Feuerhölle nahe Athen: Erste Erfolge im Kampf gegen die Flammen, Suche nach vielen Vermissten

24. Juli 2018 - 7:36 Uhr

Viele Menschen werden noch vermisst

"Der Wind brachte das Feuer, wohin er wollte", erzählt eine Augenzeugin. Plötzlich loderten im Osten der griechischen Hauptstadt Athen mehrere Waldbrände. Weil der Wind die Flammen immer weiter anfachte, spielten sich schreckliche Szenen ab. Viele Anwohner hatten keine Chance. Ganze Stadtviertel liegen in Schutt und Asche. Die gute Nachricht in all dem Schrecken: Die Feuerwehr hat nach langem Kampf fast alle Brände unter Kontrolle.

Menschen verbrannten bei lebendigem Leib

Waldbrände in Griechenland.
Der Wind blies das Feuer gnadenlos in Richtung der Häuser.
© SplashNews.com

Rettungskräfte durchkämmen die völlig zerstörte Region und suchen nach Opfern. Mindestens 79 Menschen kamen in den Flammen ums Leben. Die Zahl der Verletzten liegt derzeit bei 164 Erwachsenen und 23 Kindern. Die Zahl der Opfer könnte aber noch deutlich steigen. Noch immer werden Dutzende vermisst.

Bürgermeister der Region befürchteten, dass die Zahl der Toten sogar dreistellig werden könnte, da noch zahlreiche Menschen vermisst werden. Verwandte der Vermissten richteten ein Internet-Portal mit Fotos der Menschen ein, deren Schicksal unbekannt ist. "Es ist eine nationale Tragödie", sagte Innenminister Panos Skourletis.

Die Menschen im Osten Athens erleben ein Inferno. Ganze Stadtviertel der Ferienstädte Rafina, Mati und Nea Makri sind völlig zerstört. Das Feuer verschlang nicht nur den Wald, sondern auch viele Ferienhäuser und Wohnungen, die zwischen den Pinien stehen. Viele Athener verbringen in der Region ihren Sommerurlaub, der dieses Mal zu einem Albtraum wurde. "Man konnte nicht atmen. Es war schrecklich", sagte ein Mann im Staatsfernsehen.

Tausende Menschen übernachteten im Freien

Dutzende Tote in Griechenland nach Waldbränden
Die Feuerwehr kämpft Tag und Nacht gegen die Flammen.
© imago/ZUMA Press, Eurokinissi, imago stock&people

Fischer, die Küstenwache und Urlauber mit Schlauchbooten konnten mehr als 700 Menschen in Sicherheit bringen, die an Stränden und felsigen Küstenabschnitten Zuflucht vor den Flammen gesucht hatten. Tausende Menschen übernachteten im Freien, in Autos und Sporthallen, hieß es im Staatsfernsehen.​ Das Fernsehen zeigte Bilder von ganzen Straßenzügen mit völlig niedergebrannten Häusern.

Feuerwehrkräfte konnten bis zum frühen Morgen fast alle Brände unter Kontrolle bringen. Lediglich in einer Region rund 70 Kilometer westlich von Athen gab es noch ein Feuer auf einem Berg, wie der griechische Minister für Bürgerschutz, Nikos Toskas, im griechischen Fernsehen (ERT) mitteilte. 

EU-Hilfe läuft an: Löschflugzeuge aus Italien und Rumänien

Die Folgen der Brände nahe Athen sind verheerend.
Nahe Athen sind ganze Straßenzüge niedergebrannt.
© REUTERS, COSTAS BALTAS, CB/OLA

Unterdessen ist Hilfe angelaufen: Im Westen Athens operieren rund 60 zyprische Feuerwehrleute, die als Teil der EU-Hilfe nach Griechenland gekommen waren. Zwei italienische und ein rumänisches Löschflugzeug sind zur Unterstützung der Einsatzkräfte auf dem Weg nach Griechenland.

"Wir sind bereit, falls es von der griechischen Seite beantragt werden sollte, weitere Hilfe zu leisten", erklärte der für humanitäre Hilfe zuständige EU-Kommissar Christos Stylianidis im griechischen Fernsehen.

Soll ich meinen Urlaub in Griechenland absagen?

Gerade jetzt in der Ferienzeit starten viele Flieger nach Griechenland. Was tun, wenn Sie Sorgen haben, dass auch Ihre Unterkunft von den Bränden betroffen ist? RTL-Reiseexperte Ralf Benkö rät: "Melden Sie sich mit den Informationen über die Lage vor Ort bei Ihrem Reiseveranstalter." Wenn Sie sagen, dass Ihnen die Reise unter den aktuellen Umständen nicht zumutbar ist, dann sollten Sie normalerweise den Reisepreis zurückbekommen. In diesem Fall könnten Sie wegen höherer Gewalt kündigen.