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Festnahmen in Moskau: Sind es wirklich Nemzows Mörder?

Festnahmen in Moskau: Sind es wirklich Nemzows Mörder?

Opposition hat Zweifel

Eine Woche nach der Ermordung des Kremlkritikers Boris Nemzow hat die russische Polizei als ersten Fahndungserfolg die Festnahme von fünf Verdächtigen bekanntgegeben. Es handle sich jeweils um Männer aus der islamisch geprägten Unruheregion Nordkaukasus. Präsident Wladimir Putin sei informiert worden, hieß es. Zunächst hatten Ermittler gesagt, alles deute auf einen Auftragsmord aus möglicherweise nationalistischen oder extremistischen Motiven hin.

Festnahmen in Moskau: Sind es wirklich Nemzows Mörder?
Gedenken an Nemzow
dpa, Julius Koerbel

Es gebe nun gute Hinweise, dass zwei der Männer an der "Organisation und Ausführung des Mordes beteiligt" waren, sagte Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde in Moskau. Darüber hinaus teilten die Behörden in der Teilrepublik Inguschetien mit, zwei der Verdächtigen seien Brüder. Ansor und Schagid G. hätten länger in Moskau gelebt, der dritte Verdächtige, Saur D., sei einige Zeit in Tschetschenien gewesen. Einige der Männer sollen für staatliche oder private Sicherheitskräfte gearbeitet haben. In Tschetschenien soll sich zudem ein mutmaßlicher Verdächtiger selbst getötet haben. Der Mann habe eine Granate gezündet, als die Sicherheitskräfte ihn in der Hauptstadt Grosny festnehmen wollten, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf Ermittlerkreise

Der gefundene Fluchtwagen und auch die Bilder einer Überwachungskamera haben angeblich auf die Spur der Verdächtigen geführt. Gleich nach dem Mord am oppositionellen Kremlkritiker waren Stimmen laut geworden, im Land herrsche ein Klima der Angst und des Hasses, geschaffen von Kreml und dem Präsidenten selbst.

Nemzows Tochter: "Die Menschen haben jetzt endgültig Angst ihre Meinung zu sagen"

Zhanna Nemzowa, die Tochter des Getöteten hatte, gesagt: "In Russland wurde mit diesem Mord eine Grenze überschritten. Die Menschen haben jetzt endgültig Angst ihre Meinung zu sagen, wenn diese nicht dem Standpunkt der Regierung entspricht."

Es sei noch immer zu früh, von einem Durchbruch in dem Mordfall zu sprechen, warnten Beobachter und Oppositionelle. "Wir hoffen, dass Menschen festgenommen wurden, die tatsächlich etwas mit dem Mord zu tun haben, dass dies kein Fehler ist, sondern das Ergebnis einer guten und qualitativen Arbeit der Sicherheitsorgane", sagte der Oppositionspolitiker Ilja Jaschin. Die Hintermänner der Tat müssten gefunden werden, forderte er.