Feuer im Flüchtlingsheim nach rechtsextremen Protesten

Feuer im Flüchtlingsheim nach rechtsextremen Protesten
In dieses Haus sollten Anfang Mai 40 Flüchtlinge untergebracht werden. Das Foto wurde am 31. März gemacht.
dpa, Jan Woitas

Bürgermeister der Stadt zurückgetreten

Feuer im zukünftigen Asylbewerberheim in Tröglitz in Sachsen-Anhalt: Die Polizei nahm Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung auf. Der Ort im Burgenlandkreis ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärt hatte.

Die NPD-geführten Proteste richteten sich gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen. Die ersten sollen Anfang Mai nach Tröglitz kommen. Wie die Polizei in Halle mitteilte, konnten sich zwei Bewohner des Hauses unverletzt in Sicherheit bringen. Um wen es sich dabei handelte, war zunächst unklar. Das gesamte Dach sei durch das Feuer zerstört worden. Nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.

"Eine bleibende Schande für Tröglitz"

Nierth war Anfang März zurückgetreten, weil eine genehmigte Anti-Asyl-Demonstration direkt vor seiner Haustür stattfinden sollte. Er fühlte sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt und sah seine Familie nicht gut genug geschützt. Sein Schritt hatte eine bundesweite Debatte über den Schutz von Politikern vor Demonstranten ausgelöst, die Entscheidungsträger auch in ihrer Privatsphäre unter Druck setzen wollen.

"Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten", sagte Nierth dem 'Tagesspiegel'. Er nannte den Brand "eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird".

In Mölln in Schleswig-Holstein starben 1992 bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus drei Frauen. Im sächsischen Hoyerswerda attackierten Neonazis 1991 eine Asylunterkunft mit Molotow-Cocktails und Stahlkugeln.