19-jähriger US-Boy

Das ist Schalke-Held Hoppe

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10. Januar 2021 - 16:28 Uhr

Matthew Hoppe: Vom Perspektivspieler zum Schalke-Erlöser

Die Hoffnung auf Schalke hat einen Namen: Hoppe. Um genau zu sein: Matthew Hoppe. Der 19-jährige Stürmer, der bislang vor allem in der U23 der Schalker spielte, entfachte mit seinem Dreierpack beim erlösenden 4:0 gegen Hoffenheim neue königsblaue Zuversicht. Dabei kickte er vor wenigen Wochen nicht einmal in der Regionalliga von Beginn an.

Von Emmanuel Schneider

"Jesus und Schalke Fußballer" lautet die Profilbeschreibung von Hoppe auf dessen Twitter-Profil. Jesus-ähnliche Fähigkeiten benötigte der gläubige Mittelstürmer auch bei seinem Auftritt am Samstagnachmittag in Gelsenkirchen. Denn die schier für unmögliche gehaltene Aufgabe lautete: Mal eben den über alles schwebenden Negativrekord der Tasmania mit einem völlig verunsicherten Team abschmettern und Schalke im 31. Anlauf zum ersten Bundesliga-Sieg führen.

Und Hoppe, gerade in sein fünftes Bundesligaspiel geworfen, lieferte. Mit einem Raul-esken Schlenzer lupfte er S04 sehenswert in Führung – der Brustlöser für das krisengebeutelte Schalke. "Ich chippe den Ball auch im Training ab und zu, deswegen habe ich das Selbstvertrauen, das auch im Spiel zu machen", verriet der Matchwinner auf der Vereinshomepage. Sein Selbstbewusstsein war nach dem Premierentor wohl noch größer, denn anschließend rupfte er die Gäste aus Hoffenheim quasi im Alleingang binnen 20 Minuten.

Klinsmann: "Wie ein Märchen"

So krönte sich der 1,91-Meter-Mann (Marktwert laut Transfermarkt übrigens 100.000 Euro) zum drittjüngsten Dreierpacker der Liga. Schalke staunte, die Liga staunte und die US-Medien erst recht. "Es ist wie ein Märchen", schwärmte Ex-US-Coach Jürgen Klinsmann im amerikanischen Fernsehen. "Es ist unglaublich."

Dabei war Hoppe in den vergangenen Monaten nicht unbedingt als Tor-Garant in Erscheinung getreten. In der laufenden Regionalliga-Saison der U23 erzielte er gerade mal einen Treffer in 16 Einsätzen und war dort nicht einmal Stammkraft. Kein einziges Spiel über 90 Minuten steht in seinem Arbeitsnachweis.

Hoppe und der Ketchup-Effekt

Im November beförderte ihn Ex-Trainer Manuel Baum wegen akuter Personalnot in den Profikader. Es hat etwas von königsblauer Ironie, ausgerechnet der Baum-Schützling sorgte nun für den vielzitierten Ketchup-Effekt des Ex-Trainers ("Man muss von oben ganz fest drauf klopfen, bis irgendwann mal alles rauskommt. Wir sind gerade noch am Klopfen. Aber wenn das dann mal raus kommt, dann haben wir wieder alle Spaß miteinander"). Am Samstag ballerte Hoppe die ganze Ketchup-Flasche leer.

Dem US-Boy war anzumerken, dass er von dem Trubel rund um seinen Person nach dem Dreierpack noch etwas überfordert ist. "Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll", sagte er zart und schüchtern ins Mikro. Stellte dann aber klar: "Ich bin einfach nur glücklich."

Dreierpack-Spezialist aus Südkalifornien

Das Kicken lernte Hoppe bei Strikers FC nahe seiner Heimat in Südkalifornien. Ursprünglich lief einer in der Jugend vor allem als Mittefeldspieler auf. 2017 ging es weiter zur Barcelona Residency Academy in Arizona. Seine Bilanz in der ersten Saison: 24 Tore in 30 Spielen. Eine Spielzeit später schraubte er die Ausbeute auf 29 Tore in 23 Partien. In jener Saison gelangen ihm gleich fünf Hattricks, zwei an einem Wochenende. In Sachen Dreierpacks ist der 19-Jährige quasi ein alter Hase. Das ließ aufhorchen – auch im tiefsten Ruhrgebiet.

Juli 2019 lockte ihn der FC Schalke in die Knappenschmiede, Hoppe überzeugte Nachwuchs-Coach Norbert Elgert im Probetraining. Statt San Diego University, so der eigentliche Plan, hieß es also fortan: Schalke.

Diesen Tag vergisst so schnell keiner

"Ich danke Gott, meiner Familie, meinen Freunden und meinen Trainern, die mir bisher geholfen und mich unterstützt haben. Ich bin extrem aufgeregt, was noch alles kommt", sagte er nach seiner Ankunft auf Schalke.

Dort ging es via U19 (3 Tore in 17 Spielen) und U23 im November zu den Profis. Ein steiler Aufstieg, an dessen vorläufigem Ende der umjubelte Dreierpack steht.

Akute Abhebegefahr besteht bei Hoppe nicht. Comebacker Sead Kolasinac bezeichnete ihn jüngst als ruhigen und lieben Kerl, der sich gern in Zweikämpfe reinschmeiße. "Er kann stolz auf sich sein." Ein echter Fußball-Malocher.

Hoppe selbst meldete sich nach dem historischen Tag bei Instagram zu Wort. "Alle Ehre sei Gott, ein Tag, den ich nie vergessen werde."

Und sicher auch ein Tag, den auf Schalke so schnell keiner mehr vergisst.

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