Finanzkrise: Die Angst vor dem Börsencrash

09. Februar 2016 - 14:54 Uhr

Staatschefs und Finanzminister beraten sich

Wie reagieren die Börsen am Montag auf die Herabstufung der Bonität der USA? Unter dem Eindruck der dramatischen Kurseinbrüche der vergangenen Woche bemühen sich die führenden Wirtschaftsnationen der Welt um eine Beruhigung der Lage. US-Präsident Barack Obama verteidigte unterdessen seine Finanzpolitik.

Wie reagieren die Bösen auf die Herabstufung der US-Bonität?
Wie reagieren die Bösen auf die Herabstufung der US-Bonität?
© REUTERS, LEE JAE-WON

Nach einer ganzen Reihe von Telefonaten führender Eurozonen-Politiker sprach Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, der derzeit Vorsitzender der G7 und der G20 ist, auch mit dem britischen Premierminister David Cameron. Themen sei die Schuldenkrise in Europa und die Bonitätsherabstufung der USA gewesen, bestätigte ein britischer Regierungssprecher. Beide Politiker seien sich einig, zusammenzuarbeiten, die Situation genau zu beobachten und in den kommenden Tagen in Kontakt zu bleiben.

Die Finanzminister und Notenbankchefs der wichtigsten Industrienationen (G7) wollten sich nach Informationen der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo telefonisch über die heftigen Irritationen an den weltweiten Finanzmärkten beraten. Auch die Eurozonen-Notenbanken wollten sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg kurzschließen und über die heikle Lage sprechen.

Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel bekräftigten in einem gemeinsamen Kommuniqué ihr Engagement zur Stabilisierung der Finanzmärkte. Die von den Staats- und Regierungschefs des Euro-Währungsgebiets und von den Institutionen der Europäischen Union am 21. Juli gefassten Beschlüsse sollten rasch vollständig umgesetzt werden, hieß es in dem Schreiben beider Regierungschefs.

Obama verteidigte unterdessen seine Finanzpolitik. Das jüngste Schuldenabkommen sei ein "wichtiger Schritt in die richtige Richtung" gewesen, teilte das Weiße Haus mit. Zugleich räumte Obama aber ein, das wochenlange politische Gerangel habe "zu lange gedauert und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet". Obama rief zu mehr Einigkeit in der Sparpolitik auf, hieß es. Es war die erste Stellungnahme der Regierung nach der Herabstufung der US-Bonität am Freitag. Allerdings wurde diese nicht ausdrücklich genannt.

US-Finanzminister Timothy Geithner will unterdessen weiter im Amt bleiben - trotz Schuldenkrise und schwacher Wirtschaftsentwicklung. Das hat er nach Angaben seines Ministeriums Präsident Barack Obama mitgeteilt. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass Geithner sich zurückziehen werde.

China kritisert US-Finanzpolitik

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte erstmals in der Geschichte den USA die Bestnote 'AAA' entzogen und die Bonität auf 'AA+' abgestuft. Die Agentur begründete dies ausdrücklich mit dem jüngsten Schuldenabkommen. Die angepeilten Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Allerdings halten die beiden anderen großen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch an der Bestnote fest.

S&P-Geschäftsführer John Chambers warnte , dass die US-Kreditwürdigkeit ein weiteres Mal heruntergestuft werden könnte, sollte sich die Finanzlage des Landes weiter verschlechtern. Die Chancen für einen solchen Schritt bezifferte er mit 1:3. "Wenn sich die fiskale Lage der USA weiter verschlechtert oder sich der politische Stillstand weiter verfestigt, dann könnte das zur Herabstufung führen", sagte Chambers dem Sender ABC. Weiter sagte er, die Geschichte lehre, dass es bis zu einer Wiederhochstufung der USA eine ganze Weile dauern könne. Mit Spannung wird erwartet, wie die Finanzmärkte am Montag reagieren.

Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Tom Mayer, rechnet nach der Herabstufung der Bonitätsnote der USA durch die Ratingagentur Standard & Poor's mit weiteren Kurseinbrüchen an den Börsen. "Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte", sagte Mayer der 'Bild'. Er rechne zwar nicht mit einem weltweiten Börsencrash, aber: "Es könnte Verluste geben."

Ungewöhnlich scharfe Kritik kam aus China. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb: "Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen." Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht zu verlangen, "dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen".

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch vier führende Industrienationen (G7) mit der Bestnote der Agentur: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada.

In der Bundesregierung wachsen einem Magazinbericht zufolge die Zweifel, ob Italien durch den europäischen Rettungsschirm EFSF gerettet werden könnte, selbst wenn er verdreifacht würde. Eine Volkswirtschaft wie Italien sei zu groß, um sie zu stützen, berichtete der 'Spiegel' unter Berufung auf Experten der Regierung. Der Finanzbedarf des Landes sei zu riesig.

Auch eine Garantie der gesamten italienischen Staatsschuld von über 1,8 Billionen Euro könne von den übrigen Partnerländern nicht gestemmt werden. Spätestens dann würden die Märkte argwöhnen, dass auch Deutschland überfordert sei. Daher bestehe die Bundesregierung darauf, dass Italien durch Einsparungen und Reformen selbst aus der Krise finde. Der 440 Milliarden Euro große Rettungsschirm sei dagegen nur dafür ausgelegt, kleine bis mittelgroße Länder aufzufangen.

Die Furcht vor einer Ausweitung der Schuldenkrise auf Italien und Spanien ließ zuletzt Forderungen nach einer Aufstockung des Rettungsschirms laut werden. Die Bundesregierung lehnt dies aber ab.