25. Oktober 2017 - 16:18 Uhr

14,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen leben in Hartz-IV-Haushalten

Traurige Zahlen: Der Anteil der Kinder, die auf Hartz IV angewiesen sind, hat einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt lebten im Juni 2017 rund 1,95 Millionen Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Haushalten - über 100.000 mehr als im Vorjahr. Das entspricht 14,6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Zwölf Monate zuvor waren es noch 13,8 Prozent.

Niedrige Hartz-IV-Quoten in Bayern – höchste Quote in Gelsenkirchen

Flüchtlinge am Bahnhof in Berlin-Schönefeld DEU, Deutschland, Germany, Berlin, 29.12.2015: Ankunft von Flüchtlingen im Bahnhof Schönefeld. Eine Familie mit zwei Kindern wartet auf den Bus, der sie in die Flüchtlingsunterkunft bringen wird. Kind mit r
Ausländische Kinder sind besonders oft betroffen.
© imago/Jens Jeske, imago stock&people

Diese Zahlen gab die Hans-Böckler-Stiftung unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit bekannt. Nach Einschätzung der Stiftung ist der Anstieg eine Folge der Zuwanderung, vor allem von Flüchtlingen, seit dem Jahr 2012. Die Zahl ausländischer Kinder, die auf Hartz IV angewiesen seien, habe sich seit Dezember 2011 auf über 580.000 verdoppelt.

Die Zahl der Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit in Hartz-IV-Haushalten sei dagegen gesunken. Regional konzentrierte sich die Zunahme auf Westdeutschland. Nach wie vor sind die regionalen Unterschiede jedoch groß. Die höchsten Hartz-IV-Quoten unter Minderjährigen wiesen Gelsenkirchen (41 Prozent), Bremerhaven, (36,1 Prozent) und Halle an der Saale (34,3) Prozent auf. Am niedrigsten lagen die Quoten in den bayerischen Gemeinden Pfaffenhofen an der Ilm, Eichstätt und Donau-Ries mit Werten zwischen 2,2 und 2,5 Prozent.

Bertelsmann-Stiftung: "Wer einmal arm ist, bleibt lange arm"

Frustrierter neunjähriger Junge mit Fußball im Grafitti-bunten Hinterhof eines alten Mehrfamilienhauses. August 2009 - model released. Köln, Nordrhein-Westfalen, Deutschland, 11.08.2009
Armut ist in Deutschland oft eine Falle, aus der Betroffene nicht herauskommen.
© picture alliance / JOKER, Walter G. Allgöwer

Erst vor wenigen Tagen hatte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie veröffentlicht, wonach mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland länger als fünf Jahre in armen Verhältnissen lebt. Für zusätzlich 10 Prozent der Kinder in der Bundesrepublik ist Armut nach der Untersuchung zumindest ein zwischenzeitliches Phänomen. "Kinderarmut ist in Deutschland ein Dauerzustand. Wer einmal arm ist, bleibt lange arm. Zu wenige Familien können sich aus der Armut befreien", so Stiftungsvorstand Jörg Dräger.

Armut bedeutet laut der Stiftung für die Kinder Verzicht. Die Grundversorgung ist demnach in der Regel gewährleistet, aber die Betroffenen sind vom gesellschaftlichen Leben abgekoppelt. Um das messbar zu machen, fragen die Wissenschaftler, welche 23 Güter und Aspekte aus finanziellen Gründen in den Familien fehlen. Darunter fallen Kinobesuche, Freunde einladen, Computer mit Internetzugang oder eine zu kleine Wohnung.