Brand zerstört große Teile des Camps auf Lesbos

Feuer in Flüchtlingslager Moria - Augenzeuge: "Mein Zuhause weg, meine Kleidung, alles weg"

09. September 2020 - 9:47 Uhr

Im Video: Feuer zerstört Wohnanlagen im Camp Moria

Mehrere Brände haben in der Nacht im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos die Unterkünfte von Tausenden, das letzte Hab und Gut von Flüchtlingen zerstört. Die Feuerwehr habe das Feuer seit dem Morgen unter Kontrolle, so griechische Regierungsangaben. Doch für etliche der über 12.000 Bewohner des seit Jahren überfüllten Flüchtlingslagers kommt das zu spät. Ein Augenzeuge erklärt im Video, dass er alles, was er zum Leben hatte, in den Flammen verloren hat.

NRW-Integrationsminister: „Erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat"

"Spätestens jetzt muss Innenminister Horst Seehofer seine Blockadehaltung aufgeben. Die Menschen müssen sofort evakuiert werden", forderte Michael Buschheuer, Gründer von Sea-Eye und Vorstand der Hilfsorganisation Space-Eye. Auch die Hilfsorganisation medico international forderte eine schnelle Evakuierung des Lagers. Die EU müsse jetzt handeln.

Das Flüchtlingslager ist seit Jahren heillos überfüllt, derzeit leben dort nach Angaben des griechischen Migrationsministeriums rund 12.600 Flüchtlinge und Migranten - bei einer Kapazität von gerade mal 2.800 Plätzen. "Es ist erbärmlich, dass die EU so lange zugeschaut hat, bis es in Moria zu dieser Eskalation gekommen ist", sagte NRW-Integrationsminister Stamp am Mittwoch. Jetzt sei unmittelbares Handeln notwendig, um es nicht zur Katastrophe kommen zu lassen.

Auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius forderte die sofortige Auflösung des Camps: "Meine Gedanken sind bei den Menschen, die in ohnehin auswegloser Situation mit der nächsten Katastrophe konfrontiert sind." Er forderte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und die Mitgliedstaaten dazu auf, alles zu tun, damit den Menschen geholfen werde.

Moria: 35 Corona-Infizierte im Camp

09.09.2020, Griechenland, Lesbos: Rauch steigt aus Container-Häuser und Zelten im Flüchtlingslager Moria auf der nordöstlichen Ägäisinsel Lesbos (Luftaufnahme mit einer Drohne). Ein Feuer fegte durch Griechenlands größtes Flüchtlingslager, das wegen
Brand in Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: Luftaufnahmen vom Mittwochmorgen
© dpa, Panagiotis Balaskas, TS alf

Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis habe für den Vormittag ein Krisentreffen in Athen einberufen, sagte Regierungssprecher Stelios Petsas dem staatlichen Fernsehsender ERT weiter. Neben dem Migrations- und dem Bürgerschutzminister sollen daran auch der Chef des griechischen Nachrichtendienstes (EYP) und der Generalstabschef teilnehmen. Man vermute organisierte Brandstiftung, so Petsas.

Vor Beginn der Brände hatten bereits am Dienstagabend Unruhen im Lager ihren Lauf genommen, nachdem bekannt geworden war, dass es mittlerweile mindestens 35 Corona-Fälle im Lager gibt. Moria war deshalb abgeriegelt und bis zum 15. September unter Quarantäne gestellt worden. Der Regierungssprecher bestätigte, dass Migranten versucht hätten, die Feuerwehr an den Löscharbeiten zu hindern. Verletzte oder gar Tote gab es Stand Mittwochmorgen nicht, wie griechische Medien übereinstimmend berichteten.