Sozialverbände fordern finanzielle Unterstützung

80 Euro im Monat für teure FFP2-Masken: "Die Preise müssen angepasst werden!"

18. Januar 2021 - 8:32 Uhr

Masken kosten in Apotheken zwischen vier bis sechs Euro

Die Zahl der Corona-Infizierten in Deutschland steigt noch immer weiter an. CSU-Chef Markus Söder will in Bayern jetzt härter durchgreifen, deshalb gilt ab dem kommenden Montag (18.01.) eine Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und im Einzelhandel. Ziel sei es, mehr Sicherheit mithilfe der Masken zu schaffen, erklärt Söder im RTL-Interview. Die FFP2-Masken sollen viel effektiver schützen, dafür kosten sie aber auch viel mehr und sollen grundsätzlich nicht mehrfach wiederverwendet werden. Bei rund vier Euro pro Maske wird das schnell teuer. Wie soll sich das jeder leisten können? Sozialverbände fordern dringend kostenlose Masken und finanzielle Unterstützung.

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80 Euro für FFP2-Masken im Monat - Wie soll das gehen?

FFP2-Masken sollen besser schützen als sogenannte "Community-Masken" – vor allem, wenn es darum geht andere und sich selbst vor dem Corona-Virus abzuschirmen. Das Robert-Koch-Institut empfiehlt die Masken als Einmalprodukte zu verwenden, denn von den Herstellern sei der, als besser schützend geltende, Mund-Nasen-Schutz nicht zur Wiederverwendung vorgesehen. Denn jedes Tragen der Maske hinterlässt Erreger der eigenen Nasen-, Rachen- und Hautflora, die sich nicht einfach entfernen lassen.

"Natürlich ist eine FFP2-Maske deutlich sicherer als ein Mund-Nasen-Schutz, der oft auch nur sehr locker getragen wird", sagt Virologe Alexander Kekulé zur kommenden Tragepflicht von FFP2-Masken in Bayern.

Das Problem ist aber der Preis. In Apotheken liegen FFP2-Masken im Schnitt bei vier bis sechs Euro pro Stück. Würde man die FFP2-Masken fünf Mal in der Woche austauschen und sich an die RKI-Empfehlung halten, kommt man bei der günstigsten Version der Maske auf rund 20 Euro pro Woche oder auch 80 Euro im Monat – pro Person. Werden Masken also zum Luxusgut? Sozialverbände fordern dringend Handlungsbedarf.

Sozialverband: Bezieher von Hartz IV unter 60 Jahren bleiben dann mal zu Hause?

Masken müssen für alle Menschen zugänglich sein – das fordert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Er schreibt dazu auf seinem Twitter-Account: "Und Bezieher von #HartzIV unter 60 Jahre bleiben dann mal zu Hause, weil sie sich diese Masken (3 Euro pro Stück) gar nicht leisten können? Oder wie stellt ihr Euch das vor?".

Auch der Sozialverband VDK Bayern sieht Handlungsbedarf und fordert Maßnahmen, die den Zugang zu FFP2-Masken für alle Menschen sichern: "Wir fordern die bayerische Staatsregierung jedoch auf, nicht nur Vorschriften zu erlassen, sondern auch schnelle und unbürokratische Lösungen für die Beschaffung solcher Masken für Menschen mit geringem Einkommen zu schaffen", sagte VdK-Landeschefin Ulrike Mascher dem Bayerischen Rundfunk.

Die gesellschaftliche Teilhabe und die Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen solle nicht vom Einkommen abhängig sein, sagte dazu Bernhard Piendl vom Landesverband der Caritas Bayern auf BR-Anfrage.

Auch die Diakonie Bayern fordert, wenn es um den Kauf der FFP2-Masken geht, zusätzliche finanzielle Unterstützung für Menschen, die von Armut betroffen sind.

Muss ich in meinem Bundesland bald eine Maske tragen? Mehr dazu finden Sie hier.

Alexander Jorde: "Die Preise für Masken müssten angepasst werden"

Auch Deutschlands bekanntester Krankenpfleger, Alexander Jorde, meldet sich mit Kritik an der Maskenpflicht auf Twitter zu Wort. Die Preise für Masken müssten angepasst werden. Es könne nicht sein, dass sich wenige an der Pandemie bereichern, während andere ihre Existenz verlieren oder in 12h Schichten kaputt arbeiten, schreibt Jorde auf seinem Account.

Bayern will zwei Millionen Gratis-FFP2-Masken bereitstellen

Die bayerische Landesregierung scheint auf die Kritik ihrer kommenden Maskenpflicht zu reagieren. Bedürftige sollen in Bayern kostenlose FFP2-Schutzmasken zur Verfügung gestellt bekommen. Insgesamt sollen es voraussichtlich zwei Millionen Masken sein, heißt es aus Regierungskreisen.

Apothekerverband: Betroffene warten immer noch auf Maskengutscheine

Der Bund hatte die Ausgabe der verstärkt schützenden FFP2-Masken für diesen Winter für über 60-Jährige und Menschen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe beschlossen - das sind bis zu 27 Millionen Menschen.

In einem ersten Schritt im Dezember vergangenen Jahres sollten Betroffene drei Masken gratis in der Apotheke holen können. Ab 1. Januar sollten sie von der Krankenkasse Gutscheine für zweimal je sechs Masken mit einem Eigenanteil von jeweils zwei Euro bekommen.

Allerdings läuft der Gutscheinversand nach Einschätzungen des Deutschen Apothekerverbandes nur schleppend an. Viele Kunden würden noch auf die Gutscheine warten und fragen, ob sie kostenlose FFP2-Masken erhalten könnten, weil sie noch keine Gutscheine hätten, sagte die stellvertretende Verbandssprecherin Ursula Sellerberg.

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