Chloé Zhao macht's anders

Filmkritik "Eternals": Superhelden-Sex und Küsse unter Männern

Ikaris (Richard Madden) und Sersi (Gemma Chan) machen sich später noch nackig
Ikaris (Richard Madden) und Sersi (Gemma Chan) machen sich später noch nackig
© ©Marvel Studios 2021. All Rights Reserved., Sophie Mutevelian

04. November 2021 - 7:25 Uhr

Marvels "Eternals": Kinostart: 3.11.2021

von Mireilla Zirpins

Angelina Jolie und Salma Hayek sollen mit ihren Eternals frischen Wind ins Marvel-Universum bringen – unter der Regie der Oscar-Preisträgerin Chloé Zhao. Eternals-Sex, knutschende Männer und ein diverser Cast mit "Game of Thrones"-Stars wie Richard Madden und Kit Harington – die "Nomadland"-Regisseurin meint es extrem gut, und vieles sieht sogar richtig gut aus. Was da noch schief gehen kann? Leider doch gleich ein paar Dinge.

Fettes Staraufgebot und ein neuer Look für den Marvel-Kosmos

"Black Widow"* hat uns einen Vorgeschmack gegeben, wie ein Marvel-Abenteuer mit deutlich weiblicherem Fokus aussehen kann. Nun bringt das Comic-Imperium mit den Eternals eine ganz neue Superstar-Riege ins Rennen und setzt nicht nur bei den Schauspieler:innen auf "Big Names", sondern auch bei der Regie: Chloé Zhao (38) hat für "Nomadland" zwei Oscars bekommen, einen davon für die beste Regie – das hat vor ihr mit Kathryn Bigelow erst eine weibliche Regisseurin geschafft. Und die eigenwillige Autorenfilmerin Zhao macht Ernst. Ihre "Eternals" haben nicht nur einen ganz eigenen Look, der sich von der Masse der Superhelden-Schlachtplatten abhebt. Sie kommen auch sonst sehr modern daher, obwohl die Story vor gut 7000 Jahren startet und wir in Rückblenden ins alte Babylon oder nach Hiroshima 1945 geführt werden.

Die Eternals heißen nicht nur so ähnlich wie antike Gottheiten und Sagengestalten - Thena (Angelina Jolie), angelehnt an Kriegsgöttin Athene, Ikaris (Richard Madden), der nicht nur mit seiner Fliegerei an Ikarus erinnert, oder Sersi (Gemma Chan), die Eternals wie Menschen mit ihrem Charme bezirzt wie Magierin Circe aus der Odyssee. Sie haben auch mit ihnen auch einiges gemeinsam – nämlich übermenschliche Kräfte. Aber das haben ja alle von den X-Men bis zu den Avengers. Und so mischen sich die Eternals in jeder Zeit und in jeder Region der Welt, und da durchreisen wir einige mit ihnen zusammen, unter die modernen Menschen und verdünnisieren sich, bevor die bemerken, dass die Superheld:innen nicht altern.

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Eternals, bitte einmal die Welt retten!

Der Auftrag der Eternals: natürlich die Welt retten. Die Story: zu abstrus, um sie hier auszubreiten. Aber so viel sei gesagt: Natürlich stellen sich den Eternals dabei Widersacher in den Weg. Und zwar nicht die nur die Deviants, etwas beliebige riesenechsenartige Monster mit leuchten Tentakeln, sondern auch die eigenen Leute. Denn die Eternals kriegen sich untereinander auch noch in die Haare, und dann wird es irgendwann bei zehn über den Globus verstreuten Eternals plus Feinden unübersichtlich. Da hat man als Zuschauer Mühe, noch Interesse für die zerstückelte Geschichte aufzubringen, aber in den zweieinhalb Stunden genug Zeit nachzudenken, warum etwa Eternals zwar für die Ewigkeit nicht altern, aber dann plötzlich doch sterben können.

