Bis zu 12 Abgänge "drohen"

Das kuriose Kaderpuzzle des FC Bayern

FC Bayern München - FC Chelsea
© dpa, Sven Hoppe, nic

13. August 2020 - 12:10 Uhr

Von Tobias Nordmann

Die Zukunft von Thiago und David Alaba ist weiterhin nicht final geklärt, die Leihspieler Ivan Perisic und Philippe Coutinho werden den FC Bayern verlassen. Den Münchenern steht ein arbeitsreicher Transfersommer bevor. Coach Hansi Flick hat nun Stellung bezogen.

Nein, nein, das taugt nicht zum Skandal. Nicht mal zum Skandälchen. Trotz der wütenden Vorgeschichte aus dem vergangenen Winter. Hansi Flick, der Trainer des FC Bayern, hat nun abermals erklärt, dass der Kader der Münchner dringend Verstärkungen bräuchte. Und er hat es abermals öffentlich getan. Ein Weg, der Sportvorstand Hasan Salihamidzic im Winter ziemlich verärgert hatte. Doch dieses Mal ist alles ein wenig anders. Charmanter. Harmonischer. In der Intensität allerdings fast dringlicher. Den dem Team, das sich gerade in Lissabon, beim Champions-League-Turnier, mit dem zweiten Triple der Vereinsgeschichte beschäftigt, droht ein gewaltiger Umbruch. Weniger heftig in der Spitze, als vielmehr in der Breite.

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FC Bayern: Ein Dutzend Abgänge?

Bis zu zwölf Abgänge (!) drohen dem Rekordmeister. Niemals wird es zu diesem aberwitzigen Maximal-Szenario kommen, aber der bisweilen sehr konkrete Gerüchtewahnsinn stellt die sportliche Führung in diesem Sommer vor eine kolossale Herausforderung. Klar ist bislang nur, dass alle Leihspieler den Verein verlassen werden - das sind Philippe Coutinho, Alvaro Odriozola und Ivan Perisic (hier gibt es womöglich noch Hoffnung auf einen Verbleib). Außerdem hat der spanische Feingeist Thiago seinen Wechselwunsch deutlich hinterlegt, ebenso wie der körperlich arg ausgelaugte Wadlbeißer Javi Martinez. Er hat sich vergangene Woche bereits von der leeren Allianz-Arena verabschiedet - so wurde seine kleine Foto-Session jedenfalls gewertet.

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Was wird aus Alaba und Boateng?

Immer noch unklar ist, wie es mit David Alaba weitergeht. Dem überragenden Abwehrchef. Eine Einigung über einen neuen Vertrag steht noch aus, ein Abgang weiter im Transferraum. Auch, wenn das nicht sehr wahrscheinlich scheint. Und auch die Zukunft von Jérôme Boateng ist offen. Wieder einmal. Doch diesmal unter gänzlich anderen Voraussetzungen. Boateng ist beim FC Bayern wieder Heldengrätscher und nicht frustrierter Egoist. Zusammen mit Alaba bildete er in der Rückrunde das zentrale Fundament für die Titel in der Bundesliga und im DFB-Pokal - und nun womöglich auch in der Champions League.

Gerade ein Abgang von Alaba würde den Rekordmeister und seinen Trainer hart treffen. "Es ist super, wie sich David ins Spiel einbringt, die Mannschaft nach vorne treibt, das Spiel aufbaut, in der Defensive seinen Mann steht. Er führt das Team, reißt es mit: im Spiel, beim Training, in der Kabine. David ist enorm wichtig für die Mannschaft und mich als Trainer", sagt Flick. "Die Dinge, die er so selbstverständlich macht, findet man nur ganz selten." Die unklare Zukunft des Österreichers ist seit Monaten ein belastendes Thema bei den Bayern. Clubchef Karl-Heinz Rummenigge erklärte nun jedoch, er sei "vorsichtig optimistisch".

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Kader-Chaos: Dem FC Bayern drohen weitere Abgänge

Der sommerliche Gerüchtewahnsinn beschäftigt sich aber auch mit möglichen Abgängen der traurigen Weltmeister Lucas Hernández und Corentin Tolisso, mit dem sehr unzufriedenen Mickaël Cuisance, mit Kingsley Coman, der heftigen Stammplatzdruck vom so gehypten Neuzugang Leroy Sané spürt. Und mit Sven Ulreich, der seinen Platz als Nummer zwei hinter Manuel Neuer zu verlieren droht - weil der FC Bayern das Top-Talent Alexander Nübel verpflichtet hat. Entschieden ist dieses Duell freilich nicht. Dennoch scheint ein Abgang des 32-Jährigen möglich, ebenso einer von Cuisance (Marseille soll interessiert sein). Anders als bei Hernández, Tolisso und Coman, deren Durchbruch zur Unverzichtbarkeit bislang auch von schweren Verletzungen verhindert wurde.

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Flick braucht "20 Feldspieler und vier Talente"

Sei's drum. Nicht jedes Gerücht hat einen Wahrheitsgehalt. Manche indes schon. Sie zu entlarven und eine gute Lösung für das bizarre Kaderpuzzle des FC Bayern zu finden, liegt in der Hauptverantwortung von Hasan Salihamidzic. Und der bekommt von Flick sehr konkret ins Aufgabenheft geschrieben, was er sich wünscht. Ein vierter Außenstürmer sei "optimal". Grundsätzlich sollte zudem "in einem Kader jede Position doppelt besetzt sein", erklärte Flick der "Sport Bild". Wenn der FC Bayern Spieler der Klasse von Thiago, Coutinho oder Perisic verliere, dann müsse man "diese Qualität auch ersetzen. Das wird nächste Saison, wenn wir über Monate alle drei Tage ein Spiel haben, elementar."

Mit einem Kader von "20 gestandenen Feldspielern und vier Talenten" würde er gerne in die kommende Saison starten. Er spüre "großes Vertrauen", dass Sportvorstand Hasan Salihamidzic und sein Team "die richtigen Lösungen finden". Dissens? Nein. Skandal? Niemals. Im Gegenteil, "so wie wir nun leben, habe ich es mir vorgestellt", sagt Flick. "Wir diskutieren, kommunizieren, gehen offen miteinander um. Damit bin ich sehr zufrieden." Stand jetzt.

(Quelle: ntv.de)