RTL-Experte analysiert Rückkehr des Altmeisters

Danner über das F1-Comeback von Alonso: "Delikate Situation für Renault"

Spanish Formula One pilot Fernando Alonso takes part on the filming of a documentary in Llanera, Asturias, northern Spa
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09. Juli 2020 - 11:56 Uhr

Von Ludwig Degmayr

Die Rückkehr von Fernando Alonso hat die Formel-1-Welt in Aufregung versetzt. Neben viel Jubel über das Comeback des Ex-Weltmeisters gibt es aber auch kritische Stimmen, die in Renaults Wahl eine Entscheidung pro Vergangenheit sehen. RTL-Formel-1-Experte Christian Danner schätzt die Lage nach dem Alonso-Comeback ein und sieht in diesem Deal gleich mehrere Profiteure.

Video: Alonso will Teamplayer sein

Abstriche beim Gehalt möglich

"Zunächst einmal bringt es Renault in eine delikate Situation, sowohl sportlich als auch aus Marketing-Sicht. Die Ankunft von Alonso wird bereits gespannt erwartet, das pusht das gesamte Team. Er kennt Renault und weiß, wie sie zusammen Titel gewinnen können" sagt der F1-Experte.

Fernando Alonso und Daniel Ricciardo
Fernando Alonso löst ab 2021 den "Honigdachs" Daniel Ricciardo bei Renault ab
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Zwar gab es schon seit Jahresbeginn Gerüchte um eine erneute Ehe zwischen Alonso und den Franzosen, durch die Corona-Krise wurde Renault (wie alle anderen Teams) aber zu Sparmaßnahmen gezwungen. Der Wechsel von Daniel Ricciardo zu McLaren in der kommenden Saison brachte dann wohl das nötige Budget für die Verpflichtung. Danner glaubt aber nicht an ein fürstliches Gehalt von Alonso: Sicher fahre er (Alonso, Anm. d. Red.) nicht umsonst. "Eskapaden im Lohn wird es trotzdem nicht geben, er hat schon genug Geld verdient in seinem Leben. Deswegen denke ich, dass er bei einer für ihn sportlich interessanten Aufgabe sicherlich Abstriche in Sachen Gehalt machen wird."

Danner: "Alonso ist Risikominimierung für Renault"

Nico Hülkenberg
Alonsos Rückkehr ist aus deutscher Sicht bitter, denn es verwehrt Nico Hülkenberg ein mögliches Comeback bei den Franzosen
© dpa, Luca Bruno, LB frd fgj

Kommt das Comeback von Alonso für den RTL-Experten überraschend? "Ja und nein. Einerseits verwundert es, dass er bereits das Jahr 2021 mitnimmt, in dem Renault aufgrund der gleichbleibenden Regeln weiter im Mittelfeld fahren wird. Andererseits hat er immer auf eine Möglichkeit gewartet, und das war eben die beste Option, er musste sie aber jetzt nutzen. Sein Fokus wird nichtsdestotrotz natürlich auf 2022 liegen."

Die Entscheidung pro Alonso kann Danner auch aus Renault-Sicht gut verstehen: "Wäre ich Teamchef Abiteboul hätte ich mich zwar auch nach Nico Hülkenberg oder den Nachwuchsfahrern aus der Akademie umgesehen, aber letztendlich geht es bei der Fahrerwahl immer um eine 'Risikominimierung'. Die ist bei Alonso als nachgewiesener Spitzenfahrer natürlich am besten. Er wird auch auf Anhieb schnell sein und seine ganze Erfahrung einbringen."

Ähnliche Vorzeichen wie bei McLaren - Zündpotential?

Fernando Alonso
Das Projekt McLaren-Honda scheiterte kläglich - Alonsos ständige Kritik am Motorenlieferanten war dabei nicht gerad hilfreich
© imago/HochZwei, imago sportfotodienst

In der Vergangenheit machte der 38-Jährige immer wieder klar, dass er nur mit einem Topteam in die Königsklasse zurückkehrt. Stattdessen findet er eine krisengebeutelte Mannschaft wieder, die den Anschluss entgegen der eigenen Erwartungen immer noch nicht gefunden hat. Eine ähnliche Situation wie bei McLaren vor ein paar Jahren - und diese Ehe scheiterte nicht zuletzt mit den Worten "GP2 Engine" kläglich. "Ich gehe davon aus, dass er gelernt hat und noch reifer geworden ist. Im Endeffekt ist es aber sowieso seine letzte Chance, also könnte es ihm ja Wurst sein, ob Harmonie im Team herrscht. Bei Renault hatte er in der Vergangenheit aber eine tolle Zeit, da haben sie einen kleinen Bonus bei ihm", so Danner.

Video: Comeback vor lauter Langeweile

Alonsos neuer Teamkollege wird Esteban Ocon sein. Der Franzose äußerte sich beim Saisonauftakt in Spielberg positiv über eine mögliche Verpflichtung des Weltmeisters. "Was soll er auch anderes sagen?", meint Danner, fügt aber an: "Es ist jetzt aber auch nicht so, dass sie mit der Verkündung von Alonso Ocon geschwächt haben oder ihm nichts zutrauen. Er war ein komplettes Jahr ohne Rennerfahrung und muss ich erst wieder finden, das hat man in Spielberg auch gesehen. Es ist ja noch jung und hat nächstes Jahr die Möglichkeit, Alonso mit gleichen Waffen zu besiegen."

Alonso bestens "aufgetankt"

Fernando Alonso
Ausflüge wie zum Indianapolis 500 gaben Alonso laut Danner mehr Kraft
© AP, Michael Conroy, MC

Zu Beginn der Saison 2021 wird Fernando Alonso bereits 39 Jahre sein. Auch wenn es in der Formel 1 nicht unüblich ist, auch im sportlich hohen Alter noch Rennen zu bestreiten, sehen viele Kritiker den Spanier über seinem Zenit und trauen ihm Leistungen wie vor seiner Pause nicht mehr zu. Der RTL-Experte hält das für Schwachsinn: "Es gibt einen lebenden Beweis, der das Gegenteil beweist und der heißt Kimi Räikkönen. Es ist von Fall zu Fall unterschiedlich, die Leistungsfähigkeit ist in diesem Sport nicht nur am Alter festzumachen. Alonso ist sicher ein anderer Fahrer als mit 25 oder auch mit 33, aber das heißt nicht, dass er deswegen langsamer ist." Die zweijährige F1-Auszeit sieht Danner sogar als Vorteil: Bei McLaren war er etwas zu verbissen. Durch seine Ausflüge nach Le Mans, zur Rallye Dakar oder zum Indy 500 konnte er Kraft gewinnen und sich weiterentwickeln. Er ist also bestens aufgetankt und eben nicht leer wie Ende 2018."

Alonso selbst sagte am Mittwoch in Bezug auf sein fortgeschrittenes Alter, dass am Ende nur die Stoppuhr zähle. Diese These unterstützt Danner voll und ganz: "Es zählt immer die Performance, auch für eine Team wie Renault. Nur durch Performance kann eine Entwicklung gelingen. Daher müssen sie auch im Jahr 2021 bereits voll Gas geben." Hier spannt der F1-Experte noch einmal den Bogen zu den Alonso-Kritikern: "Denen (Kritikern, Anm. d. Red.) kann er es auch durch eben diese Performance beweisen, das muss er aber sofort tun. Wenn ihm das gelingt, kann niemand mehr etwas sagen. Denn die Rundenzeit lügt eben nicht."