Brand mittlerweile unter Kontrolle

Feuer nahe Flüchtlingslager auf Samos ausgebrochen

Ein Blick auf ein provisorisches Lager neben dem Flüchtlingslager auf der Insel Samos. (Archivbild)
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15. September 2020 - 23:21 Uhr

Das Lager Vathy nicht in Gefahr

Das in der Nähe eines Flüchtlingslagers auf der griechischen Insel Samos ausgebrochene Feuer ist inzwischen unter Kontrolle. Zunächst haben die Behörden befürchtet, dass es auf das Lager mit dem Namen Vathy übertreten könnte. "Es brennt am Rande des Registrierzentrums", sagte der Bürgermeister der Ortschaft Vathy, Giorgos Stantzos kurz nach Ausbruch. Das Feuer auf Samos war am Dienstagabend ausgebrochen, rund eine Woche, nachedem auf der nahegelegenen Insel Lesbos das wohl bekannteste Flüchtlingslager Moria abgebrannt war.

Brandursache auf Lesbos bislang unklar

Das Lager sei nicht in Gefahr, sagte Bürgermeister Giorgos Stantzos am Abend dem Radiosender Thema 104.6. Auch habe es erste Festnahmen gegeben - mehrere Männer seien von der Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung festgesetzt worden. Um wen es sich den bei den Männern handelte und welche Motive sie verfolgten, war zunächst nicht klar.

Im dem Flüchtlingslager leben laut dem griechischen Migrationsministerium rund 4.600 Migranten, das Lager hat jedoch nur eine Kapazität von rund 650 Plätzen. Am Dienstag waren im Camp zwei Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach ersten Corona-Fällen im Camp Moria war die Situation vergangene Woche auf Lesbos eskaliert.

Was passiert mit den Menschen? Brand in Moria sorgt für heftige Diskussionen in der EU

Moria wurde bei dem Brand fast vollständig zerstört. Die Feuer waren laut griechischer Regierung von Migranten gelegt worden, um die Abreise aus den Lagern und von der Insel zu forcieren. Die Ermittlungen zur genauen Brandursache laufen aber noch. Moria war seit Jahren von Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen für seine unwürdigen Lebensbedingungen kritisiert worden. In dem Lager, das eigentlich nur für 2.800 Menschen ausgelegt war, lebten zuletzt knapp 12.000 Menschen. Reporter berichteten von katastrophalen Zuständen, gerade in der Corona-Krise. Durch das Feuer wurden alle Menschen obdachlos, viele von ihnen leben jetzt auf der Straße, andere bereits in einem neuen, provisorischen Lager.

Seit dem Brand tobt in der EU eine politische Diskussion um das Schicksal der Menschen von der Insel. Deutschland hat sich inzwischen bereit erklärt, knapp 1.700 Menschen aus Griechenland aufzunehmen. 1.553 Menschen sind Teil von Familien, bei den weiteren 150 handelt es sich um unbegleitete Kinder und Minderjährige.

Griechische Politiker warnen seit Moria vor Nachahmern

Griechische Politiker warnen seit dem Brand vor der "Moria-Taktik", wonach Feuer auch in anderen Flüchtlingslagern auf den Inseln Samos, Chios, Leros und Kos gelegt werden könnten - vor allem, wenn die Menschen von Lesbos nun aufs Festland oder nach Mittel- und Nordeuropa gebracht würden. Die Migranten auf Lesbos fordern angesichts des niedergebrannten Lagers, die Insel sofort verlassen zu dürfen. Allerdings steht bei den meisten der Abschluss des Asylantrags noch aus. Die griechische Regierung besteht darauf, dass die Migranten den normalen Asylprozess durchlaufen müssen.