sei standardmäßig ausgestellt, sagte Fleischer. Wenn die Mitglieder von Google+ sich für die Nutzung entschieden, erstelle das System zunächst ein Modell ihres Gesichts. Dann durchsuche es die Fotos der eigenen Kontakte im Netzwerk und schlage diesen vor, die Bilder mit Namen zu versehen. "Nur Leute, mit denen ich in Kontakt stehe, werden Vorschläge erhalten", so Fleischer. Mitglieder sollen die Funktion jederzeit wieder abschalten können. Die Markierungen auf den Fotos der Freunde sind dann aber weiter zu sehen.

Datenschützer: Versprechen von Google sind positiv

Der zuständige Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar bewertete die Versprechungen von Google positiv. So sei vorgesehen, dass eine Erfassung biometrischer Daten nicht ohne Zustimmung der Nutzer erfolge. Dennoch müsste seine Behörde die Aussagen noch überprüfen. "Die Ankündigungen legen aber durchaus den Schluss nahe, dass Google, anders als Facebook, offenbar erkannt hat, dass eine erfolgreiche Einführung von Diensten mit neuen Technologien gerade auch die Belange des Datenschutzes berücksichtigen sollte", erklärte der Jurist.

Caspar wirft Facebook vor, die Gesichtserkennung in Europa eingeführt zu haben, ohne die Nutzer zu informieren und eine "unmissverständliche Einwilligung" einzuholen. Er will über eine Ordnungsverfügung dafür sorgen, dass das Unternehmen seine Einstellungen ändert.

Caspar ist sowohl für Google als auch für Facebook zuständig, weil beide Unternehmen in Hamburg ihren Deutschland-Sitz haben. Google hat auch den Datenschutzbeauftragten von Irland informiert - dort ist der Europasitz.

Techniken zur Gesichtserkennung kommen bereits vielfach zum Einsatz, mittlerweile auch in diversen Produkten für Endverbraucher. So gibt es Bildbearbeitungsprogramme, die damit die Markierung von Personen erleichtern - ähnlich wie bei Facebook und Google+. In der neuen Version seines Betriebssystems Android hat Google zudem eine Funktion eingeführt, die eine Entsperrung von Smartphones per Gesichtserkennung ermöglichen soll.