Ja, was liegt er denn da rum?

Der skurrile Mauertrick von Bayerns Costa

Voller Körpereinsatz von Douglas Costa
© dpa, Martin Meissner, ms gfh axs

18. Oktober 2020 - 11:02 Uhr

Douglas Costa macht den Prellbock

Sie kamen aus der Schule und erteilten Arminia Bielefeld eine Lehrstunde: Der FC Bayern zeigt trotz seiner Terminhatz keine weitere Schwäche und nimmt die Tabellenspitze der Bundesliga ins Visier. Für einen erstaunlichen Moment sorgt Münchens Neuzugang Douglas Costa.

Von Tobias Nordmann

Fabian Klos hat viele Qualitäten. Eine, die beim Stürmer von Arminia Bielefeld bislang nicht bekannt war: Sprinten. Nun, Klos, dieser eher wuchtige Angreifer, lauerte und wurde belohnt. In der 76. Minute erlief er im Bundesliga-Spiel des Aufsteigers gegen den FC Bayern einen fatalen Rückpass von Javi Martínez. Klos machte sich auf den Weg Richtung Manuel Neuer, da rauschte ihm Corentin Tolisso in die Parade - nicht fair, deswegen sah der Franzose Rot. Für die Bielefelder gab es schließlich einen interessanten Freistoß.

Und der sorgte für eine der skurrilsten Szenen der Saison. Denn hinter der Mauer, die Manuel Neuer für sich aufstellen ließ, legte sich Neuzugang Douglas Costa ab. Er legte sich einfach dahinter und streckte sich lang aus. So was hat man in der Bundesliga auch noch nicht oft gesehen. Und offenbar irritierte der 30 Jahre alte Brasilianer damit auch seine Mitspieler.

Fragend drehten die sich um. Und schließlich gaben sie ihm noch einen Rat. Er solle sich doch anders herum legen. Costa verstand nicht richtig. Es wurde gelacht und diskutiert. Schließlich begriff er, was (gut) gemeint war. Nicht mit dem Bauch zum Ball, sondern mit dem Rücken. Täte im Falle eines Treffers sicher weniger weh.

Woher Costa diese überraschende Idee hatte? Nun, vielleicht aus der Regionalliga West? Dort hatten sich die Fußballer von Rot-Weiss Essen am Nachmittag im Spitzenspiel gegen Preußen Münster (1:0) ebenfalls (also zuerst) für die Variante vier Mann stehend und einer liegend entschieden.

Bayern-Coach Flick löst auf

Oder war es doch ein Mitspieler? Hansi Flick ließ nach der Partie durchblicken, dass Lucas Hernández seinen neuen Kollegen zu der vielbeachteten Aktion aufgefordert hatte. "Am Ende hat er das ganz gut gemacht - eigentlich ist das ja Joshua Kimmichs Aufgabe", sagte der Bayern-Coach. Kimmich fehlte den Bayern aber, weil er mit seiner Frau das zweite Kind erwartet.

"Es war wichtig, dass er seine Hände auf den Rücken nimmt. Es sieht schon ein bisschen lustig aus, das muss ich gestehen. Wir müssen wohl noch etwas daran arbeiten", fügte Manuel Neuer lachend hinzu.

So oder so: Dieser kuriose Moment war schlussendlich völlig unnötig (wie auch bei RWE). Statt flach zu schießen (in den Costa-Block), versuchte es Marcel Hartel mit einem hohen Schlenzer. Vergeblich. Die Mauer (außer Costa) sprang hoch und wehrte den Ball zur Ecke ab. Die Bayern konnten sich diesen sehr launigen Luxus leisten, denn das Spiel war trotz der Unterzahl bereits entschieden. Je zweimal Thomas Müller (8./51.) und Robert Lewandowski (25./45.) hatten zum 4:0 getroffen, ehe Ritsu Dōan für die Bielefelder erfolgreich war (58.).

"Die erste Halbzeit war nah an dem, was wir uns vorstellen. Aber wir haben etwa fünf Minuten gehabt, bei denen wir zu nachlässig waren", fasste Flick zusammen. "Das hat mir nicht gut gefallen und da machen wir uns das Leben schwer. Wir hätten den Ball besser laufen lassen müssen."

Doch angesichts des insgesamt klaren Erfolgs ließ der Coach auch Milde walten. "Wir können natürlich besser verteidigen, aber es ist so, dass uns aktuell einige Einheiten fehlen. Wir hatten eine Woche, um uns auf das erste Spiel vorzubereiten, und bis jetzt haben wir nicht viel Training als Mannschaft gehabt."

Bayern zogen sich in einer Schule um

Das Spiel wurde übrigens von noch einer Skurrilität begleitet: Die Spieler des FC Bayern hatten sich vor dem Topspiel dieses vierten Spieltags nicht in der normalen Kabine der Arena, sondern in der nahegelegenen Gertrud-Bäumer-Realschule umgezogen.

"So wie es mir gesagt wurde, war es so, dass die Gäste-Kabine nicht den Corona-Regeln entsprochen hat", sagte Flick bei "Sky" zu der kuriosen Kabinen-Situation für den Fußball-Rekordmeister. "Deswegen waren wir drüben, aber da war genügend Platz, deswegen war das für uns optimal."

Auf Videos war zu sehen, wie die Bayern-Profis den kurzen Weg zum Stadion auf einem neu auslegten schwarzen Teppich zurücklegten. "Das war alles perfekt organisiert", lobte Flick.