Was schade ist, denn im Ansatz versuchen Chloé Zhao und ihre Co-Autor:innen, den Fokus auf die Beziehungen der Eternals untereinander oder zu ihren menschlichen Partneri:innen zu legen. Doch dieses Ansinnen kommt irgendwann zu kurz, und auf einmal geht's nicht mehr darum, die Handlungen der Figuren noch nachvollziehbar zu motivieren, sondern doch vor allem ums Kämpfen. Und das überzeugt leider auch nicht in Gänze.

Posieren viel fürs Gruppenfoto: die Eternals

Wenn Ikaris abhebt und aus seinen Augen goldene Laserstrahlen abschießt, denkt man im besten Fall an Superman. Kein Wunder, dass Chloé Zhao Richard Madden witzeln lässt: "Ich trage kein Cape." Die Effekte sind bei anderen Figuren gelungener. Aber wenn die Eternals ständig gemeinsam herumstehen, als würden sie fürs Gruppenbild posieren oder von goldenen CGI-Schlingen umgarnt wie eine Balletttruppe vom Boden abheben, überwiegt das Unbehagen über so viel gekünstelte Steifheit. Da wünscht man sich, dass die Eternals doch wieder im London der Jetztzeit im Club zappeln gehen. Ausgerechnet die Alltagsszenen haben den meisten Charme.

V.l.n.r.: Kingo (Kumail Nanjiani), Makkari (Lauren Ridloff), Gilgamesh (Don Lee), Thena (Angelina Jolie), Ikaris (Richard Madden), Ajak (Salma Hayek), Sersi (Gemma Chan), Sprite (Lia McHugh), Phastos (Brian Tyree Henry) and Druig (Barry Keoghan)
Werfen sich ständig fürs Gruppenbild in Pose: die Eternals
© Disney

Mal ernst, mal albern und manchmal bei den Eternals einfach im falschen Film

Überhaupt passt hier vieles nicht so richtig zusammen. Es gibt Ansätze, das Ganze mit Humor zu würzen, etwa wenn Eternal Kingo (Kumail Nanjiani) als Bollywood-Star getarnt in Indien lebt und mit seinem Regisseur Karun (Harish Patel) einen dauerquasselnden und -filmenden Buddy zur Seite gestellt bekommt. Der ist fünf Minuten lang witzig. Dann wünscht man ihn zum Mond. Salma Hayeks Anführerinnen-Figur Ajak hingegen ist bierernst.

Und Angelina Jolie, die nun seit "Tomb Raider" wahrlich Erfahrung mit Actionfilmen gesammelt hat, wirkt als wasserstoffblonde Haudrauf-Granate mit Persönlichkeitsstörung nicht nur bei den Kampfeinlagen wie im falschen Film. Wer bei den Avengers schon den Überblick verloren hatte, sei gewarnt: Auch hier ist es mit zehn Eternals plus Sidekicks nicht getan. Wie die Easter-Eggs als kleine Marvel-Programmteaser verraten, steht der Zuwachs schon in den Startlöchern. Fortsetzung folgt also.

Lobenswert: Die Eternals sind maximal divers und haben sogar Sex

Aber Chloé Zhao und ihre Crew machen auch vieles richtig. Mann kann nicht lobend genug erwähnen, dass hier Schauspieler:innen aus verschiedenen Kulturkreisen gleichberechtigt miteinander agieren und es der Regisseurin sichtlich nicht darum ging, dass sie vor allem mit Sixpacks und Rundungen an den richtigen Stellen eine gute Figur machen. Hier wälzen sich zwei verknallte Eternals nackt in der Landschaft, auch wenn's dann leider am Ende disneytauglich harmlos daherkommt. Es knutschen zwei Männer leidenschaftlich und Lauren Ridloff kommuniziert als gehörlose Supersprinterin Makkari mittels Gebärdensprache. Und es wird nicht mal groß Gedöns drum gemacht, dass hier auch jemand mit körperlichen Einschränkungen eine extrem charmante Superheld:innen sein kann. So sollte es sein, und zwar in allen Superheld:innenfilmen. Nur die Story und die Umsetzung könnten bitte etwas homogener und inspirierter sein.

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