Nach Sieg gegen Verfolger Borussia Dortmund

FC Bayern München: Ein Geniestreich für den achten Meistertitel in Folge

27. Mai 2020 - 10:49 Uhr

Von Klaus Jakob

Der FC Bayern siegt im Topspiel gegen Borussia Dortmund mit 1:0 - die achte Meisterschaft in Folge ist so gut wie sicher, denn die Münchner liegen sechs Spieltage vor Saisonende bereits sieben Punkte vorne. Die vorzeitige Gratulation an Bayern München ist gleichzeitig eine Mahnung und ein Weckruf - nicht nur für den BVB, sondern für die gesamte Bundesliga.

Kann BVB-Coach Favre Meisterschaft einfach nicht?

Herzlichen Glückwunsch zum nächsten Titel, FC Bayern. Doch wenn die Titelvergabe auch die nächsten Jahre vorne so eindeutig und berechenbar weiterläuft, dann verliert die Liga an Spannung und Abwechslung an der Spitze.

Das ist natürlich nicht die Schuld von Bayern München, denn der Rekordmeister hat alles richtig gemacht. Wieder einmal gut gewirtschaftet, wieder einmal den richtigen Kader zusammengestellt, wieder mal zur richtigen Zeit den richtigen Trainer positioniert.

Im Gegensatz zu Borussia Dortmund. BVB-Coach Lucien Favre kann "Meisterschaft" offenbar nicht. Zum zweiten Mal hintereinander verspielt Favre mit der Borussia den erhofften Titel und kann die hohen Erwartungen nicht erfüllen. Jetzt heißt es sogar aufpassen und nochmal alle Kräfte für einen Champions-League-Platz bündeln. Denn wenn jetzt der Frust Einzug hält, dann kann die Saison auch noch mittelmäßig enden.

Dabei hatte BVB-Boss Hans-Joachim Watzke vor der Saison noch die Meisterschaft als Ziel ausgerufen. Jetzt stehen dem Club und Trainer Lucien Favre unruhige Wochen bevor. Seine Tage, so wird gemunkelt, scheinen in Dortmund spätestens nach der Saison gezählt zu sein. 

Für Bayern ist noch das Triple möglich

Ganz im Gegensatz zur tollen Stimmung beim Rekordmeister. Und bei Wundertrainer Hansi Flick . Der Mann, der alle mitreißt im Club. Das Tor zur Meisterschaft steht ganz weit offen. Dank Joshua Kimmich, der sich in der 43. Minute wohl dachte: "Warum nicht jetzt schon einen heben?" Sein Lupfer: Ein Traum.

In diesem vor-entscheidenden Charakterspiel um die Deutsche Meisterschaft wurde einmal mehr deutlich, dass die Bayern zur Zeit mental und qualitativ einfach stärker sind als die Dortmunder.  Und auch der Glaube an die eigenen Stärken ist im Flick-Team das Fundament des Meisterweges.

Den Schwarz-Gelben fehlte es im direkten Vergleich mit den Münchnern an Mut, Geistesblitzen, Kreativität und individueller Klasse. Die Bayern spielten ihr Ding cool, diszipliniert und effektiv zu Ende, wie so oft. Was den Dortmundern neben den 80.000 Fans im Stadion fehlte, war ein Leader. Einer wie beispielsweise Marco Reus, den immer noch Verletzungssorgen plagen. Einer, der die Mannschaft mitreißt und in heiklen Phasen wachrüttelt und motiviert. Zu spät. Das war's wohl für Dortmund, während sich die Münchner weiter auf drei Hochzeiten freuen dürfen: Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League. Alle Titel sind noch drin.

Dortmund muss dagegen in sich gehen und alles knallhart analysieren. Nach dem Aus im Pokal und in der Königsklasse sind jetzt auch die Meisterträume zerplatzt ...