FDP ist Lindners Himmelfahrtskommando - Liberale schon bedeutungslos?

12. Dezember 2014 - 11:10 Uhr

Fast leerer Saal bei der Pressekonferenz

Nachdem die FDP im vergangenen Jahr erstmals aus dem Bundestag geflogen war, galt er als der große und letzte Hoffnungsträger: Christian Lindner – jung, dynamisch und mit 8,6 Prozent bei der letzten NRW-Wahl vergleichsweise erfolgreich, sollte die Liberalen als neuer Bundesvorsitzender aus ihrer bisher tiefsten Krise führen. Doch stattdessen droht ihnen der Sturz in die Bedeutungslosigkeit, wenn er nicht schon in vollem Gange ist.

FDP ist Lindners Himmelfahrtskommando
Lindner und Co. waren fast allein vor Journalisten in Berlin.

Bei der sogenannten Sonntagsfrage taucht die FDP gar nicht mehr auf, verschwindet in der Rubrik "Sonstige" – etwas Schlimmeres kann dieser Partei mit langer Regierungstradition im Bund kaum passieren. Welchen Stellenwert die Liberalen aktuell bei den Hauptstadt-Journalisten haben, musste Lindner jetzt leidvoll erfahren: Stell Dir vor es ist FDP-Pressekonferenz - und fast keiner geht noch hin. Die Liberalen hatten in Berlin schon einen kleinen Saal gewählt – und selbst der blieb so gut wie leer.

Lindner macht gute Miene zum bösen Spiel. Seine einzige Bühne ist derzeit Düsseldorf. Politisch ist das nicht unbedingt eine Herausforderung für den Chef der einst so stolzen Partei. Es fuchst ihn, mitansehen zu müssen, wie in Düsseldorf Rot-Grün und in Berlin die große Koalition vor allem in einem gemeinsame Sache machten – beim Abkassieren. Lindner kritisiert Solidaritätszuschlag, Pkw-Maut und Mindestlohn.

Katja Suding als "unser Mann für Hamburg"

Doch die nächste Wahl-Schlappe für die FDP deutet sich schon an, Mitte Februar in Hamburg. Auch hier könnte sie aus dem Parlament fliegen. Der Stadtstaat gehört zu den letzten sechs Bundesländern, in denen die Liberalen noch Abgeordnete stellen. Mitregieren tun sie nirgendwo mehr.

Dass Katja Suding plakatiert wird als "unser Mann für Hamburg", ruft die Spötter auf den Plan. Die Sexismus-Debatte um den später gescheiterten Bundestagswahl-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle ist noch nicht vergessen. Böse Zungen behaupten, dass die Partei ihr Problem mit dem weiblichen Geschlecht noch immer nicht ganz überwunden hat.

Immerhin eine Frau gibt es, die sich plötzlich wieder gerne an den Ex-Koalitionspartner erinnert. "Manchmal kann ich mich nur wundern, wie die FDP heute schon von vielen endgültig abgeschrieben wird", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel kürzlich. "Ich rate uns, warten wir's doch einmal in Ruhe ab", meinte die CDU-Chefin. Aber ruhig genug ist es um die FDP in Berlin längst, wie die Lindner-Pressekonferenz zeigte.

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