FC Bayern: Die Lücke in Peps neuen System

© dpa, Uli Deck

22. Oktober 2013 - 21:48 Uhr

4-1-4-1 lautet die Zauberformel, die Pep Guardiola dem FC Bayern mit seiner Amtsübernahme verordnet hat. Mit einem Sechser und zwei Achtern, die bei Ballbesitz des Gegners eine Dreierreihe vor der Vierer-Abwehrkette bilden, will der neue Star-Coach an die historische Erfolgssaison im letzten Jahr, die im ersten Triple der Vereinsgeschichte gipfelte, anknüpfen. Mehr Ballbesitz, mehr Dominanz, mehr Offensiv-Power dank den Neuzugängen Thiago Alcantara und Mario Götze, so der Plan. Noch geht er nicht auf, zu viele Lücken klaffen noch in Peps neuem System.

Götze verpasste wegen eines Muskelbündnisses nahezu die komplette Vorbereitung, Alcantara heuerte erst spät bei den Münchnern an und fällt zudem mit einem Riss des Syndesmosebandes mindestens für die nächsten zwei Monate aus. Abstimmungsprobleme im Umschaltspiel, wie jetzt gegen den SC Freiburg zu sehen, sind programmiert. Die Folge: Bei Ballverlust steht Bastian Schweinsteiger allzu oft als alleiniger Sechser auf verlorenem Posten. "Bastian ist nie alleine, er ist nicht unser einziger Sechser", verteidigt Thiago in der 'Sportbild' das neue Bayern-System.

Doch die guten alten Heynckes-Zeiten, in denen Javi Martinez an der Seite Schweinsteigers zum Abwehr-Turm in der Schlacht aufstieg, sind vorbei. Erst fünf Bundesligaminuten hat der 40-Millionen-Mann von Athletic Bilbao bisher auf dem Buckel. Die Confed-Cup-Teilnahme mit Spanien und die verpassten Trainingslager wirken nach. Aktuell plagt sich der 24-Jährige mit einer Adduktorenverletzung herum.

Nach dem Verkauf von Luiz Gustavo an den VfL Wolfsburg darf auf der Sechser-Position nicht mehr viel passieren. Das scheint auch Pep Guardiola zu wissen. Warum sonst hat er in der Vorbereitung Philipp Lahm immer mal wieder im defensiven Mittelfeld ausprobiert? Ein Ausfall Schweinsteigers käme einem Super-GAU gleich – der nun ausgerechnet im Supercup-Finale gegen den FC Chelsea Realität werden könnte.

Mit einem dick bandagierten Knöchel humpelte Schweinsteiger nach dem ersten Münchner Punktverlust in der laufenden Saison kommentarlos in den Mannschaftsbus. "Er hat eine Stauchung im Sprunggelenk", sagte Guardiola nach dem enttäuschenden 1:1 im Breisgau. "Morgen ist eine Untersuchung. Ich hoffe, dass er nächsten Freitag spielt. Aber wir wissen es nicht." Kapitän Philipp Lahm wurde noch etwas deutlicher: "Es sieht nicht gut aus."

Zu der fehlenden Abstimmung in der Bayern-Schaltzentrale kommt nun also auch noch Verletzungspech hinzu. Das scheint auf alle Mannschaftsteile auszustrahlen: Die Innenverteidigung um Abwehrchef Dante hat nicht erst gegen Freiburg das ein oder andere Mal gewaltig gewackelt. Auch das aggressive Pressingspiel bei gegnerischem Ballbesitz, mit Mario Mandzukic als vorderstem Balleroberer, kommt unter Guardiola noch nicht so recht in die Gänge.

Logisch, dass da Intimfeind Jose Mourinho vor der ersten echten Standortbestimmung in dieser Saison bereits Morgenluft wittert. In der 'Bild am Sonntag' überhäufte 'The Special One' die Bayern-Elf unter Jupp Heynckes mit Lob und adelte sie als bestes Team Europas. "Doch jetzt haben sie einen neuen Trainer und neue Spieler – und ich bin nicht mehr so sicher, ob sie immer noch so gut sind." Gegen Chelsea ist Guardiola erstmals richtig unter Druck, schließlich gilt es, mit den 'Blues' eine alte Rechnung zu begleichen.