Wegen Steuerhinterziehung, Doping & Körperverletzung

Fünfmaliger Box-Weltmeister Felix Sturm zu 3 Jahren Haft verurteilt

Felix Sturm zu Haftstrafe verurteilt

Der fünfmalige Box-Weltmeister Felix Sturm ist wegen Steuerhinterziehung, Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz und Körperverletzung zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Das entschied das Landgericht Köln. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Es ging um 1 Million Euro

Sturm wurde schuldig gesprochen, dem Fiskus in den Jahren 2008 bis 2010 sowie 2013 insgesamt rund eine Million Euro vorenthalten zu haben. Freigesprochen wurde der 41-Jährige hingegen wegen der Hinterziehungsvorwürfe für die Jahre 2011 und 2012.

Richter Marc Hoffmann hielt Sturm bei der Urteilsverkündung zugute, dass er teilgeständig gewesen sei und seine Verteidigung in dem Verfahren "gute Arbeit" geleistet habe. "Wir haben uns gefragt, ob das für eine Bewährungsstrafe reicht und kamen zu der klaren Antwort: Nein", meinte der Vorsitzende.

Ursprünglich angeklagt war der 41-Jährige wegen Steuerhinterziehung von rund 5,8 Millionen Euro in den Jahren 2008 bis 2015. Im Verfahren waren aber die Vorwürfe bezüglich der Jahre 2014 und 2015 eingestellt worden. "Wir kommen auf einen Steuerschaden von knapp über eine Million Euro", sagte der Richter.

Wie das Gericht weiter erklärte, hätten die Steuerhinterziehungen im Jahre 2006 ihren Anfang genommen, als Sturm mit einer Schweizer Medien- und Beratungsfirma kooperierte. Seinem damaligen Promoter Klaus-Peter Kohl von Universum Boxpromotion sagte Sturm, dass seine Kampfbörsen in Zukunft an die Agentur fließen sollten. Kohl weigerte sich, es kam zum Bruch mit Universum.

Mit Hilfe der Schweizer Firma vertuschte Sturm Einnahmen. Das Geld sollte laut Verträgen an die Agentur fließen, landete aber letztendlich auf Sturms Konto. So habe der fünfmalige Weltmeister beim Finanzamt falsche Angaben über seine Einnahmen machen können.

30.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Felix Sturm, ehemaliger Box-Weltmeister im Mittelgewicht, kommt neben seinen Anwälten Nils Kröber (r) und Andreas von Dahlen zum Landgericht. Hier wird das Urteil im Prozess um Steuerhinterziehung, Doping und Kö
Felix Sturm mit seinen Anwälten vor dem Kölner Landgericht.
ve jai, dpa, Rolf Vennenbernd

Doping und Körperverletzung

Sturm wurde außerdem wegen Verstoßes gegen das Anti-Dopinggesetz verurteilt. Demnach war er im WM-Kampf gegen den Russen Fjodor Tschudinow im Februar 2016 mit dem Mittel Stanozolol gedopt. Wie das Gericht feststellte, habe Sturm von Dezember 2015 bis Januar 2016 in Österreich "bewusst" und "planmäßig" eine Stanozolol-Kur gemacht. Dadurch habe er gegen Schudinow auf "eine erhöhte Schlag- und Schnellkraft" gehofft, meinte Richter Hoffmann.

Sturm machte sich daher auch des Vorwurfes der Körperverletzung schuldig. "Beim Boxen gibt es zwar immer Körperverletzung", sagte der Richter. Doch durch die Anwendung des Dopingmittels sei die Abmachung, die Sturm mit Schudinow getroffen hatte, ignoriert worden. "Also haben wir keine Einwilligung von Schudinow mehr, es liegt eine Körperverletzung vor", so das Gericht.

„Das Strafmaß ist für mich ziemlich hoch. Es tut mir als Trainer leid", sagte Trainerlegende Ulli Wegner zu RTL/n-tv. "Er hat für die Gesellschaft unheimlich viel getan. Er hat die Fans begeistert mit seinen tollen Kämpfen. Ich hoffe, dass er sein Leben trotzdem wieder in den Griff kriegt und nach vorne blickt."

Die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) begrüßte dagegen das harte Urteil. "Die Entscheidung des Landgerichts Köln, Felix Sturm auch wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Doping-Gesetz und wegen Körperverletzung zu sanktionieren, ist sehr bemerkenswert", erklärte die Agentur. "Es ist ein wichtiger Meilenstein für das Anti-Doping-Gesetz und kann richtungsweisend auch für zukünftige Strafverfahren sein", hieß es weiter.

Sturm hatte in dem Verfahren bereits rund acht Monate in Untersuchungshaft gesessen, nachdem er im April 2019 auf der Fitnessmesse "Fibo" festgenommen worden war. Vor Heiligabend vergangenen Jahres kam der Ex-Boxer gegen eine Kaution von 300.000 Euro unter Auflagen auf freien Fuß.

RTL.de/SID/DPA