FDP: Rösler bleibt Chef

FDP mit Doppelspitze: Rösler (rechts) trägt die Binde, Brüderle macht die Tore
FDP mit Doppelspitze: Rösler (rechts) trägt die Binde, Brüderle macht die Tore
© dpa, Kay Nietfeld

21. Januar 2013 - 23:01 Uhr

Parteitag wird vorgezogen

Nach dem unerwartet guten Wahlergebnis von Niedersachsen und der obligatorischen Parteipräsidiumssitzung am Tag danach ging Philipp Rösler noch immer als FDP-Parteichef vor die Mikrofone, um die Öffentlichkeit über die Sitzungsergebnisse zu unterrichten. An seiner Seite war der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle.

Brüderle stand dort allerdings in seiner Rolle als designierter Spitzenkandidat der Liberalen für die Bundestagswahl im September. Diese Personalie war eines der Sitzungsergebnisse.

Ansonsten hatte es ein bisschen Hin und Her gegeben. Der stark in die Kritik geratene Rösler hatte trotz des guten Abschneidens der FDP dem Präsidium vorgeschlagen, den für Mai geplanten Bundesparteitag vorzuziehen, was einstimmig angenommen wurde. Verschiedene Vertreter der Partei hatten ein Vorziehen gefordert. Sie wollten wegen der verheerenden Umfragewerte die Führungsfrage möglichst schnell klären. Brüderle hatte noch am Freitag, zwei Tage vor der Wahl in Niedersachsen, in einem Interview Rösler attackiert und einen vorgezogenen Parteitag verlangt. Das war als Kampfansage verstanden worden.

Rösler schlug – durch das Wahlergebnis gestärkt – der erweiterten Parteiführung vor, mit Brüderle als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf zu ziehen und fügte an, er sei auch bereit, "zur Seite zu treten", wenn Brüderle zusätzlich noch Bundesvorsitzender werden wolle. Laut Parteikreisen waren zuvor alle Versuche, zu einer einvernehmlichen Lösung zwischen Rösler und Brüderle zu kommen, gescheitert. Brüderle lehnte Röslers Angebot ab und erklärte der Parteiführung, er strebe nicht nach diesem Amt.

Daraufhin verständigten sich die beiden Politiker auf die Arbeitsteilung, die sie nach der Sitzung offensiv in die Öffentlichkeit trugen. Rösler wertete das starke Abschneiden seiner Partei als "absolut ermutigendes Signal". Das Ergebnis zeige, dass es unabhängig von Umfragen am Wahltag gelingen könne, mit richtigen Themen, Personen und Konstellationen Wahlerfolge zu erzielen, sagte Rösler. Nun müsse man sich auf die richtigen Inhalte und Botschaften konzentrieren und mit Geschlossenheit vorangehen.

"Brüderle hat gekniffen"

"Jedem ist klar: Rainer Brüderle und ich sind unterschiedlich. Wir ergänzen uns." Ziel sei es, die Stimmen der FDP zu mehren. "Wir sind davon überzeugt, dass wir mit der Niedersachsenwahl den Zug FDP wieder auf das richtige Gleis gesetzt haben", führte Rösler aus. Brüderle werde als Spitzenkandidat das "Gesicht und der Kopf" der Liberalen im Wahlkampf sein. "Und ich werde dann als Parteivorsitzender ... das gesamte Team führen", sagte Rösler. Die Arbeitsteilung werde hervorragend gelingen.

Brüderle stellte noch einmal klar, dass er nicht Parteichef werden wollte. Ihm sei es um eine schnelle Klärung und schnelle Entscheidungen gegangen. Die Doppelspitze, über die im März auf dem Parteitag abgestimmt wird, erklärte Brüderle gewohnt offensiv und selbstsicher: "Der Kapitän hat die Binde. Und der Kapitän ist der Parteivorsitzende. Die Sturmspitze ist der Spitzenmann, der vorne die Tore schießen soll. Und das bin ich."

Doch kommt die FDP nun zur Ruhe? Ein Mitglied der erweiterten Parteiführung interpretiert die Doppelspitze anders als Brüderle und meinte: "Brüderle hat gekniffen."