Kinostart: 3. Oktober 2019

Filmkritik "Gemini Man" - da wird Will Smith wieder 23

2. Oktober 2019 - 15:43 Uhr

von Mireilla Zirpins

In gestochen scharfen 120 Frames pro Sekunde lässt Altmeister Ang Lee ("Tiger And Dragon") Will Smith in einer aberwitzigen Doppelrolle gegen einen computergenerierten Will Smith kämpfen. Technisch brillant, von der Story her aber eher mau. Wie sich Will Smith als doppelter Killer macht, verraten wir in unserer Videokritik.

Ein Klon mit dem Gesicht und der Stimme von Will Smith

Will Smith spielt den kongenialen Profikiller Henry Brogen, der in der Eingangssequenz einen Typen aus großer Entfernung in einem vorbeirasenden Hochgeschwindigkeitszug eliminiert. Regisseur Ang Lee lässt uns mit ihm durch den Sucher schauen und so schnell das Anfangsfremdeln mit den extrem hochauflösenden Bildern ablegen.

Doch dann kommen Hitman Henry Zweifel, und ehe er sich versieht, ist der 51-Jährige auch schon auf der Abschussliste seiner Auftraggeber. Gut, dass er mit Agentin Danny eine starke und schlaue Frau an seiner Seite hat. Mary Elizabeth Winstead ("Fargo") bekommt zwar nicht wirklich viel zu tun in Will Smith' One-Man- oder besser: Two-Man-Show, erledigt das aber so lässig und scheinbar mühelos, dass es wirklich Respekt verdient.

Und diese Hilfe kann Henry brauchen. Der aalglatte Clayton Verris (etwas steif: Clive Owen, "King Arthur"), Leiter der Elite-Truppe "Gemini Man", setzt nämlich einen jungen Killer auf ihn an. Und der ist nicht umsonst genauso gut wie er selbst. Junior (ein komplett computergenerierter Will Smith, per Digitaltechnik auf halb so alt getrimmt, dem der echte Will Smith lediglich seine Stimme leiht) ist nämlich ein Klon von Henry und damit sein erster ernstzunehmender Gegner. Damit ist auch schon alles erzählt. Und es ist gut, dass die atemberaubenden Bilder von Dion Beebe uns schön ablenken von den Ungereimtheiten und Schlichtheiten der Story, die schon seit den 1990ern durch Hollywood geisterte.

120 Frames pro Sekunde - die Technik von morgen?

Ein Standard-Kinofilm flimmert mit 24 Bildern pro Sekunde über die Leinwand, Peter Jackson beeindruckte beim "Hobbit" mit dreidimensionalen 48 Frames pro Sekunde. Nun also 120 Frames in 3D, ein Format, mit dem Ang Lee schon in "Die irre Heldentour des Billy Lynn" herumexperimentiert hat. Das kann in Deutschland kaum ein Kino abbilden.

Aber schon eine Projektion mit 60 Frames, wie sie in einigen großen Multiplexen möglich ist, sorgt dafür, dass man das Gefühl hat, mittendrin im Geschehen zu sein, wenn Henry und sein Klon in einer furiosen Schlacht mit Motorrädern aufeinander werfen. Dass man zusammenzuckt, weil einem plötzlich Scherben entgegenfliegen. Das sieht in den Actionsequenzen manchmal fast schon zu geleckt und damit schon wieder nach High-End-Videospiel aus, ist aber alles in allem eine echt beeindruckende visuelle Erfahrung.