Ein Tag mit Giffey - Mama und Vollzeitpolitikerin

Familienministerin Franziska Giffey: „Frauen können alles!“

27. Februar 2020 - 13:28 Uhr

von Franca Lehfeldt

Neukloster in Mecklenburg-Vorpommern, es ist halb elf am Dienstagmorgen, Franziska Giffey (41) ist ganz in ihrem Element. Raus aus dem Büro und ab ins Klassenzimmer, Politik zum Anfassen. Giffey (SPD) ist Ministerin, SPD-Hoffnungsträgerin, Ehefrau und Mutter in einer Person und brennt für ihr Amt. Ein Arbeitstag hat bei ihr schnell vierzehn bis sechszehn Stunden - kein leichter Spagat zwischen dem Ministerium und der eigenen Familie. Wir haben Franziska Giffey einen ganzen Tag begleitet und wollten wissen, ob die Ministerin auch noch einen Schritt weiter gehen möchte und für ihre SPD als Kanzlerkandidatin ins Rennen gehen wird. Die Reportage zeigen wir Ihnen im Video.

Erster Termin: Förderschule Neukloster

Giffey mit Schülern
Giffey bei dem Besuch in der Förderschule
© RTL

Die Ministerin erscheint pünktlich um halb elf zum ersten Termin – Besuch einer Förderschule, die vom Ministerium mitfinanziert wird. Eine herzliche Begrüßung, Schulrundgang und Gespräche mit Schülern und Lehrern. Ihr Tag als Mutter beginnt bereits vor den beruflichen Terminen: "Ich habe mit meinem Sohn gefrühstückt, habe ihn zur Schule gebracht und dann ging es los", erklärt sie und klingt hellwach. Giffey tauscht Akten gegen Praxis, bereits nach ihrer ersten Woche im Ministerium kündigte sie an, "Leute, ich muss auch raus". Der Grund dafür klingt beinahe selbstverständlich, wenn sie es erläutert: "Ich sage Ihnen, so ein Besuch vor Ort, die echte Begegnung mit den Menschen, das ist meistens besser, als jeder Aktenvermerk es sein könnte und deshalb ist es für mich ganz, ganz wichtig", kommt es ihr mit Berliner-Akzent über die Lippen.

Zweiter Termin: Erfolgsfaktor Familie

Giffey mit Schülern einer Förderschule.
Giffey mit Schülern einer Förderschule.
© RTL

Wichtig ist ihr auch, dass sich Beruf und Familie miteinander vereinbaren lassen. Wie das gelingen kann, davon überzeugt sich die Ministerin bei ihrem nächsten Termin. "Wir sagen: Frauen können alles! Und wenn sie es nicht können, dann sagen wir eben, dieser Satz, der ist Fakt und Forderung zugleich. Und weil es eine Forderung ist, müssen wir eben die Bedingungen schaffen". Giffey sagt diesen Satz, als sei es ihr persönliches Leitmotiv.

Sie bringt einen eigenen Politikstil mit, der einige Antworten auf die Demokratiemüdigkeit im Land liefert – bei den Menschen an der Schule und im Betrieb kommt sie an. Inzwischen ist es Nachmittag und es stehen noch vier weitere Termine an. Erst am Abend nach dem letzten Termin bei der Ostseezeitung findet sich Zeit für ein Gespräch.

Macht Politik krank?

Hektische und lange Arbeitstage, unregelmäßige Mahlzeiten und Dauerbereitschaft – ist das gesund? "Wenn du dauerhaft Vierzehn- bis Sechszehnstundentage hast, dann ist das sehr, sehr intensiv. Man weiß das vorher und hat ja auch ein Ziel, das man erreichen möchte", erklärt Giffey ihren Alltag. Ihr nächstes Ziel ist bekannt: Giffey kandidiert im Mai für den Vorsitz der Berliner SPD. Und dann? Wird aus der Mutter, Ministerin und Hoffnungsträgerin der SPD irgendwann auch eine Kanzlerkandidatin? "Ich glaube, dass es eine gute, sozialdemokratische Kraft in Berlin braucht und dass die da auch wirken kann. Alles Weitere werden wir sehen", sagt sie und schmunzelt. Ein nein war das nicht! Und wir werden wieder nachfragen, wenn es so weit ist.

Ein langer Tag geht zu Ende

Interview-Ende um 20 Uhr in Rostock! Nach über zwölf Stunden steht jetzt noch die Rückfahrt an – es wird 23 Uhr, bis sie wieder zuhause bei ihrer Familie ist. Ohne den einen oder anderen Trick, kommt auch eine Ministerin nicht aus.

Franziska Giffey hat keine Mittagspause gemacht, gegessen hat sie unterwegs im Auto. Bei ihren Reden auf den unterschiedlichen Terminen, kamen dann auch immer die gleichen Textbausteine. Anders ist es bei einem so vollen Terminkalender wahrscheinlich gar nicht machbar. Und auch wenn nicht jeder Tag so lang ist, wie dieser – der Politikeralltag ist oft anstrengender, als man denkt.