Seit 23.1.2020 im Kino

Filmkritik: Jojo Rabbit - Darf man über Hitler lachen? Ja, man darf!

Hitler (Taika Waititi) und Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) im Film "Jojo Rabbit".
© 20 th Century Fox

31. Januar 2020 - 10:58 Uhr

von Cedric Schmidt

Taika Waititi ist zurück und zeigt in seinem neuen Film "Jojo Rabbit" den Alltag des Krieges aus der Sicht des zehnjährigen Jojo Betzlers - und seines besten Freundes Adolf Hitler. Klingt absurd? Ist es auch! Dabei entstanden ist ein lustiger, zynischer und unfassbar berührender Film.

Jojo Rabbit und sein Freund Adolf Hitler

Jojo Betzler (Roman Griffin Davis) ist ein fanatischer Hitlerjunge. Er glaubt so sehr an den Führerkult, dass er sich vorstellt, mit Hitler befreundet zu sein. Hitler (Taika Waititi) erscheint ihm also permanent in seiner Fantasie, ist ständiger Begleiter, Mut-Zusprecher und Vaterfigur in einem. Für Jojo ist es deshalb ein riesiger Schock, als er feststellen muss, dass ausgerechnet seine Mutter (Scarlett Johansson) ein jüdisches Mädchen (Thomasin McKenzie) im Haus versteckt - und Hitler findet das gar nicht witzig...

Der Krieg aus der Sicht eines Kindes

Der Film schildert die Endtage des Zweiten Weltkriegs aus der kindlich-naiven Sicht eines Zehnjährigen, der viel zu früh mit dem Erwachsensein konfrontiert wird. Vergiftet durch die Ideologie einer Diktatur, kennt diese Sicht auf die Welt nämlich nur Schwarz und Weiß. Erst im Verlaufe des Films entwickeln sich auch Grautöne und der kleine Jojo beginnt das Regime und den Krieg zu hinterfragen. Der Krieg wird vom glorifizierten Spiel zu dem, was er wirklich ist: Ein Ort an dem Menschen sterben.

Ein Cast der Extraklasse

Was die Schauspieler in diesem Film abliefern, ist wirklich eine Wucht: Jungschauspieler Roman Griffin Davis schafft es die Wandlung vom verblendeten Hitlerjungen zum Kind mit Gewissensbissen trotz seines jungen Alters von zwölf Jahren perfekt darzustellen - schon jetzt eine der Entdeckungen des Jahres. Gerade im Zusammenspiel mit Taika Waititi als völlig überdrehtem und absurdem Hitler funktioniert tadellos. Generell ist der Cast um Scarlett Johansson, Rebel Wilson, Sam Rockwell und der anderen Jungdarstellerin Thomasin McKenzie perfekt ausgewählt. Mit ihnen leidet, lacht und fühlt man permanent mit.

Regisseur, Drehbuchautor, Darsteller - Waikiki macht vieles selbst

Regisseur und imaginärer-Hitler-Darsteller Taika Waititi hat ein Drehbuch geschrieben, welches lose auf dem Roman "Caging Skies" von Christine Leunens basiert. Doch Waikiki - Regisseur von Filmen, wie "5 Zimmer, Küche, Sarg" und "Thor 3: Tag der Entscheidung - wäre nicht Waikiki, wenn er diesem Film nicht seinen ganz eigenen Stil aufdrücken würde. Dadurch erwischt sich der Zuschauer oft beim Lachen, nur um danach peinlich berührt festzustellen: Darf ich darüber eigentlich lachen? Und ja, man darf!

Fazit: Schon jetzt einer der besten Filme des Jahres

Taika Waititi schafft mit seiner Coming-Of-Age-Hitler-Satire "Jojo Rabbit" den fast unmöglichen Spagat. Im Kinosaal ergibt sich dadurch ein Wechselbad der Gefühle, wenn innerhalb der 108-minütigen Laufzeit vom herzhaften Lachen, traurigen, schockierenden und abschließend auch versöhnlichen Momenten das Grauen des Krieges durch die Sicht eines 10-Jährigen dargestellt wird. Unterstützt wird Waikiki von einem großartigen Cast und einem genialen und einfallsreichem Drehbuch. "Jojo Rabbit" - schon jetzt einer der besten Filme des Jahres 2020. Seit 23.1.2020 im Kino.