FDP-Parteitag in Berlin: Lindner pumpt Mitglieder an

Frei, bunt und etwas klamm: FDP und ihr Vorsitzender Lindner
Frei, bunt und etwas klamm: FDP und ihr Vorsitzender Lindner
© dpa, Bernd Von Jutrczenka

15. Mai 2015 - 16:32 Uhr

Bundespartei in den roten Zahlen

Eine gewisse Ironie lässt sich nicht leugnen: Die FDP, die sich regelmäßig gegen den Solidaritätszuschlag auflehnt, die freie Wirtschaft predigt, von einer Umverteilung des Vermögens nichts wissen will, regelmäßig gegen Griechenlandhilfen und Griechenland selbst mobil gemacht hat, ist in finanzielle Schieflage geraten. Oder anders ausgedrückt: Die FDP ist verschuldet. Die Partei, die im letzten Bundestagswahlkampf den Alleinanspruch auf vernünftiges, seriöses Wirtschaften erhoben hat, braucht dringend finanzielle Hilfe.

Immerhin erfährt der beginnende Parteitag in Berlin Rückenwind durch die jüngsten Wahlerfolge in Hamburg und Bremen. Darüber hinaus gibt es keine störenden Personaldebatten. Christian Lindner ist der Chef und wird es auch bleiben. Neben der Wiederwahl Lindners steht die Verabschiedung eines Leitantrags mit Titel 'Mehr Chancen durch mehr Freiheit' im Zentrum des dreitägigen Treffens. Diese Freiheit müssen sich die Mitglieder der Partei allerdings zunächst mal erkaufen.

Lindner will eine millionenschwere Nothilfe der Basis für die klamme Bundespartei durchsetzen. "Wir wollen einen Investitionsfonds bilden, mit dem wir in die politische Arbeit in Landesverbänden, die sich Wahlen stellen müssen, investieren", sagte er bei einem Empfang in der Parteizentrale. Die Kreisverbände sollen pro Mitglied von 2015 bis 2017 insgesamt 75 Euro an die Bundes-FDP überweisen. So sollen vier Millionen Euro für einen 'Solidarfonds' zusammenkommen, aus dem Kampagnen für die Landtagswahlen 2016 und 2017 sowie die Aufrüstung der Parteizentrale in Berlin bezahlt werden sollen.

'German Mut'

Für Lindners Plan müssen Zweidrittel der Delegierten die Hand heben. In der FDP-Führung ist man zuversichtlich, dass die befristete Sonderumlage für die hoch verschuldete Bundespartei abgesegnet wird. Während die Bundes-FDP rund 7,5 Millionen Euro an Schulden in den Büchern stehen hat und nach dem Bundestags-Aus einen radikalen Sparkurs einschlagen musste, sitzen die Gliederungen der Partei immerhin doch auf einem Vermögen von etwa 13 Millionen Euro. Alles also halb so wild, deswegen lautet der Slogan auch 'German Mut' als Anspielung auf und Gegenteil zu 'German Angst', den von den Engländern aus dem Deutschen übernommenen Begriff, der im Ausland gerne benutzt wird, um die Übervorsichtigkeit der Deutschen zu beschreiben.

Es soll also mit tatkräftiger und finanzieller Hilfe der Basis nach vorn gehen. Das Ziel: Der Wiedereinzug in den Bundestag 2017. 'German Mut' also, aber keinesfalls liberaler Übermut: Lindner will sich und seine Partei nicht von den jüngsten Erfolgen blenden lassen. "Wir sind noch im Vorgebirge", sagte er. Der Aufstieg braucht Zeit – und Geld.

Auch interessant