FDP-Chef Lindner irritiert mit Aussagen: Angst beim Brötchenholen?!

13. Mai 2018 - 18:34 Uhr

Häme, Spott und eine heftige Rassismus-Diskussion in den sozialen Netzwerken

Wer einen Parteitag unter dem englischen Motto 'Innovation Nation' abhält, zielt wohl nicht auf den sprichwörtlichen kleinen Mann. Doch dann versucht FDP-Chef Christian Lindner es doch - und landet ein Eigentor. Es verdeutlicht das Dilemma einer Partei, die gleichzeitig AfD-Wähler für sich gewinnen will und auf Abgrenzung zu den Populisten setzt.

Was wollte der FDP-Mann uns mit seiner Geschichte sagen?

Lindner schildert eine Alltagsbeobachtung, die er später einem Bekannten zuschreibt: Da bestellt sich einer beim Bäcker "mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen" - und die Leute in der Schlange wissen nicht, "ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer", sagt er in seiner Parteitagsrede am Samstag. Und das könne Angst auslösen.

Lindner löst vor allem eines aus: Eine heftige Rassismus-Diskussion in sozialen Netzwerken. Viele machten sich auch einfach nur über seine Aussage lustig. Dabei sollte das Szenario eigentlich die Forderung nach einer gut organisierten Einwanderungspolitik untermauern. Die brauche es, damit die Gesellschaft "befriedet" sei, damit die anderen den Fremden nicht "schief anschauen und Angst vor ihm haben", sagt Lindner. Dann könnten "alle sicher sein, dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich auch legal bei uns aufhält". Damit will Lindner zwei Botschaften gleichzeitig senden: Da gibt es eine verständliche Angst vor Fremden. Aber niemand soll sie haben (müssen).

"Wer in meinen Äußerungen Rassismus lesen will oder Rechtspopulismus, ist etwas hysterisch unterwegs"

Für Chris Pyak, der auch bei der europäischen liberalen Parteien-Dachorganisation Alde aktiv ist, Grund genug, die Partei zu verlassen. "Ich bin soeben aus der FDP ausgetreten", verkündet er per Twitter. "Christian Lindner hat in seiner Rede allen Nazis einen Vorwand geliefert, dunkelhäutige Menschen zu drangsalieren." Die FDP und die AfD kämpfen zum Teil um die gleichen Wähler, das ist kein Geheimnis. Dabei setzen die Freien Demokraten auf eine Doppelstrategie: Probleme ansprechen, Einwanderung regeln, gleichzeitig eine scharfe Trennlinie zu den Rechtspopulisten ziehen. Eine Gratwanderung, wie sich zeigt.

Am Sonntag versuchte Linder, die Kontroverse um die "Bäcker"-Passage mit einer Videobotschaft einzufangen: "Wer in meinen Äußerungen Rassismus lesen will oder Rechtspopulismus, der ist doch etwas hysterisch unterwegs. Ich glaube, solche Debatten muss man nüchterner und vernünftiger führen." Grundlage seiner Äußerungen sei eine reale Situation, die ein zugewanderter Bekannter ihm geschildert habe, der in seiner Umgebung Ressentiments und Ängste beobachte.

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Lindner will (und muss) der FDP eine Wachstumsstrategie verordnen

Dabei sollte dieser erste Bundesparteitag nach dem Scheitern der Verhandlungen mit CDU, CSU und Grünen doch vor allem eins: Aufbruchsstimmung verbreiten. Eine Wachstumsstrategie will Lindner seiner 10,7-Prozent-Partei verordnen, als "zweistellige liberale Kraft" soll sie sich verankern. Stand der Dinge: In Umfragen steht die FDP zurzeit bei 7 bis 9 Prozent.