Kommentar zur 30. Meistertitel des FC Bayern

Das darf doch nicht wahr sein! Bayern - Meisterabonnement auf ewig?

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17. Juni 2020 - 18:31 Uhr

Kommentar von Klaus Jakob

Sie haben es schon wieder getan - und wieder vorzeitig. Und sie werden es wieder tun und keiner kann sie stoppen. Diesmal nicht, und auch künftig nicht? Hilfe! Es ist ein Armutszeugnis und Weckruf für die Konkurrenz, meint Klaus Jakob.

Keine Partylaune in Fußball-Deutschland

Bayern ist Meister. Und musste in der Saison einige Male nicht einmal an die Leistungsgrenzen gehen. Brauchte auch nicht unbedingt den vielzitierten Bayerndusel vergangener Jahre. Und wurde trotzdem wieder mit einem Rekord belohnt: Zum achten Mal in Folge Meister (aber nicht der Herzen). Es ist irgendwie beängstigend – und es könnte so weitergehen.

Wegen der Coronaregeln wird dieses Jahr nur im kleinen Kreis gefeiert. Aber auch ohne Virus dürfte kaum ein Fußballfan in Deutschland in Partylaune kommen -  die Anhänger des FC Bayern einmal ausgenommen. Denn diese eintönige Dominanz macht wenig Hoffnung auf einen schon so lange Zeit ersehnten Wechsel an der Bundesliga-Spitze.

Bayern ist Geister-Meister

"Mia san mia" ist wieder allgegenwärtig

Nur damit wir uns richtig verstehen: Die Bayern müssen sich dafür nicht entschuldigen. Im Gegenteil, sie haben wieder vieles richtig gemacht. "Mia san mia" ist wieder allgegenwärtig an der Säbener Straße und wird gemeinschaftlich gelebt.

Keine Floskel wie zu Zeiten des FC Hollywood, als sich jeder einzelne im Club wichtiger fühlte als die Gemeinschaft und das äußere Erscheinungsbild viele Angriffsflächen bot. Statt mit einer Zunge zu sprechen, plapperten damals viele an vielen Fronten. Dann hieß es "Feuer frei!" in den Medien. Das war immer Oscar-verdächtig, lenkte aber von den sportlichen Zielen ab.

Ein kleines aktuelles Störfeuer ist auch geklärt: Thomas Müller hat seine Aussagen zu Transfers und Gehaltsverzicht beim FC Bayern klargestellt: Es gebe keinen internen Streit darüber. Das hätte im Erfolgssystem des Vereins auch verwundert. "Unforced errors" gibt es zur Zeit nicht beim Rekordmeister.

Video: Thomas Müller macht einen Rückzieher

Faszination Rekordmeister

Die Bayern hatten und haben viele Neider in der Fußball-Republik. National war die Schadenfreude groß, wenn sie auf dem Rasen stolperten oder durch vereinsinternen Querelen in die öffentliche Mangel genommen wurden.

Aber - und das gehört auch zur Faszination des Rekordmeisters: Wenn der FCB international Erfolg hatte, drückten viele deutsche Nicht-Bayern-Fans trotzdem die Daumen. Wenn die Münchner in der Königsklasse die Königlichen aus Madrid wegballerten oder Messi und die Fußballgötter düpierten, waren viele stolz auf die Fußballkunst "Made in Bavaria".

In der Liga ist das natürlich anders. Hier kämpfen viele weiterhin vergeblich gegen den Branchenkrösus. Dortmund blies diesmal zum Generalangriff, schrieb sich zu Beginn der Saison das Titelziel auf die schwarz-gelben Fahnen und blätterte Millionen für Hummels, Haaland und Co. hin - vergeblich. 

Sollten den Borussen künftig Stars wie Sancho abspringen oder Leipzig ohne Knipser Werner auf die nächste Bayernjagd gehen müssen, dann dürfte es wieder nichts werden mit einer Bayern-Ablösung. Gleiches gilt auch für die wiedererstarkten Leverkusener im Falle eines vorzeitigen Havertz-Abflugs. Womöglich noch nach München?

Warum soll Müller als Leader nicht mal klare Kante zeigen?

Wirtschaftliche Kraft als Erfolgsbasis

Während die Jäger auf und nachrüsten müssen, sind die Bayern derzeit personell 
bestens besetzt. Qualitativ besser als die Konkurrenz, auch in der Breite. Selbst der 80-Millionen-Fehleinkauf Lucas Hernandez, der ständig verletzt war, scheint kaum ins Gewicht zu fallen. Die Mischung alt und jung stimmt. Trainer Hansi Flick übernahm als Interimslösung und ist jetzt die Dauerlösung - ein Glücksgriff. Der Verein wird seriös geführt. Mit Vorstandsmitglied Oliver Kahn ist zudem jetzt noch mehr Siegermentalität im Club.

Aber alles entscheidend für den kontinuierlichen Erfolg ist die wirtschaftliche Kraft und Basis im Verein. Denn mit Geld, viel Geld kann man die Besten einkaufen und auch halten - wie etwa Tormaschine Lewandowski. Finanziell sind die Bayern eine Bank. Im Geschäftsjahr 2018/19 lag der Umsatz der FC Bayern München AG bei 750,4 Millionen Euro (Vorsaison 657,4 Millionen). Der Gewinn betrug laut Vereinsangaben 52,5 Millionen Euro nach Steuern (Vorsaison 29,5 Millionen), was eine Gewinn-Steigerung von 78 Prozent bedeutet. Bayern München jagt also sportlich und wirtschaftlich einen Rekord nach dem anderen.

Der FCB kann sich nur selbst schlagen

Das ist beeindruckend und erschreckend für die Konkurrenz - auch international: Früher schaute man ehrfürchtig auf Clubs wie Real Madrid, Barcelona oder Manchester United. Heute ist es eher umgekehrt. Während viele dieser Kultclubs überschuldet sind, haben die Münchner über Jahre vorbildlich gewirtschaftet. Und greifen sie nach dem Triple an. Meistertitel in der Tasche, DFB- Pokal im Visier und beste Chancen in der Königsklasse.

Die Champions League soll voraussichtlich im Herbst in einem Blitzturnier zu Ende gespielt werden. Mittendrin und voll dabei: Der FC Bayern München. Kein Virus, kein Lockdown hat sie stoppen können. Der FCB kann sich nur selbst schlagen. So lautet die Warnung und gleichzeitig auch der Ansporn für die Konkurrenz.

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