Schlammschlacht zwischen Ex-FIFA-Präsident Blatter und Nachfolger Infantino geht weiter

FIFA stellt Strafanzeige gegen Ex-Boss Blatter

FIFA s suspended president Sepp Blatter attends a press conference PK Pressekonferenz in Zurich, Switzerland, Dec. 21,
FIFA s suspended president Sepp Blatter attends a press conference PK Pressekonferenz in Zurich, Switzerland, Dec. 21,
© imago images/Xinhua, imago sportfotodienst via www.imago-images.de, www.imago-images.de

22. Dezember 2020 - 16:53 Uhr

Millionenverlust im Museum

Die FIFA stellt Strafanzeige gegen Joseph Blatter. Beim Museum des Weltverbands stellten Experten mutmaßliche Unregelmäßigkeiten fest. Es geht um fast 500 Millionen Euro. Ein weiteres Kapitel der scheinbar ewigen Schlammschlacht zwischen Ex-FIFA-Präsident Joseph S. Blatter und seinem Nachfolger Gianni Infantino.

Es geht um 500 Millionen Schweizer Franken

Die WM-Pokale, Lederbälle und signierten Trikots sind momentan unerreichbar. Das FIFA-Museum in Zürich ist wegen der Corona-Pandemie seit vergangenem Sonntag geschlossen - und beschäftigt doch die Justiz. Der Weltverband stellte am Dienstag Strafanzeige gegen den früheren FIFA-Präsidenten Joseph Blatter. Dem 84-Jährigen wird vorgeworfen, wegen mutmaßlich fragwürdiger Verträge mitverantwortlich für die bisherigen und schon jetzt absehbaren Verluste in Millionenhöhe zu sein. "Die Anzeige zielt auf die gesamten Projektkosten in Höhe von 500 Millionen Schweizer Franken", teilte die FIFA mit.

Unsummen für Renovierung - Miet-Millionen bis 2045

Eröffnet wurde die Ausstellung an der Seestraße 2016 - seitdem kämpft die FIFA mit den jährlichen Verlusten. 2019 waren es rund 2,8 Millionen US-Dollar. Die "ehemalige FIFA-Administration" habe einer Mitteilung zufolge allein 140 Millionen Schweizer Franken in die Renovierung und Modernisierung eines Gebäudes gesteckt, "das der Organisation gar nicht gehörte". Zudem sei der langfristige Mietvertrag "verglichen mit den üblichen Marktpreisen ungünstig" und werde 360 Millionen Schweizer Franken bis zum Ablauf im Jahr 2045 kosten, schrieb die FIFA. "Die Anzeige erkennt eine direkte Beteiligung des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph S. Blatter sowie anderer Personen."

Die Zürcher Staatsanwaltschaft bestätigte am Dienstag "den Eingang einer Strafanzeige im Zusammenhang mit dem FIFA-Museum". Diese werde nun "geprüft". Blatters Rechtsanwalt Lorenz Erni wies die Vorwürfe auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur als "haltlos" zurück.

Blatter vs. Infantino: FIFA als Selbstbedienungsladen?

Blatter wollte sich eigentlich mit dem FIFA-Museum selbst ein Denkmal setzen, doch sein Rücktritt 2015 machte einen Strich durch die Rechnung. Seitdem bekriegen sich Blatter und Infantino, die beide aus dem Kanton Wallis stammen, mehr oder minder direkt oder indirekt. Häufig in aller Öffentlichkeit.

Wer allerdings mehr Dreck am Stecken hat, das ist schwierig zu beurteilen. Schon häufiger drängte sich der Eindruck auf, dass sich Blatter und Infantino in ihrer Funktion als FIFA-Präsidenten wie in einem Selbstbedienungsladen gefühlt haben oder fühlen. Geld spielte angesichts der prall gefüllten FIFA-Konten in den letzten Jahren kaum eine Rolle, es war da, wurde allerdings ganz offensichtlich nicht immer zum Wohle des Fußballs ausgegeben.

RTL.de/dpa/sid

Auch interessant