Kind aus überhitztem Auto auf Fehmarn befreit

Trotz Ermittlungen gegen ihn: Polizei lobt couragierten Baby-Retter

Polizei Lübeck und Ostholstein
© Polizei Lübeck und Ostholstein

12. August 2020 - 17:09 Uhr

Gluthitze war dem Vater egal

Drückende Hitze sorgte für Sauna-Gefühl im Toyota. Ein 57-jähriger Familienvater ließ seinen sechs Monate alten Jungen trotzdem einfach im Auto liegen – und vertrat sich mit seinen anderen Kindern die Füße. Ein mutiger Retter hörte verzweifelte Schreie des Babys, versuchte den Halter des Wagens durch laute Rufe ausfindig zu machen. Weil er das Kind in Gefahr sah, schlug er die Scheibe ein. Doch der Vater zeigte den couragierten Mann an. Jetzt lobt die Polizei die kluge Taktik des Helfers – und ermittelt trotzdem gegen ihn!

Im Video: Hitze im Auto – Selbsttest bringt erschreckendes Ergebnis

Familienvater wollte sich die Beine vertreten

Polizist Stefan Muhtz lobte die kluge Taktik des couragierten Retters
Polizist Stefan Muhtz lobte die kluge Taktik des couragierten Retters
© RTL

Als der 47-jährige Mann aus Celle das Baby bei 30 Grad im Auto sah, schrie er zunächst nach dem Besitzer des Fahrzeugs, erklärte Polizist Stefan Muhtz gegenüber RTL. "Wem gehört das Auto?", habe er demnach immer wieder über den Parkplatz gerufen. Doch die Suche nach dem Halter des Wagens blieb erfolglos. Der Mann schlug die Seitenscheibe des Autos ein und holte das Kind heraus. "Das im Fahrzeug ausliegende Parkticket wurde elf Minuten zuvor gelöst", so die Polizei.

Ob es zulässig ist, die Autoscheibe in einer solchen Situation einzuschlagen, lesen Sie hier.

Kurz darauf kehrte der Besitzer des Wagens zurück. Wie Muhtz RTL erklärte, hatte der 57-jährige Vater mit seinem 9-jährigen Sohn und einer jüngeren Tochter die Sanitäranlagen aufgesucht. Das Baby habe er im Auto zurückgelassen, weil es "tief und fest geschlafen hat". Die Familie habe es vorgezogen, den schlafenden Jungen im Auto zu lassen, um ihn nicht zu wecken. Der Halter des Wagens will nur etwa zehn Minuten lang weg gewesen sein.

Polizei ermittelt gegen Baby-Retter, nicht gegen den Vater

Für den Familienvater war das beherzte Eingreifen des 47-Jährigen eine pure Unverschämtheit: Er empfand das Verhalten als "unverhältnismäßig", zeigte den Baby-Retter wegen Sachbeschädigung an. Polizist Stefan Muhtz zu RTL: "Gegen den Mann wird wegen Sachbeschädigung ermittelt." Gegen den Vater jedoch nicht: "Eine Straftat liegt erstmal nicht vor. Dafür haben wir keine Anhaltspunkte." Trotzdem schickten die Beamten einen Bericht über den Verdacht der Kindeswohlgefährdung an das zuständige Jugendamt. 

Trotz Anzeige: Lob für den couragierten Einsatz

Nach dem Vorfall geht es dem Jungen nach RTL-Informationen gut. Wäre das Kind weiter unbeaufsichtigt im Auto geblieben, hätte es aber in Gefahr geraten können. Die Temperaturen steigen binnen Minuten auf 70 Grad an. Deshalb lobt Polizist Stefan Muhtz den Einsatz des 47-Jährigen aus Celle: "Man sollte nicht überhastet tätig werden. Aber couragiertes Handeln wünschen wir uns ja." Es sei je nach Lage individuell zu entscheiden, ob man erst Polizeibeamte zur Hilfe hinzuziehen oder selbst tätig werde solle.

Das Vorgehen des Mannes sei auch vorbildlich gewesen, weil er besonders umsichtig gehandelt habe: "Er hat sich auf die andere Seite begeben, sodass der Säugling nicht verletzt wird." Der Baby-Retter schlug hinten die kleinste, dreieckige Scheibe ein, um hineingreifen und die Tür öffnen zu können. Dabei richtete er so wenig Schaden wie möglich an. Die fünfköpfige Familie aus Bremen war wegen der kaputten Scheibe trotzdem stinksauer.