Festgenommener BND-Mitarbeiter soll für die CIA spioniert haben

12. Juli 2014 - 19:19 Uhr

BND rechnet nur mit begrenztem Schaden

Der wegen Spionageverdachts festgenommene BND-Mitarbeiter soll den US-Geheimdienst CIA mit Informationen versorgt haben. Angeblich lieferte er geheime Dokumente zum NSA-Ausschuss. Bundespräsident Gauck sprach von einem "Spiel mit Freundschaft".

ND-Mitarbeiter Spion CIA Gauck
Bundespräsident Joachim Gauck warnt vor einer Belastung der deutsch-amerikanischen Beziehungen.
© dpa, Maurizio Gambarini

Noch am 1. Juli soll der ehemalige Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes (BND) geheime Dokumente zum NSA-Untersuchungsausschuss geliefert haben, wie die 'Bild am Sonntag' berichtet. Nach Informationen der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' sei der 31-Jährige seit Ende 2012 von der CIA gesteuert worden. Wegen Verdacht auf Spionage wurde er am Mittwoch festgenommen.

Nach eigenen Aussagen habe der Mann 218 Dokumente an seine Auftraggeber geliefert. Darunter seien zwei gewesen, die den NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages betroffen hätten. Insgesamt habe er nach eigenen Angaben für die Weitergabe der Dokumente 25.000 Euro erhalten.

Der Bundesnachrichtendienst rechnet allerdings nur mit begrenztem Schaden. Nach einer ersten Bewertung gehe der deutsche Auslandsnachrichtendienst davon aus, dass der Mann keine besonders sensiblen Daten, sondern eher allgemein den BND betreffende Dokumente weitergegeben habe, wie es aus hochrangigen BND-Kreisen hieß. Demnach sei der mutmaßliche Spion nur eine Hilfskraft in der Abteilung "Einsatzgebiete Ausland" gewesen und kein Agent des Auslandsgeheimdienstes.

"Bei uns ist nichts falsch gelaufen", äußerte sich der BND. Auch bei der schriftlichen oder elektronischen internen Nachverfolgung von Geheimdokumenten habe es keine Lücken gegeben. Der 31-Jährige sei auch nicht von einem fremden Geheimdienst angeworben worden, sondern habe seine Dienste selbst angeboten, wurde betont. Der Bundesnachrichtendienst geht davon aus, dass der Mann aus finanziellem Interesse und Geltungsdrang gehandelt hat.

Gauck: "Jetzt reicht´s auch einmal"

Die beim Bundesamt für Verfassungsschutz angesiedelte Spionageabwehr kam dem 31-Jährigen Ende Mai auf die Spur, nachdem er seine Dienste dem russischen Geheimdienst in einer Mail an das russische Generalkonsulat in München angeboten hatte. Im Anhang schickte er als Beleg für seinen Wert drei als geheim eingestufte BND-Dokumente, von denen zwei den NSA-Untersuchungsausschuss betrafen. Diese Mail fing der Verfassungsschutz ab, sie war der entscheidende Hinweis auf den Maulwurf. Anfang Juni sei der BND über den Vorgang informiert worden, hieß es weiter.

Angesichts des jüngsten Spionagefalls hat Bundepräsident Joachim Gauck vor einer Belastung der deutsch-amerikanischen Beziehungen gewarnt. Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass ein BND-Mitarbeiter für einen US-Geheimdienst spioniert hat, "dann ist das wirklich ein Spiel auch mit Freundschaft, mit enger Verbundenheit", sagte Gauck dem ZDF. "Dann ist ja nun wirklich zu sagen: Jetzt reicht's auch einmal", so Gauck weiter.

Der NSA-Untersuchungsausschuss im Bundestag beschäftigt sich mit den Spähmethoden des US-Geheimdienstes. Diese hatten nach den Enthüllungen des Ex-NSA-Mitarbeiters Edward Snowden weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die NSA soll unter anderem das Handy von Bundeskanzlerin Angela Merkel überwacht haben.