FDP in der Existenzkrise

10. Februar 2016 - 11:54 Uhr

Auch Röslers Stuhl wackelt

Der plötzliche Abgang von Generalsekretär Lindner setzt die ohnehin schon kriselnde FDP zusätzlich unter Druck. Parteichef Rösler präsentiert überraschend schnell einen Nachfolger. Ist das die letzte Chance für ihn?

Rösler, Döring
FDP-Chef Philipp Rösler hat Patrick Döring als neuen Generalsekretär der Liberalen im Thomas-Dehler-Haus in Berlin während einer Pressekonferenz vorgestellt.
© dpa, Robert Schlesinger

Der FDP-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag, Gerhard Papke, bedauerte den Rücktritt von Lindner und forderte Parteichef Philipp Rösler zu mehr Durchsetzungskraft in der Bundesregierung auf. "Wir brauchen klarere Kante gegenüber der Union. Und das ist vor allem Aufgabe des Parteichefs und Vizekanzlers", sagte Papke der 'Financial Times Deutschland'.

Baden-Württembergs ehemaliger Justizminister Ulrich Goll (FDP) erklärte die 'Boygroup' um Parteichef Rösler für gescheitert. "Christian Lindner gibt letzten Endes auf, weil er sieht, dass er seine Ziele nicht erreicht hat. Das gilt nicht nur für ihn allein", sagte Goll der 'Stuttgarter Zeitung'. Die 'Boygroup' habe nicht Fuß gefasst. "Deswegen meine ich schon, dass man in Zukunft einen Mix suchen sollte zwischen jüngeren und erfahrenen Politikern." Nun biete sich die Chance, die Dinge nochmals zu ändern. "Es ist die letzte Chance für Philipp Rösler."

Döring soll's richten

Gudrun Kopp (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, sagte der 'Neuen Westfälischen', es sei "alles andere als hilfreich" gewesen, dass Rösler den Mitgliederentscheid zum Euro-Rettungsschirm ESM vor Ablauf der Abstimmungsfrist für gescheitert erklärt habe. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses an diesem Freitag müsse es so sein, "dass wir alle gemeinsam für eine Position stehen".

Der noch am Mittwochabend von Rösler als neuer Generalsekretär präsentierte Patrick Döring räumte ein, dass die FDP in einer schwierigen Lage sei. Die Partei brauche Stabilität und Solidität, sagte der bisherige Schatzmeister. Sein vertrauensvolles Verhältnis zu Rösler sei Voraussetzung für eine neue Geschlossenheit, die die Partei nach dem Mitgliederentscheid dringend brauchen werde.

Der Parteivize Holger Zastrow erklärte zur Nominierung Dörings: "Der Parteivorsitzende hat mit der schnellen Nominierung Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit bewiesen." Rösler habe eine gute Wahl getroffen. "Die 'Abteilung Attacke' der FDP hat mit einem Generalsekretär Patrick Döring ein neues, frisches Gesicht."

Lindner war ohne nähere Begründung zurückgetreten. "Es gibt den Moment, in dem man seinen Platz frei machen muss, um eine neue Dynamik zu ermöglichen", sagte der 32-Jährige. Sein Verhältnis zu Parteichef Philipp Rösler galt seit längerem als angespannt.

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