Nichts bestellt - und trotzdem sollen Kunden zahlen

Finanztest deckt auf: 41.000 Handyrechnungen zu hoch und falsch

© picture alliance / dpa Themendie, Christin Klose, mb

16. September 2019 - 16:14 Uhr

Kunden von Vodafone, Klarmobil und Mobilcom-Debitel betroffen

Bei 41.000 Kunden von Vodafone, Klarmobil und Mobilcom-Debitel wurde zu viel abgebucht oder sie haben falsche Rechnungen erhalten, berichtet "Finanztest". Ihnen wurde Geld für Sonderdienste eines Drittanbieters in Rechnung gestellt – obwohl sie diese nicht bestellt hatten.

Drittanbieter verweisen auf Mobilfunkanbieter, Mobilfunkanbieter verweisen auf Drittanbieter

"Beim Bäcker hat der Kunde nichts gekauft – aber der Metzger will von ihm Geld dafür." So beschreibt "Finanztest", was den Mobilfunk-Kunden passiert ist. Auf ihren Handyrechnungen tauchen Beträge für Dienste des Drittanbieters Infin auf, ohne dass sie diese gebucht oder genutzt hatten.

Wenn sich die Kunden bei Infin beschwerten, erklärte der Drittanbieter allerdings, dass er nicht zuständig sei, da er diese Dienste – also zum Beispiel Videos oder andere nicht genannte Leistungen – weder "zur Verfügung gestellt" noch "berechnet" hätte. Zahlen sollten die betroffenen Kunden natürlich dennoch. Erst als sich Finanztest einschaltete, bekamen Vodafone-Kunden das Geld erstattet. Auch Kunden von Klarmobil und Mobilcom-Debitel sollen Gutschriften erhalten.

Die Mobilfunkunternehmen dagegen verweisen bei entsprechenden Beschwerden oft an den sogenannten Drittanbieter und verlangen gleichzeitig die Bezahlung der Beträge. Gerne auch mit Verweis auf die Sperrung der SIM-Karte bei mangelnder Kooperation. Allerdings zu Unrecht, wie ein rechtskräftiges Urteil des Landgerichts Potsdam zeigt.

Grundsätzlich gilt: Wer nichts bestellt hat, muss auch nichts bezahlen

Die Verbraucherzentrale Hamburg empfiehlt Mobilfunk-Kunden, unberechtigte Rechnungsposten für Leistungen Dritter grundsätzlich anzufechten – und zwar bei ihrem Telefonunternehmen. Denn grundsätzlich gilt: Wer nichts bestellt hat, muss auch nichts bezahlen. Und wer eine Zahlung verlangt, muss auch erklären, wofür und kann nicht einfach auf einen Dritten verweisen.

So können sich Kunden vor falschen Handy-Rechnungen schützen

Kunden können sich am besten vor diesen falschen Rechnungen schützen, indem sie sich bei den Mobilfunkanbietern sogenannte Drittanbietersperren einrichten lassen. Dies ist auch nur für einzelne Dienste wie zum Beispiel Spiele-Abos möglich. Falls Sie eine zu hohe oder falsche Rechnung erhalten haben, rät "Finanztest" zu Folgendem:

  • Reklamieren Sie schriftlich die Posten auf der Rechnung, die Sie nicht bestellt haben und weigern Sie sich, diese zu bezahlen.
  • Beschweren Sie sich per E-Mail bei der Bundesnetzagentur.
  • Zeigen Sie unseriöse Drittanbieter online bei der Internetwache der Polizei an.

Den ganzen Finanztest-Bericht lesen Sie hier