Mutmaßlicher Serienbrandstifter vor Gericht

Anklage fordert acht Jahre Haft für Feuerwehmann, der sein eigenes Dorf anzündete

18. Dezember 2019 - 8:42 Uhr

Mutmaßlicher Brandstifter von Großenstein war bei der freiwilligen Feuerwehr

Ein Jahr lang hat eine Serie von Bränden die Feuerwehr in Großenstein bei Gera in Atem gehalten. Was die Kameraden damals nicht wussten: Der Feuerteufel stammte wohl aus ihren eigenen Reihen. Vor dem Landgericht Gera hat die Staatsanwaltschaft acht Jahre Haft für den 22-jährigen Angeklagten gefordert, der früher Mitglied der freiwilligen Feuerwehr war. RTL hat den Tatverdächtigen im Gerichtssaal konfrontiert und gefragt, ob er die Taten bereut – die Szene zeigen wir im Video.

Verteidiger fordert Unterbringung in Entziehungsanstalt

Der Angeklagte sei für fünf Brände zu verurteilen, erklärte Staatsanwalt Martin Zschächner in seinem Plädoyer. Der 22-Jährige sei bei den Taten alkoholisiert gewesen, aber nicht so stark, dass eine verminderte Schuldfähigkeit in Betracht komme.

Dem widersprach Verteidiger Stephan Rittler, der zudem die Unterbringung seines Mandanten in einer Entziehungsanstalt beantragte. Den 22-Jährigen habe die Zeit bei der Bundeswehr schwer zugesetzt; außerdem habe er einen Hang, Alkohol zu trinken. Das genaue Strafmaß stellte er ins Ermessen des Gerichts.

Der frühere Feuerwehrmann hatte zum Prozessauftakt gestanden, mehrere Brände in Großenstein bei Gera gelegt zu haben. Dabei sei er stark betrunken gewesen. "Ich bereue die Taten aufrichtig", betonte er nun erneut in seinem Schlusswort vor Gericht.

Gutachterin: Angeklagter war alkoholabhängig

Zu den schwersten Bränden, die dem jungen Mann angelastet werden, gehören zwei im Juni 2019: Zunächst soll er Mitte des Monats eine Lagerhalle, in der ein Agrarbetrieb Heu und Stroh deponiert hatte, angezündet haben. Eine Woche später brannte ein Sportlerheim nieder. Der Gesamtschaden wurde auf mehr als 200.000 Euro beziffert, verletzt wurde niemand. Im Anschluss hatte der Angeklagte seinen Kameraden der Feuerwehr jeweils beim Löschen geholfen.

Aus medizinischer Sicht sei sein Steuerungsvermögen bei den Taten eingeschränkt gewesen, sagte die psychiatrische Gutachterin vor Gericht. Zudem sei er alkoholabhängig. Berechnungen zufolge soll er bei einigen der Taten mehr als zwei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. Dies habe enthemmend gewirkt, erklärte die Expertin.

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Urteil vor dem Landgericht Gera soll am Dienstag fallen

Handlungsleitend für die Brandstiftungen sei aber vielmehr eine vorübergehende psychische Störung infolge von Konflikten etwa mit dem Vater und seiner Freundin sowie infolge seines Bundeswehrdienstes gewesen. Das Legen von Bränden habe sich bei ihm zu einer Strategie entwickelt, seine Affekte zu regulieren, erläuterte die Expertin: "Er bedarf psychotherapeutischer Hilfe."

Die 3. Strafkammer des Geraer Landgerichts will am Dienstag ihr Urteil verkünden.