Sie verbreiten die Seuche selbst

Faulbrut-Seuche wird zur tödlichen Gefahr für Bienen

© deutsche presse agentur

10. Juli 2019 - 7:05 Uhr

Für Menschen zunächst ungefährlich

Durch Sporen werden die Bakterien von den Bienen-Arbeiterinnen bei der Fütterung an die Larven im Bienenstock weitergegeben und endet für den Nachwuchs tödlich. Das Fatale ist, dass sich die tote Larve zu einem Sporenherd entwickelt und somit den ganzen Bienenstock infiziert. Seit Jahren ist die Faulbrut-Seuche außer Kontrolle und wird zur wachsenden Gefahr für Bienenvölker.

Faulbrut-Seuche ist ein alter Bekannter

Die Amerikanische Faulbrut richtet in Bienenstöcken regelmäßig große Schäden an. "Ich sehe die Krankheit als ein seit Jahrzehnten ungelöstes Problem", sagt die Vize-Direktorin des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf bei Berlin, Elke Genersch. In den vergangenen Jahrzehnten schwankte die Zahl der Ausbrüche in Deutschland demnach zwischen 140 in 2018 und 440 im Jahr 1998. Auf einen Rückzug der Seuche ließen die Zahlen nicht schließen: Es gebe seit den 1950er Jahren ein stetes Auf und Ab der anzeigepflichtigen, für Menschen aber ungefährlichen Krankheit.

Infizierte Bienenvölker müssen oft getötet werden

Ein Imker kann nicht ohne weiteres und sofort sehen, was los ist. Beim Verdacht auf Amerikanische Faulbrut müsse er die Veterinärbehörde informieren. Teile der Amtstierarzt den Verdacht, sperre er den Bienenstand und nehme Proben. Bestätige sich der Verdacht im Labor, werde ein Sperrgebiet von mindestens einem Kilometer um den Ausbruchsherd festgelegt. Bienenvölker dürfen aus dem Sperrgebiet weder hinaus- noch in dieses hineingebracht werden.

Das weitere Verfahren ist je nach Bundesland unterschiedlich: In einigen Ländern wie Brandenburg müssen die betroffenen Völker getötet werden. Die Zahlung der Tierseuchenkasse kompensiere den Schaden nicht, räumt Schäfer ein. Anderswo sei eine Sanierung der Völker zulässig, aber nicht immer möglich. Dafür werden die Bienen in einen gereinigten Kasten auf neue Rahmen geschüttelt. Wenn sie mit dem Bau von Waben beginnen, werden ihnen diese mehrfach weggenommen, bis ihnen durch das Bauen und Putzen wahrscheinlich keine Sporen mehr anhaften.

Was tun, wenn sich ein Bienenvolk niederlässt?

Im Video erklären Experten, was zu tun ist, wenn sich in Bienenvolk im Garten oder am Haus niederlässt.

Gibt es Hilfe gegen die Faulbrut?

Mit Medikamenten ist der Seuche nicht beizukommen - Antibiotika dagegen sind in der EU nicht zugelassen. "Antibiotika töten die Sporen nicht ab", sagt Marc Schäfer vom Nationalen Referenzlabor für Bienenkrankheiten. "Woher die Sporen kommen, ist von der Wissenschaft noch nicht vollständig beantwortet." Bienen, auch aus dem Ausland, dürften nur mit Gesundheitszeugnis verkauft werden. Importhonig könne Sporen enthalten. "Aber welcher Imker verfüttert Honig?", meint Genersch. Am ehesten erfolge die Weiterverbreitung wohl durch Räuberei: Gesunde Bienen treffen auf geschwächte Völker und rauben deren Honig, anstatt Nektar zu sammeln. Damit infizieren sie ihre Brut.

Durch die großen Sicherheitsmaßnahmen und die gesteigerte Überprüfung befallener Bienenstöcke, gerät die Faulbrut-Seuche zunehmend unter Kontrolle. Aufatmen können Imker und Bienenvölker allerdings noch nicht.

Jeder kann etwas für Bienen tun!

Auch wenn nach Ausbruch der Faulbrut-Seuche Experten ans Werk müssen, kann jeder im Alltag die Lebensbedingungen für Bienen verbessern. Neben der Faulbrut ist auch der kleiner werdende Lebensraum ein wachsendes Problem für Bienen. Doch viele Pflanzen, die sich auf dem Balkon oder im Garten gut machen, unterstützen die Bienen bei ihrer Nahrungssuche.