27. Mai 2019 - 12:28 Uhr

Schmollender Ex-Nationalspieler

Es war der vierte Pokalsieg in seiner Karriere. Doch Jérôme Boateng wollte nach dem 3:0-Triumph der Bayern in seiner Heimatstadt Berlin über Leipzig nur eins: schnell weg. Und das für immer? Selbst Präsident Uli Hoeneß spricht bereits von einem Abschied des Abwehrrecken.

Hoeneß: "Er braucht eine neue Herausforderung"

Anstatt zusammen mit seinen Teamkollegen und dem DFB-Pokal in der Fankurve zu jubeln, verzog sich Boateng in die Katakomben der alt-ehrwürdigen Betonschüssel. Bereits während der Partie hatte er sich demonstrativ lustlos gezeigt. Mit verschränkten Armen und teilnahmsloser Miene schmollte der 1,92 Meter große Hüne auf der Bayern-Bank. Während seine Kollegen immer wieder aufsprangen und mitfieberten, schien dem Weltmeister von 2014 all das nichts mehr anzugehen.

Viel deutlicher kann man nicht ausdrücken, dass man keine Lust mehr hat. Schon die Meisterfeier vor einer Woche hatte Boateng im Stadion kickenderweise mit seinen Töchtern nur am Rande erlebt, bei der Party fehlte er anschließend entschuldigt.

Bei der Double-Feier auf dem Marienplatz legte ihm Präsident Uli Hoeneß einen Abschied nahe. "Ich würde ihm als Freund empfehlen, den Verein zu verlasen", sagte Hoeneß auf dem Münchner Rathausbalkon der ARD: "Er braucht eine neue Herausforderung, er wirkt wie ein  Fremdkörper."

Boatengs Vertrag in München läuft noch bis 2021. Dass er diesen erfüllt, gilt jedoch spätestens nach Hoeneß' Aussagen als ausgeschlossen. Im vergangenen Sommer wäre er schon beinahe bei Paris Saint-Germain gelandet. Der Transfer scheiterte am Veto von Niko Kovac. In die aktuelle Saison startete der 30-Jährige als umstrittener Stammspieler, die Rückrunde erlebte er dann fast ausschließlich von der Bank aus. In den wichtigen Spielen ließ ihn Kovac außen vor.

"Bei Bayern München, meine Situation, wie sehe ich die?", fragte Boateng in den Tagen vor dem Pokal-Endspiel. Die Antwort gab er sich selbst: "Es ist glaube ich für beide Seiten nicht die optimale Saison gewesen."

Video: Keine Ruhmesrede auf den "lieben Niko"

In der kommenden Transferperiode werden die Münchner den Innenverteidiger nicht mehr aufhalten. Gesucht ist ein Club, der neben einer zweistelligen Ablöse auch das Gehalt des Ex-Nationalspielers stemmen kann - und Boateng eine Perspektive bereitet, die ihn aus der Schmollecke holt.