Fettleibige Patienten belasten das Gesundheitssystem schwer

Ein 'Schwerlastzimmer' in einem Krankenhaus. Der Kran hievt die besonders schweren Fälle ins Krankenbett.
Ein 'Schwerlastzimmer' in einem Krankenhaus. Der Kran hievt die besonders schweren Fälle ins Krankenbett.
© dpa, Rolf Vennenbernd

27. Januar 2015 - 16:13 Uhr

"Wir ersticken an unserem eigenen Fett"

Tausende Diäten ausprobiert und doch steigt und steigt das Gewicht bis es einen krank macht. Wenn nichts mehr hilft, sehen viele stark übergewichtige Menschen eine Magen-Operation als letzten Ausweg. Und das kommt in Deutschland immer häufiger vor. Die Zahl der meist komplizierten Eingriffe wächst und auch die Kosten steigen. Das Gesundheitssystem steht damit vor einem schwerwiegenden Problem.

Eine der Hochburgen der Adipositas-Chirurgie ist das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Allein in diesem Jahr wurden hier schon 300 übergewichtige Patienten operiert. Zum Vergleich: Vor gut 15 Jahren waren es nur rund zehn pro Jahr. Der Grund für diese Entwicklung ist klar unsere ungesunde Lebensweise: Zu viel und zu ungesundes Essen, zu wenig Bewegung. "Wenn wir so weitermachen, ersticken wir an unserem Fett", sagt Oliver Mann, der chirurgische Leiter des Adipositaszentrums im UKE.

Bei der DAK-Gesundheit ist nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr die Zahl der Eingriffe auf einem neuen Höchststand. Bundesweit wurden 669 Operationen mit Magenband, Magenballon oder Magenverkleinerung abgerechnet. Von 2008 bis 2012 stieg die Zahl der Eingriffe den Angaben zufolge um 64 Prozent. Die Ausgaben pro Jahr haben sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt - von 2 Millionen 2008 auf 4,6 Millionen Euro 2012. Und dieser Trend setzt sich auch 2013 fort.

Grund ist außerdem, dass die durchschnittlichen Kosten pro Operation steigen. 2008 lagen die sogenannten Fallkosten je Eingriff bei knapp 5.000 Euro, im ersten Halbjahr 2013 bei fast 7.500 Euro - ein Plus um 50 Prozent. Als Ursache sieht die DAK-Gesundheit die zunehmende Zahl komplexer Eingriffe - wenn etwa der Magen verkleinert und nicht nur ein Magenband eingesetzt wird, wie ein Sprecher sagte.

Auch die lebenslange Nachsorge nach einer solchen Operation kostet die Kassen wiederum viel Geld. Hinzu kommt, dass sich die Krankenhäuser auf die XXL-Patienten einstellen müssen und eine spezielle Ausstattung brauchen. Rollstühle, Betten und sogar Krankwagen müssen mehr Gewicht aushalten. So gibt es spezielle 'Schwerlast-Rettungswagen' für Patienten über 160 Kilo. Denn für mehr sind normale Krankenwagen nicht ausgelegt. Und Einsätze mit schwereren Patienten sind keine Seltenheit. Kräne müssten teilweise die Patienten aus ihren Wohnungen oder in ihre Krankenbetten hieven. Diese Spezialausstattung ist ein enormer Mehraufwand für die Kliniken und Rettungsdienste.

Zahl der extrem Fettleibigen steigt

Rund 2,5 Millionen Menschen in Deutschland hätten Schätzungen zufolge ein "operationswürdiges Gewicht", berichtete Oliver Mann. Laut seiner Einschätzung steigt zwar nicht die Zahl der Übergewichtigen an sich. Allerding werden die, die schon an starker Fettleibigkeit leiden, immer schwerer. Somit nimmt die Zahl der krankhaft Fettleibigen zu. Dabei legen sich Frauen sehr viel öfter unters Messer: 81 Prozent der Krankenhausbehandlungen waren im ersten Halbjahr 2013 bei Frauen. Eigentlich seien zwar Männer dicker als Frauen, sagt Dr. Mann. "Aber Frauen gehen eher zum Arzt und lassen sich behandeln."

Bevor die Adipositas-Chirurgie infrage kommt, müssen andere Methoden wie Ernährungs-, Bewegungs- oder Verhaltenstherapien laut DAK-Gesundheit gescheitert sein. Außerdem müssen die Patienten mehr als fünf Jahre lang einen Body Mass Index (BMI) über 40 haben. Der BMI setzt das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße. Bei einer 1,70 Meter großen Frau würde dies zum Beispiel ein Gewicht von 117 Kilogramm bedeuten. Doch selbst, wenn die adipösen Patienten nicht operiert werden, verursachen die oft schweren Begleiterscheinungen des Übergewichts wie Diabetes und Bluthochdruck wiederum Kosten.