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Fast 900 Verletzte in Katalonien: 90 Prozent stimmen illegal für Abspaltung von Spanien - Polizei greift hart durch

Fast 900 Verletzte in Katalonien: 90 Prozent stimmen illegal für Abspaltung von Spanien - Polizei greift hart durch

Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte Abstimmung für ungültig

Bei dem umstrittenen Referendum über die Unabhängigkeit in der spanischen Region Katalonien sind nach teils brutaler Polizeigewalt rund 893 Menschen verletzt worden. Trotz eines gerichtlichen Verbotes und gegen den Willen der Zentralregierung in Madrid zog die Regierung in Barcelona die Abstimmung über eine Loslösung von Spanien durch. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy sprach der Abstimmung am Abend jede Gültigkeit ab. Es habe am Sonntag in Katalonien kein Referendum, sondern eine "Inszenierung" gegeben.

Mehrheit stimmt für Abspaltung

2,2 Millionen Menschen gaben trotzdem ihre Stimme ab, wie ein Sprecher der Regionalregieung mitteilte. Damit lag die Wahlbeteiligung bei 42 Prozent. 90 Prozent setzten ihr Kreuzchen für die Unabhängigkeit Kataloniens. ​Die Frage auf den Stimmzetteln lautete: "Wollen Sie, dass Katalonien zu einem unabhängigen Staat in Form einer Republik wird?" Die Abspaltungsgegner wollten überwiegend nicht zur Wahl gehen, die vom spanischen Verfassungsgericht für ungültig erklärt worden war.

Nach dem vom Regionalparlament in Barcelona verabschiedeten 'Abspaltungsgesetz' könnte die Regionalregierung innerhalb der nächsten 48 Stunden die Unabhängigkeit Kataloniens ausrufen. "Wir haben das Recht gewonnen, einen unabhängigen Staat zu haben", sagte Carles Puigdemont, Chef der Regionalregierung.

Zusammenstöße mit der Polizei

Polizei hindert Wähler an der Stimmabgabe
Die Polizei versucht, Wähler an der Stimmabgabe zu hindern, und schleift einen Mann weg.
FD htf, dpa, Emilio Morenatti

​Gleich bei der Öffnung der Wahllokale griffen die von Madrid entsandten Polizisten hart durch, um die Wahl zu blockieren. Hunderte Bürger wurden verletzt, einige davon schwer. Auch 33 Polizisten wurden leicht verletzt. Der Sprecher der katalanischen Regionalregierung sprach von "Unterdrückung durch den spanischen Staat" und einer "Schande Europas". Trotz des Polizeieinsatzes wurde vielerorts in Katalonien abgestimmt. Die Regionalregierung teilte mit, 96 Prozent der 3.215 Wahllokale hätten am Sonntag normal funktioniert.

Rajoy steht nach den Zwischenfällen stark in der Kritik. Die katalanische Regionalregierung habe "Grundrechte verletzt" und gegen die Legalität und das demokratische Zusammenleben verstoßen, sagte er in Madrid. Der konservative Politiker gab der Regionalregierung in Barcelona die Schuld an den Unruhen. Die Verantwortlichen seien die, "die das Gesetz gebrochen haben". "Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt und das Gesetz befolgt."

Puigdemont erklärte, die Sicherheitskräfte hätten auch Gummigeschosse und Schlagstöcke gegen friedliche Bürger eingesetzt. Er sprach von einem "ungerechtfertigten, irrationalen und unverantwortlichen" Gewalteinsatz. In Richtung Rajoys sagte er: "Es ist alles gesagt, die Schande wird Sie auf ewig begleiten."

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FC Barcelona setzt Zeichen für Demokratie

Aus Protest gegen die Gewalt beschloss der Fußball-Topclub FC Barcelona, das Spiel gegen UD Las Palmas unter Ausschluss der Öffentlichkeit auszutragen. Der Antrag des Vereins, das Spiel abzusagen, wurde spanischen Medienberichten zufolge vom Verband abgelehnt. "Der FC Barcelona verurteilt die Ereignisse, die es heute in weiten Teilen von Katalonien gegeben hat, um die Bürger daran zu hindern, ihr demokratisches Recht der freien Meinungsäußerung auszuüben", hieß es in einer Erklärung des Clubs von Superstar Lionel Messi und dem deutschen Nationaltorwart Marc-André ter Stegen.

Für die Gewalt wurde in erster Linie die Guardia Civil verantwortlich gemacht. Sie ist seit der Unterdrückung der Region unter dem Franco-Regime in Katalonien äußerst unbeliebt. Die katalanische Regionalpolizei Mossos d'Esquadra, die in der Region verwurzelt und angesehen ist, war vor dem Referendum Madrid unterstellt worden. Dem Befehl, Schulen und andere Wahllokale abzuriegeln, kam sie am Morgen dennoch nicht nach und blieb passiv. Seit Wochen hatte Rajoy immer wieder versucht, die Befragung zu verhindern. Bei einer Abspaltung der von ausländischen Touristen meistbesuchten Region des Landes würde das EU-Land auf einen Schlag knapp 20 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts verlieren.